Kommentar zur Deutschen Einheit: Halbvoll – halbleer

Kommentar zur Deutschen Einheit : Halbvoll – halbleer

Alle Jahre wieder veröffentlicht die Bundesregierung ihren Bericht zum Stand der deutschen Einheit. Und genauso regelmäßig wird darüber gestritten, ob das Glas nun halbvoll oder halbleer ist.

Zweifellos haben die neuen Bundesländer im Vergleich zu den alten viel an Lebensqualität gewonnen. Davon zeugen nicht nur gut ausgebaute Straßen oder sorgsam restaurierte Innenstädte. Der Arbeitsmarkt hat sich ebenfalls deutlich entspannt. Inzwischen werden auch im Osten Fachkräfte gesucht. Aber da ist eben auch die Kehrseite der Medaille: keine großen Unternehmen in Neufünfland, kleinteiliges Wirtschaften, vergleichsweise geringe Forschungskapazitäten. Von diesen Strukturdefiziten war fast wortgleich schon in früheren Berichtsausgaben die Rede. Und so kommt es, dass der Osten dem Westen bei entscheidenden wirtschaftlichen Kennziffern auch weiter hinterherhinkt.

Nach dem Auslaufen des Solidarpakts für die neuen Länder zum Ende dieses Jahres werden die bislang auf Ostdeutschland fixierten Förderprogramme allen bedürftigen Regionen zugutekommen. Richtig so. Allerdings sollte man sich nichts vormachen. Wegen seiner nahezu flächendeckenden wirtschaftlichen Defizite wird der Osten auch weiterhin überproportional von staatlichen Hilfen abhängig sein. Drei Jahrzehnte nach dem Mauerfall sind die Wunden der deutschen Teilung noch längst nicht verheilt.