Wassenberg: Harfenklänge, Halunken und massig Met

Wassenberg: Harfenklänge, Halunken und massig Met

„Nicht authentisch, sondern phantastisch”, lautet der Werbeslogan beim „Mittelalterlich Phantasie Spectaculum” für die aktuelle Tournee, auf der es am Wochenende für zwei Tage Station unterhalb des Wassenberger Burgturms und erstmals auch auf dem Pontorsonplatz Station machte.

„Spektakulär” ließe sich für Wassenberg in diesem Jahr noch hinzufügen, denn das gute Wetter lockte bereits am Samstag Tausende von Besuchern auf das Festivalgelände und ließ sie bis in die Nacht hinein auf der Hauptbühne am Pontorsonplatz noch ein großes Feuerspektakel und schließlich noch das Nachtkonzert mit der Gruppe „Saltatio Mortis” genießen.

Zum vierten Mal

Zum vierten Mal bereits konnte Edwin Ball als Marktvogt „Eduard von Sonnenberg” den Wassenberger Magistrat zum nach eigenen Angaben größten, reisenden Mittelalter-Kultur-Festival der Welt begrüßen. „Es ist mir eine Freude, euch so jung zu sehen”, umschwärmte er Bürgermeister Manfred Winkens, den er im festlichen Umzug gemeinsam mit Händlern und Künstlern vom Haupteingang unterhalb der Burg zur Hauptbühne begleitete. Dabei nutzte der bunte Zug eine als Fußweg ganz neu angelegte Verbindung zwischen dem bisherigen Gelände und dem Pontorsonplatz, von Winkens spontan auf den Namen „Vogtweg” getauft.

„Alles ist bereitet im schönen Wassenberg”, begrüßte der Marktvogt dann die vielen Besucher, die sich schon zum Auftakt vor der Hauptbühne eingefunden hatten. Sein Dank ging an die Stadt und an den Gewerbeverein für die um rund 6000 jetzt auf 46.000 Quadratmeter erweiterte Festivalfläche. Er stellte „Handwerker, Gaukler, Musici, Künstler und Bettelpack” vor, zunächst aber den Mönch „Bruder Rectus”. Ihm verbot er für zwei Tage, „die Weiber zu umgarnen” und erlegte ihm auf, statt Alkohol nur Messwasser zu sich zu nehmen.

Es folgte der Aufmarsch all derer, die für die lukullischen Genüsse des Marktes zuständig waren. Erstmals gab es in Wassenberg in diesem Jahr süßes und herzhaftes Stockbrot, aber auch wieder den beliebten Hanffladen. „Seile, dir ihr fressen könnt”, bemerkte der Vogt dazu. Als Handwerker stellten sich dem Publikum Gewandhausschneider, Buch-, Edelstein-, Fell-, Glas- sowie Waffen- und Rüstungshändler vor. Insgesamt 110 Stände umfasste der Markt in diesem Jahr. Rund 30 Künstler gaben ihr Können zum Besten, darunter gleich mehrere in der Mittelalterszene bekannte Musikgruppen.

Die Tore bleiben offen

„Schließen Sie die Augen und reisen Sie zurück in das Jahr 1511”, forderte Gewerbevereins-Geschäftsführer Leonhard Schröder die Besucher von der Bühne aus auf. Damals habe die Stadt ihre Tore geschlossen, wenn die Horden angereist seien. „Heute machen wir dafür hier die Tore auf”, betonte er mit Blick auf die Großveranstaltung mitten in der Stadt und dankte ganz besonders dem Bürgermeister, „der voll dahinter steht”. Und der tat dann zur offiziellen Eröffnung den Spruch, der mittlerweile auch schon Tradition hat: „Sauft und fresst so viel ihr könnt. Kauft den Händlern die Buden leer!”

Genau das taten die Besucher schon am ersten Tag, denn am Abend desselben war der Marktvogt rundum zufrieden. „Wir sind begeistert”, erklärte er und deklarierte den ersten Tag des Spectaculums in Wassenberg zu einem neuen Rekord, nicht nur in puncto Besucherzahl, sondern auch im Hinblick auf die Atmosphäre der Veranstaltung, die allen Anwesenden sichtlich gut gefiel.

Ergänzt wurde das Spektakel durch ein großes Lager zahlreicher historischer Gruppen, durch die Kapuzinerklause der Bruderschaft im Hause Heidemanns und durch einen verkaufsoffenen Sonntag in der Stadt.