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Aachen: 10.000 Zuhörer: Modell „Uni im Rathaus” kommt an

Aachen : 10.000 Zuhörer: Modell „Uni im Rathaus” kommt an

Mit Karl dem Großen fing wieder einmal alles an: Professor Max Kerner, Historiker an der RWTH Aachen, hielt im November 1996 einen Vortrag mit dem Titel „Karl der Große - Karl der Fiktive.

Wi(e)der die Karlslüge” und gab damit den Startschuss für die Vorlesungsreihe „Uni im Rathaus”.

Nun - gut sieben Jahre später - schwang sich Professor Klaus Habetha, Altrektor der RWTH und Mitinitiator der Reihe, hinter das Rednerpult im Krönungssaal des Rathauses, um Aachener Bürger verschiedenster Couleur für „Mathematik zum Anfassen” zu begeistern. Es war die 25. Vorlesung dieses erfolgreichen Projekts.

„In einigen Städten haben die kommunalen Vertreter Hausverbot in den Gebäuden der Universität”, sinnierte Professor Burkhard Rauhut, Rektor der RWTH, anlässlich des Jubiläums. Das werde in Aachen wohl zum Glück nie passieren. Im Gegenteil: „Stadt und Hochschule arbeiten gemeinsam daran, den Standort Aachen attraktiv zu machen.”

Die Reihe „Uni im Rathaus” hatten Rauhuts Vorgänger Habetha und Oberbürgermeister Jürgen Linden als einen Teil des „Elf-Punkte-Programms zur Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen Stadt und RWTH” ins Leben gerufen.

Mittlerweile kamen rund 10.000 Aachener zu den 25 Vorlesungen, die sich immer auch wieder mit aktuellen Themen wie Klonen, Klimawandel oder Aktien als Geldanlage beschäftigt haben.

„Die Resonanz ist überwältigender, als wir anfangs geglaubt haben”, stellte OB Linden fest, zeigte sich aber nicht nur deswegen von der Idee, Wissenschaft für alle verständlich anzubieten, überzeugt: „Jede Wissenschaft braucht menschliche Akzeptanz. Und die Vermittlung von Wissen ist bedeutsam. Ohne dies bekommen wir den Strukturwandel in der Region nicht hin.”

Mathematikprofessor Habetha übernahm nun an diesem Abend die Aufgabe, Wissen auf verständliche und unterhaltsame Weise an Mann, Frau und Kind zu bringen: „Das Bekenntnis, in Mathematik war ich schlecht, ist bei uns gesellschaftlich anerkannt”, stellte er nicht ohne Missfallen fest.

Dabei könne die Mathematik alltägliche Probleme lösen: Wettervorhersagen werden mit Differential- und Integralrechnungen ermittelt, optimale Busverbindungen oder die effiziente Verlegung von Kabelnetzen errechnet die so genannte diskrete Mathematik.

„Es gibt heute zum Glück nicht mehr den Unterschied zwischen reiner und angewandter Mathematik. Die Mathematik ist immer anwendnungsnah”, meinte Habetha.

Schließlich beantwortete der emeritierte Professor auch noch die Frage, ob man die Mathematik wirklich anfassen könne, indem er ein buntes Muster an die Wand warf. „Stellen Sie sich dies als Stoff vor und sie können Mathematik auch wirklich anfassen.”