Kreis Düren: Gutachter empfehlen Gemeinschaftsschulen

Kreis Düren: Gutachter empfehlen Gemeinschaftsschulen

Die Schülerzahlen gehen in allen Kommunen im Kreis rapide zurück. Gab es im Jahr 2001 noch 13.300 Grundschulkinder, so sind es aktuell nur noch knapp 10.000 und in einigen Jahren konstant deutlich weniger als 9000.

Ein Rückgang, der auch durch Schüler aus Nachbarkreisen nicht kompensiert werden kann. Die Fakten sind seit langen bekannt, Ratlosigkeit hingegen besteht allerorten über die daraus zu ziehenden Konsequenzen.

450 Zuhörer

Und deshalb war es nicht verwunderlich, dass fast 450 Politiker, Schul- und Elternvertreter am Donnerstagabend gebannt die Vorstellung des von der Bonner Projektgruppe Bildung und Region (biregio) erstellten Schulentwicklungsplans verfolgten. Dabei machte Wolf Krämer-Mandeau (biregio) den Politikern aus den 15 Kommunen, die als Schulträger autark in ihren Entscheidungen sind, unmissverständlich deutlich, dass Kirchturmdenken bei diesem sensiblen Thema fehl am Platze ist: „Das ernsthafte Interesse an den Bildungschancen der Kinder erlaubt bei den sich abzeichnenden immensen demografischen und schulstrukturellen Herausforderungen keine Pro-Domo-Diskussion.” Krämer-Mandeau appellierte eindringlich, alle Entscheidungen im Konsens zu treffen. Isolierte Lösungen würden nur neue Konkurrenz entfachen.

Gestützt auch auf eine Elternbefragung (3. Klasse), an der sich mit 80 Prozent deutlich mehr beteiligten, als an jeder politischen Wahl, kommen die Gutachter zu folgenden zentralen Ergebnissen:

- Das Grundschulnetz sollte so eng wie möglich erhalten werden, notfalls mit Dependancen;

- Alle Haupt-, aber auch alle Realschulen sind kurz- und mittelfristig in ihrer Existenz gefährdet. Sie sollten so schnell wie möglich zu Gemeinschaftsschulen fusionieren, mit zwingend notwendigen Oberstufen im Norden, Süden und in der Mitte des Kreises (siehe Info). Dieses Modell - gemeinsamer Unterricht in Klasse 5 und 6, Differenzierung ab Klasse 7 mit allen Abschlüssen in Klasse 10 und dem Übergang in die Oberstufe - ziehen auch die Eltern einer Verbundschullösung vor; mit eindeutiger Tendenz zum Ganztagsangebot. Krämer-Mandeau: „Halbtags ist für die meisten Eltern gegessen.” Auch die Förderschulen sollten integriert werden (Inklusion).

- Keine neue Gesamtschule. Sie würde nur die Konkurrenz erhöhen. Die vorhandenen sollten auf vier Klassen je Jahrgang beschränkt werden/bleiben.

- Auch bei den Gymnasien, die pro Jahrgang bereits 200 Schüler verloren haben, stellt sich die Frage, ob der Status quo zu halten ist. Schon jetzt konzentriere sich der Anmeldedruck der Eltern auf einzelne Gymnasien, während anderen Schülern fehlen, so dass die Schulträger die Wahl haben werden zwischen der Schließung oder der Verteilung der Schüler.
? Neue Angebote sollten schon allein aus finanziellen Erwägungen nicht auf der grünen Wiese entstehen. Das vorhandene kreisweite Raumangebot in den Schulen, das auf 3500 Schüler pro Jahrgang ausgelegt ist, künftig aber nur noch gut 2000 aufnehmen muss, biete genügend Platz für Ganztagsangebote und besondere pädagogische Konzepte.

Bei allen Überlegungen (der komplette Plan mit 345 Seiten kann im Internet unter http://www.kreis-dueren.de heruntergeladen werden) gehen die Gutachter von einem „aufbauenden Modell” aus. Das heißt, dass schließende Schulen sukzessive auslaufen und aufbauende sukzessive entstehen.

Damit ist eine Standortgarantie an einer Schule für die bis zum Schuljahr 2011/12 aufgenommenen Schüler verbunden. Auch wenn der große Schülereinbruch erst 2013/14 kommen wird, empfiehlt die Studie schnelles Handeln, räumt dabei allerdings auch ein, dass die Herausforderungen im Südkreis am größten sind. „Hier ist jeder Fehler bei der Neuaufstellung irreperabel.”

Weil Alleingänge und konkurrierende Anträge zu zentralen, vom Land diktierten Gesamtlösungen führen könnten, nehmen die Planer die 15 Kommunen in die Pflicht und empfehlen, kreisweit ein „Paket zu schnüren, das für alle gleich ist und zur gleichen Zeit startet”.