Online: Gutachten über sexuellen Missbrauch im Bistum Aachen wird vorgestellt

Online : Gutachten über sexuellen Missbrauch im Bistum Aachen wird vorgestellt

Ein ungewöhnliches Format, ein brisantes Thema: Ein Gutachten über sexualisierte Gewalt im Bistum Aachen wird online vorgestellt. Auftraggeber ist das Bistum. Bischof Dieser kennt das Papier der Kanzlei nicht. Er hat zur Teilnahme an der Vorstellung aufgerufen.

Im katholischen Bistum Aachen wird am Donnerstag um 10 Uhr ein Gutachten über sexuellen Missbrauch Minderjähriger durch Geistliche des Bistums im Rahmen einer öffentlichen Online-Pressekonferenz vorgestellt. Es geht um einen Zeitraum von über 50 Jahren, von 1965 bis 2019. Eine Münchner Anwaltskanzlei war 2019 vom Bistum mit dem Gutachten beauftragt worden. Aachens Bischof Helmut Dieser ist bei der Vorstellung als Gast anwesend und nach übereinstimmenden Angaben vorab nicht über die Ergebnisse informiert.

Untersucht werden soll das Handeln von Verantwortungsträgern des Bistums. Die Bistumsleitung erklärte, sie erwarte Erkenntnisse zu Strukturen und Verantwortlichkeiten sowie Handlungsempfehlungen. Bischof Dieser hatte erklärt, er wünsche sich eine breite Beteiligung an der Live-Übertragung. Mit mehr als einer Million Katholiken zählt Aachen zu den größeren Bistümern.

Im Anschluss soll das Gutachten auf der Homepage der Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl veröffentlicht werden. Das Erzbistum Köln hatte bei der Kanzlei eine ähnliche Untersuchung in Auftrag gegeben. Mit dem Ergebnis ist Kardinal Rainer Maria Woelki jedoch so unzufrieden, dass er das Gutachten nicht veröffentlichen will und die Zusammenarbeit mit der Kanzlei beendet hat. Das Bistum Aachen blieb beim geplanten Vorgehen. Die Kanzlei wies Kritik zurück.

(dpa)