"Helfende Hände": Soziales Engagement an Gesamtschule in Stolberg

Projekt „Helfende Hände“ : Wenn soziales Engagement auf dem Stundenplan steht

Im Sozialprojekt „Helfende Hände“ an der Kupferstädter Gesamtschule lernen Kinder verpflichtend, was es heißt, sich sozial zu engagieren. Schüler erzählen, wie sie das Projekt erlebt haben und welche Erfahrungen besonders in Erinnerung geblieben sind.

Lars Offermann hat gelernt, dass Helfen auch Spaß machen kann. „Es gibt einem ein sehr gutes Gefühl, wenn man ein Lächeln zurückbekommt“, sagt er. Der 17-Jährige ist Schüler der Kupferstädter Gesamtschule in Stolberg und hat dort am Projekt „Helfende Hände“ teilgenommen. Dort hat er gelernt, was es heißt, sich sozial zu engagieren – und dass man nicht nur mit Geld belohnt werden kann, sondern eben auch mit einem Lächeln oder einem Dankeschön.

Lars gehört zur ersten Generation der „Helfenden Hände“. In diesem Projekt haben die Kinder in Klasse 7 eine zusätzliche Unterrichtsstunde Wirtschaftslehre. Im ersten Halbjahr finden sie ein soziales Projekt, bei dem sie sich ehrenamtlich außerhalb der Schulzeit engagieren (weitere Infos Interview unten). Vor vier Jahren, als Lars die siebte Klasse besuchte, ist das Projekt gestartet.

Der 17-Jährige hat damals in zwei Einrichtungen ausgeholfen und sehr gute Erinnerungen an die Erfahrungen, die er dort gemacht hat. „Es hat mich interessiert, mit Jüngeren zu arbeiten, deshalb hatte ich mir die KOT ausgesucht“, erzählt er rückblickend. Die Kleine Offene Tür ist ein Anlaufpunkt, den hauptsächlich Kinder und Jugendliche aufsuchen. Dort hat Lars zum Beispiel bei den Hausaufgaben geholfen und Spiele gespielt.

Für ihn persönlich hatte das Projekt über das soziale Engagement hinaus weitere positive Aspekte: „Ich bin ein sehr schüchterner Mensch, in der KOT sind aber alle direkt auf mich zugekommen und waren super freundlich“, erinnert er sich. Das gelte nicht nur für die Mitarbeiter, sondern auch die Kinder. Vor allem die Hausaufgabenbetreuung hat Lars so gut gefallen, dass er diese bald fortführen möchte – nämlich beruflich. „Das Projekt hat mir eine Richtung gegeben, was ich später machen möchte: Lehrer werden“, berichtet er.

So weit sind die aktuellen Teilnehmer des Projektes noch nicht. Die Achtklässler Chiara Schenk und Liridona Ceka haben bei der Gruppe Z geholfen. „Die Gruppe setzt sich dafür ein, dass Dinge, die früher Juden, Sinti und Roma passiert sind, nicht vergessen werden“, erzählt Chiara. Dazu werden zum Beispiel weiße Steine mit den Namen der Toten auf die Grabsteine gelegt.

Chiara Schenk und Liridona Ceka (v.l.) haben sich um den jüdischen Friedhof gekümmert und Steine gegen das Vergessen beschriftet. Foto: ZVA/Caroline Niehus

„Am Friedhof haben wir auch ein Gedicht von einem Mädchen vorgetragen, das gefangen war, aber unbedingt leben wollte“, erinnert sich Liridona. Dienstags und freitags sind sie zu Karen Lange-Rehberg von der Gruppe Z gegangen. Sie hat ihnen viel über die Recherche-Arbeit erzählt. „Es war sehr interessant, wie sie das macht und was man alles rausfinden kann“, sagt Chiara.

Celina Herz hat ihre Zeit bei Tabalingo verbracht. In der inklusiven Freizeiteinrichtung üben Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam verschiedene Aktivitäten aus. In den Herbstferien hat Celina mit den Kindern der Waldgruppe zum Beispiel Steine gesammelt, um damit zu basteln. Ein Kind hat es ihr dabei besonders angetan. „Es kam immer zu mir und wollte mit mir sprechen, das war wirklich süß“, freut sie sich. Die Zuneigung der Kinder hat die 14-Jährige positiv überrascht. Einen Unterschied zwischen den Kindern hat Celina nicht feststellen können.

„Kinder interessiert es nicht, ob jemand eine Behinderung hat“

Diese Erfahrung hat auch Manar Brand im Reittherapiezentrum gemacht. „Dort waren zum Beispiel auch Kinder, die im Rollstuhl sitzen oder eine geistige Behinderung haben“, berichtet sie. Sie selbst hat noch nie einen Unterschied zwischen Kindern mit und ohne Behinderung gemacht, fand es aber toll zu sehen, dass das unter Kindern genauso ist. „Ich habe beobachtet, dass es die Kinder nicht interessiert, ob jemand eine Behinderung hat oder nicht. Die nehmen sich einfach an“, sagt sie. Während ihrer Zeit hat sie die Kinder betreut und mit ihnen gebastelt und die Pferde versorgt.

Für Nattakorn Sabkaewyod ging es bei seinem Projekt an die frische Luft: Im ehemaligen Steinbruch Gehlens Kull hat er einen Tag in der Woche die Natur gepflegt. „Es gibt dort verschiedene Tiere, zum Beispiel Vögel und Fische“, erzählt er. Gemeinsam mit Werner Meuthen, der sich um das Naturschutzgebiet kümmert, hat er verschiedene Aufgaben übernommen. „Wir haben Müll gesammelt, die Treppen gefegt und Vögel gefüttert.“

Lars findet es als „alter Hase“ toll zu hören, wie vielfältig die Projekte mittlerweile geworden sind. Die Schüler der ersten Generation hatten nämlich einen eher kleineren  Pool an Möglichkeiten. Doch mit den Jahren ist der Ideenreichtum gewachsen, den Einsatzorten sind quasi keine Grenzen mehr gesetzt. „Was wir hier machen, ist etwas komplett Neues, das hat keine Schule bisher gemacht“, sagt er stolz.

Er hofft, dass andere Schulen sich ein Beispiel nehmen und solch ein Projekt ebenfalls einführen. Dafür gibt es laut Lars auch einen guten Grund: „Soziales Engagement ist ein sehr wichtiger Aspekt in der heutigen Gesellschaft, der leider oft vernachlässigt wird.“