Berlin: China treibt Internationalisierung deutscher Hochschulen an

Berlin: China treibt Internationalisierung deutscher Hochschulen an

Aus China kommen immer mehr Studenten und wissenschaftliche Mitarbeiter an deutsche Hochschulen. Die Internationalisierung der deutschen Hochschulen beruht wesentlich auf dem Interesse chinesischer Studenten und Wissenschaftler, wie aus einem Bericht des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) und des HIS-Instituts für Hochschulforschung (HIS-HF) hervorgeht.

Demnach kommen die meisten Auslandsstudenten für ein Studium nach Deutschland aus China, ebenso die größte Gruppe ausländischer wissenschaftlicher Mitarbeiter an hiesigen Hochschulen. Zudem werden die meisten geförderten Aufenthalte in Deutschland von chinesischen Wissenschaftlern absolviert, gefolgt von Russen, heißt es in dem Bericht.

Danach stand das „Reich der Mitte” im Studienjahr 2010/2011 auch bei den ausländischen Erstsemestern an der Spitze. Im Vergleich zu 2009 wuchs die Zahl der Studienanfänger nochmals um zehn Prozent auf 6200 an. An zweiter Stelle stehen erstmals die USA mit knapp 4000 Studienanfängern; sie verdrängen Frankreich auf den dritten Platz.

Die Entwicklung Chinas zum Global Player spiegelt sich auch in der Hochschulpolitik Pekings wider. Im Bildungsreformplan für die Jahre bis 2020 werde der Internationalisierung chinesischer Hochschulen erstmals hohe Priorität beigemessen, heißt es. Schon zuvor zeigten chinesische Studenten die höchste Mobilität weltweit: 2009 kamen 16 Prozent aller weltweit mobilen Studierenden - 604 000 - aus China.

Zu den Motiven für ein Studium in Deutschland zählt Chen Hongjie von der Peking Universität relativ günstige Studien- und Lebenskosten. „Vor allem verspricht die starke wirtschaftliche Präsenz Deutschlands in China eine gute berufliche Perspektive.”

Die Hochschul-Beziehungen zwischen Deutschland und China werden immer enger. Zunehmend kämen Studierende im Rahmen von inzwischen rund 750 Hochschulkooperationen nach Deutschland, so der DAAD. Dabei gehe es nicht mehr nur um den Austausch einzelner Wissenschaftler und Studierender, sondern auch um die gemeinsame Entwicklung von Curricula oder sogar um den Export ganzer Studiengänge nach China. „Insbesondere in der anwendungsorientierten Hochschulausbildung bieten sich verstärkt Möglichkeiten der Kooperation”, heißt es.

Das Praxis-Interesse der Chinesen schlägt sich auch in ihrer Studienwahl nieder. 40 Prozent haben sich in Deutschland für ein ingenieurwissenschaftliches Studium eingeschrieben - bei ihren deutschen Kommilitonen sind es nur halb so viele.