Leserbriefe zum Thema Verkehr: Grabenkriege werden gefördert

Leserbriefe zum Thema Verkehr : Grabenkriege werden gefördert

Verkehrspolitik bleibt eines der am meisten aktuell diskutierten Themen bei unseren Lesern. Hier eine Reihe von Zuschriften aus Aachen.

Herbert Schaber schreibt zum Artikel „Stadt schafft Platz für Radfahrer“:

Verkehrspolitik in Aachen – ein leidiges Dauerthema. Die Stadt setzt konsequent um, was sie beschlossen hat, die Pkw mit allen Mitteln aus der Stadt zu halten beziehungsweise zu verdrängen. Ehrliche Politik bedeutet, die Bürger mündig mitzunehmen in die Gestaltung zukünftiger Verkehrspolitik. Ehrliche Politik birgt natürlich auch die Gefahr den Pkw-Fahrer als Wähler zu verlieren und dies so kurz vor den Wahlen. Wer sehend durch die Stadt fährt, sei es mit Pkw oder Fahrrad, stellt sehr schnell Konzeptionslosigkeit fest – und alle Verkehrsteilnehmer sind gestresst. Seit Jahren versucht man mit wenig Sachverstand Verkehrspolitik umzusetzen, aber nicht zu gestalten. Es muss doch möglich sein Pkw-Fahrer, Radfahrer und Fußgänger gleichberechtigt in ein gesamtes Verkehrskonzept einzubinden. Grabenkriege zwischen den genannten Gruppierungen werden durch mangelhafte Verkehrspolitik gefördert und provoziert. So ist es nicht damit getan, Parkplätze zu entfernen oder Fahrradwege ins Nirwana auslaufen zu lassen oder für die Autofahrer Straßen nach dem Prinzip Versuch und Irrtum auf eine Fahrbahn zu reduzieren, so beispielhaft geschehen zwischen Josefskirche und Europaplatz.

Manfred Raak äußert sich zum Leserbrief von Dieter Berg „Für mich ein Unding“ wie folgt:

Dieter Berg echauffiert sich, „die Fahrradfahrer“ bekämen Radwege als Belohnung für rücksichtsloses Verhalten. Abgesehen davon, dass sich alle Verkehrsteilnehmer in „rücksichtslos“ und „anständig“ einteilen lassen, sitzt er leider einem Logikbruch auf: Jede Autostraße in Aachen ist historisch nur dadurch entstanden, dass Autos immer mehr wurden und anfingen, die Menschen, Fußgänger und andere Verkehrsteilnehmer zu gefährden. Nie führte ein anderer Grund zur Umwidmung von Straßenraum, außer, dass zusätzlich seit Anfang des vergangenen Jahrhunderts der Autoverkehr als Heilsbringer konsequent gefördert wurde. Deshalb sehen wir uns heute dieser einseitigen Aufteilung des städtischen Raumes gegenüber.

Herbert Mathissen kritisiert den Radverkehr in Aachen mit dieser Zuschrift:

Was nehmen sich Radfahrerinnen und natürlich auch Radfahrer eigentlich heraus? Gelten für sie keine Verkehrsregeln? Neulich musste ich es wieder in der Fußgängerzone Burtscheid erleben: Munter wird dort mit dem Rad gefahren und das zügig an dem deutlichen Schild „Verbot für Radfahrer“ vorbei. Aber auch in anderen Fußgängerzonen sowie auf Bürgersteigen und Fußgängerüberwegen trifft man Radfahrer an und rote Ampeln werden ignoriert oder umfahren.
Wie schön, dass man nun alles daran setzt, die Stadt für den Radfahrverkehr zu attraktivieren, um die Bevölkerung vermehrt aufs Rad zu bringen. Gewiss verhalten sich nicht alle Radelnden so verkehrswidrig, aber vermehrter Radverkehr bringt auch noch vermehrt derartige Ignoranten auf die Straße. Von denen, die sich dafür einsetzten, den Radverkehr zu steigern, erwarte ich nun auch, dass sie dafür Sorge tragen, dass seitens der Radelnden die Verkehrsregeln auch so peinlich eingehalten werden, wie sie es umgekehrt verlangen.

Zur neuen Verkehrsplanung für die Breslauer Straße schreibt Gisela Schäfer:

Also so langsam denke ich, dass die Autofahrer, die doch deutlich in der Mehrzahl sind, bestraft werden sollen. Was soll denn das? Warum reicht es nicht, eine Sanierung des Rad- und Fußgängerweges durchzuführen? Warum muss ein ganzer Fahrstreifen dafür wegfallen? Warum muss hier unnötig Geld ausgegeben werden, das an anderer Stelle viel besser einzusetzen wäre. Die Breslauer Straße wird doch gar nicht so stark von Radfahrern frequentiert. Ich halte das für ganz großen Quatsch. Haben unsere Aachener Politiker zu wenig zu tun oder den Blick für das Wesentliche verloren?!

Konrad Offer kommentiert die Beschlüsse zur Umgestaltung der Breslauer Straße:

Erst hatte ich geglaubt, ich hätte etwas verpasst: die Entwicklung der Breslauer Straße von der anbaufreien Außerortsstraße hin zu einer an beiden Seiten bebauten Straße mit städtischer Funktionalität, weshalb nun groß umgebaut werden muss. Ich fuhr also zur Besichtigung die Straße entlang und durfte feststellen, dass alles so wie in meiner Erinnerung war: links und rechts – abgetrennt durch einen breiten baumbestandenen Grünstreifen – Platz für Fußgänger und Radfahrer, in der Mitte vier Spuren für den motorisierten Verkehr und als Bebauung viel Gewerbe. Die neue Einschätzung der Breslauer Straße war also nur eine neue Wortwahl. Den Ausbau des Radverkehrsnetzes begrüße ich, doch diese Maßnahme verschließt sich meinem Verständnis: Wo ist der Bedarf? Eilendorf fährt über den Vennbahnweg in die Stadt, Haaren über die Krefelder Straße. Wie das Bild des Artikels zeigt: weder Fußgänger noch Radfahrer zu sehen, aber eine Menge Autos.

Zur Diskussion um den Wegfall von Parkplätzen im aktuellen Engpass Saarstraße meldet sich Gabriele Steckenborn zu Wort:

Dem Kommentar von Fritz Korr zum Leserbrief von Dieter Berg kann ich mich nur anschließen. Herr Berg beschwert sich nur über die Radfahrer und erwähnt nicht die hupenden und bedrängenden Autofahrer – das stand ebenfalls in dem besagten Artikel. Die Markierungen am Veltmanplatz leiten die Radfahrer übrigens direkt auf den Fußweg, und ich klingle auch hinter Fußgängern, damit sie gewarnt sind. Sollen sich die Radfahrer in Luft auflösen? Ich erlebe mindestens so viele rüpelhafte Autofahrer wie Radfahrer und finde es immer wieder unglaublich, mit welcher Selbstverständlichkeit Autofahrer den gesamten Straßenraum beanspruchen – das muss und wird sich ändern, das dürfte doch langsam jedem klar sein. Und wenn nun mal endlich etwas mehr Raum für Fahrräder geschaffen wird, ist das Geschrei groß. Zu viele sind nicht willens, mal etwas anders oder neu zu denken: Was für ein Gewinn an Lebens- und Aufenthaltsqualität, wenn der Autoverkehr etwas reduziert würde (er wird ja nicht beseitigt!). Möchten Sie die Fußgängerzonen am liebsten auch wieder abschaffen, diese einzig attraktiven Zonen in der Stadt? Der immer wieder vorhergesagte Niedergang der Geschäftswelt ist in Städten, die diesen Weg eingeschlagen haben, nicht eingetreten, ganz im Gegenteil: Maastricht, Kopenhagen, Wien etc. boomen, das wird anscheinend nicht wahrgenommen.

Zur Verkehrspolitik in Aachen schreibt Eberhard Burlet:

Ist es nicht schön, dass beinahe das gesamte Politikspektrum darin einig ist, dass Radfahrer und der ÖPVN gefördert werden sollen. Nein, es ist nicht schön, denn niemand nennt Kosten und Folgen. Wie viele der Pkw von Innenstadtbewohnern müssen weg, um den Platzhunger der RadlerInnen, des ÖPNV und der neuen Bahnen zu stillen? Und dass diese weg müssen, steht fest! Von FußgängerInnen ist nie die Rede. Hat irgendjemand derer, die die Erreichbarkeit der (sterbenden) Innenstadt garantieren, mit Flächen für Parkhäuser geworben? Park&Ride-Parkhäusern, die für Tourismus, Besucherverkehr und die Erreichbarkeit der Innenstadt zwingend notwendig sind? Parkhäuser mit Paketstationen, E-Lademöglichkeiten,  Fahrradverleih, Carsharing und einer Anbindung an den flutschenden ÖPNV? Wie seit Jahrzehnten wird etwas, was wirklich jeder unterstützen kann, wie mehr Kita-Plätze, besserer ÖPNV, mehr Sicherheit am Bushof und mehr Sicherheit für Radfahrer, ohne Nennung der Konsequenzen lediglich plakativ gefordert – ohne Idee einer funktionierenden Lösung.