Aachen: Bildungsstau quer durch die Stadt

Aachen: Bildungsstau quer durch die Stadt

Der imposante Bildungsstau reichte am Mittwoch vom Kaiserplatz über die Wilhelmstraße bis nach Burtscheid. So standen mittags deutlich mehr Autofahrer im Regen als Demonstranten im Protestmarsch. Dafür wurden die 150 Studierenden und Schüler erheblich nasser.

Aber die kleine Gruppe, geschützt von zig Polizisten, stapfte beim „Bildungsstreik” wacker vom „Protestcamp” am Templergraben quer durch die Kaiserstadt bis zur SPD-Parteizentrale an der Heinrichsallee. „Bildung für alle - und zwar umsonst!”, skandierten sie. Und: „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut!”

Allzu laut ging´s dann aber doch nicht - die Lautsprechertechnik des Demowagens hielt den Wassermassen nicht stand. Organisator Jens Wegener machte neben dem Wetter auch den Studieninformationstag am Mittwoch für die schwache Teilnahme verantwortlich. „Alle Studenten haben heute frei, viele waren am Vorabend feiern und sind wohl nicht rechtzeitig um 10.30 Uhr aus den Federn gekommen”, sagte er.

Zudem seien viele Mitstreiter von der Ignoranz der Politik frustriert. An der SPD-Parteizentrale suchte Ratsherr Mathias Dopatka (29) das Gespräch mit den Protestlern. Er betonte, dass die SPD bei einer Regierungsbeteiligung in Düsseldorf sicher daran festhalten werde, die Studiengebühren abzubauen.

Dennoch: „Der Protest ist noch nicht vorbei”, rief Wegener seinen Mitstreitern zu. Er lud alle Interessierten zu Workshops in der Zeltstadt vor dem Super C ein. Um 11 Uhr debattiert man am Donnerstag über AStA-Arbeit, um 15 Uhr trifft sich das Aktionsbündnis gegen Studiengebühren.

Gegen 23 Uhr will man den Film „Kick it like Frankreich” zeigen - und eine Doku über den Aachener Bildungsstreik vom April. Da hatten tausende Demonstranten bei strahlender Sonne ein Verkehrschaos ausgelöst.

Junge Union und RCDS kritisieren Art des Protests

Der Kreisvorsitzende der Jungen Union, Markus Schmidt-Ott, und der Vorsitzende des RCDS Aachen, Dominik Ben Klein, üben in einer gemeinsamen Erklärung Kritik an der „fundamentalistischen Haltung” der Demonstranten im „Protestcamp”.

„Wir würden uns freuen, wenn die Protestierenden nach dem Protestcamp eine einheitliche Liste von glasklaren Forderungen präsentieren. Eine Liste von konstruktiven Verbesserungsvorschlägen - frei von ideologischen Parolen -, sorgfältig abgewogenen Alternativen und nicht bloß eine Aufzählung von Dingen, die abgeschafft werden sollten”, hieß es.

Ein Großteil der Aachener Studenten sei mit der Verwendung der Studienbeiträge an der Hochschule zufrieden. In bundesweiten Umfragen schneide die RWTH diesbezüglich überdurchschnittlich gut ab, erklärten Schmidt-Ott und Klein.

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