125 Jahre Feuerwehr Übach: Gutes Miteinander und gelebte Kameradschaft

125 Jahre Feuerwehr Übach : Gutes Miteinander und gelebte Kameradschaft

Die dreirädrige Handspritze mit dem Glöckchen gibt es noch, mit ihr hat damals die Arbeit der Feuerwehr Übach begonnen. Das ist heute 125 Jahre her. Ein Grund zum Feiern.

Der Löschzug Übach feiert sein 125-jähriges Bestehen. Wie sehr sich die Arbeitsweise der Wehrleute seit 1897 verändert hat, macht ein Blick auf den heutigen und damaligen Fuhrpark deutlich, der beim großen Feuerwehrfest am Feuerwehrhaus an der Friedrich-Ebert-Straße am Wochenende, 2. und 3. Juli, besichtigt werden kann. Denn glücklicherweise ist die Handspritze aus dem Gründungsjahr 1897 noch gut erhalten.

Neben den neun Einsatzfahrzeugen der Gegenwart, darunter fünf Großfahrzeuge, macht das dreirädrige Handwägelchen, mit dem die Kameraden der Anfangsjahre ausrückten, einen recht bescheidenen Eindruck. Ein Glöckchen bimmelte, wenn der Karren über das Kopfsteinpflaster gezogen wurde. Per Hand musste das Wasser in den Schlauch gepumpt werden. Doch auch wenn sich die Ausrüstung deutlich verändert hat, gilt der Wahlspruch „Retten, Löschen, Bergen, Schützen“ nach wie vor.

Der Wehrleiter der Übach-Palenberger Feuerwehr, Detlef Mäntz, ist schon seit 35 Jahren in der Feuerwehr. Schon sein Vater und sein Großvater gehörten zu den Wehrleuten. Auch der Löschzugführer Christoph Savoir stammt aus einer Feuerwehrfamilie. Sein Stellvertreter Manuel Krämer hat ebenfalls einen Opa, der schon dem Wahlspruch folgte.

Der Vorläufer der Freiwilligen Feuerwehr in Übach war wie vielfach in der Region üblich ein privater Bürgerverein. Er besaß eine 1822 angeschaffte handgezogene Brandspritze, die im ersten Spritzenhaus am Friedhof Burgstraße untergebracht war. Mit 20 Mitgliedern startete 1897 dann die öffentlich organisierte Gefahrenabwehr, die Gründung der Feuerwehr Übach. Die Chronik zeichnet die kontinuierliche Weiterentwicklung der Übacher Wehr und ebenso die stetige Einbindung in das örtliche Geschehen auf.

Nach verschiedenen Standorten der Übacher Feuerwehr am Marktplatz, in der Thornstraße und am Kirchplatz folgte 1960 der Neubau eines Feuerwehrhauses am Kirchberg und schließlich im Oktober 1989 der Einzug in das heutige Feuerwehrhaus an der Friedrich-Ebert-Straße. „Um erfolgreich Gefahrenabwehr und Schadensbegrenzung zu betreiben, ist stets eine qualifizierte und verfügbare Mannschaft sowie eine leistungsfähige technische Ausstattung unabdingbar“, sagt Löschzugführer Christoph Savoir.

Im aktiven Dienst der Übacher Einsatzabteilung stehen aktuell 45 Männer und drei Frauen im Durchschnittsalter von 39 Jahren. Aus dem aktiven Dienst verabschiedete Kameraden bleiben der Feuerwehr in der Ehrenabteilung mit derzeit 19 Angehörigen verbunden. Neben der Einsatz- und der Ehrenabteilung besteht als dritte Formation die Jugendfeuerwehr, die in Übach-Palenberg gemeinsam mit den anderen drei Feuerwehrstandorten, Boscheln, Frelenberg und Scherpenseel mit 14 Mädchen und 22 Jungen auf Stadtebene geführt wird. Die Fahrzeug- und Geräteausstattung wird regelmäßig modernisiert. Eine Erweiterung des Übacher Feuerwehrhaus ist im Brandschutzbedarfsplan vorgesehen.

Die Einsatzstatistik des Löschzuges Übach des Jahres 2021 registrierte 34 Brandeinsätze, 36 Alarmierungen aus betriebsinstallierten Brandmeldeanlagen, 60 Technische Hilfeleistungen einschließlich der Verkehrsunfälle und der Gefahrguteinsätze sowie 53 Alarmierungen zu Menschenrettungen bei hilflosen Personen in Gebäuden, überwiegend in Zusammenarbeit mit dem Rettungsdienst des Kreises Heinsberg. „Die Summe dieser 183 Einsätze liegt im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Rund um die Uhr wurden unsere ehrenamtlichen Kräfte zu diesen Einsätzen aus den unterschiedlichsten Situationen am Arbeitsplatz oder in der Freizeit alarmiert“, erklärt der stellvertretende Zugführer des Löschzuges Übach, Manuel Krämer.

Die Verantwortlichen sehen derzeit eine Zunahme der sogenannten Flächenlagen bei Sturm oder Hochwasser sowie der Flächenbrände bei Dürre. Detlef Mäntz, Chef der Übach-Palenberger Gesamtwehr, erklärt: „Ein ganz besonderes Augenmerk erfordert die jeweils aktuelle Personalsituation der Freiwilligen Feuerwehr.“ Hauptamtliches Feuerwehrpersonal für eine ständig besetzte Feuerwache sei in Übach-Palenberg derzeit aufgrund einer Ausnahmegenehmigung der Bezirksregierung Köln entbehrlich, solange die ehrenamtliche Feuerwehr entsprechend leistungsfähig sei. „Mindestens alle fünf Jahre wird überprüft, ob wir eine Reihe von Leistungsmerkmalen ständig erfüllen, um mit ausreichendem und qualifiziertem Personal innerhalb einer bestimmten Zeit nach Alarmierung die Einsatzbearbeitung vor Ort aufnehmen zu können“, sagt Wehrleiter Mäntz.

„Ein gutes Miteinander in gelebter Kameradschaft ist eine Voraussetzung, um sehr interessante vielseitige Aufgaben zur oftmals zeitkritischen Hilfeleistung für unsere Mitmenschen anzupacken“, betont Löschzugführer Savoir. Die anstehende Jubiläumsfeier möchte der Löschzug nutzen, um sich der Öffentlichkeit nach der Pandemie erneut zu präsentieren, sich bei den Unterstützern zu bedanken und gegebenenfalls auch Besucher für eine Aufnahme in die Freiwillige Feuerwehr zu interessieren.