Giscard freut sich auf Kumpel Helmut

Giscard freut sich auf Kumpel Helmut

Aachen (an-o) - Weil der Thalys aus Paris gebummelt hatte, konnte der Präsident erst mit 40-minütiger Verspätung in sein Büro bitten. Schlechtes Gewissen oder angeborene Freundlichkeit - ein über die Maßen aufgeräumter Valéry Giscard dEstaing empfing am Donnerstag Morgen die Gäste aus Aachen.

Vielleicht lösten OB Jürgen Linden und Direktoriumssprecher Walter Eversheim aber auch landsmannschaftliche Gefühle im neuen Karlspreisträger aus, denn geboren wurde er 1926 in Koblenz, "Rheinallee 7". Damit erschöpften sich die Deutschkenntnisse des früheren französischen Staatspräsidenten, jetzt Präsident des Europäischen Konvents, und parliert wurde nachfolgend in der Heimatsprache des künftigen Preisträgers.

Dem nachgesagt wird, bei Bedarf größtmögliche Distanz zwischen sich und anderen Erdenbürgern schaffen zu können, aber von dieser Fähigkeit war am Donnerstag nichts zu spüren: Trotz Terminverzugs nahm er sich richtig Zeit für seine Gäste aus Aachen, offen und zuvorkommend, ein ums andere Mal betonend, wie sehr ihn die hohe Auszeichnung berühre und bewege. Linden nach der Audienz im fünften Stock des Kommissionsgebäudes, wo der Konvent für eine Weile als Untermieter residiert: "Das hat uns als Öcher natürlich gut getan."

Bilder sagen viel

Das Auffallendste am Amtszimmer des (Konvents-)Präsidenten Giscard sind die beiden - einzigen - Fotos an der Wand: links ein Bild vom großen Charles de Gaulle, rechts ein Schnappschuss, der den (Staats-)Präsidenten Giscard und Altkanzler Helmut Schmidt in relativ jungen Jahren zeigt. Dazwischen hängt die Urkunde, die Schmidt und Giscard die "Goldmedaille" der Fondation Jean Monnet zuerkennt - dass der Hamburger und der Mann aus der Auvergne dicke Freunde waren und noch immer sind, könnte nicht besser unter Beweis gestellt werden.

So freut sich der neue Karlspreisträger mächtig auf den Ehrengast Helmut Schmidt, der versprochen hat, am Tage Christi Himmelfahrt im Aachener Rathaus dabei zu sein. Wie vor 25 Jahren, als der Franzose und der Deutsche genau an diesem Ort ein Gipfeltreffen veranstalteten.

Lange Gästeliste

Damals hat die Zeit nicht gereicht, die historische Umgebung genauer unter die Lupe zu nehmen, das will Giscard jetzt nachholen. Der OB konnte ihm wegen des engen Programms aber nur wenig Hoffnungen auf eine Rathausführung machen. Und auch die Frage des Franzosen, welche Überreste des Kaisers Charlemagne in Aachen noch vorhanden seien, konnte Linden, da ein großes Geheimnis, nur eher ausweichend beantworten: Den Fall müsse er erst mit dem Dompropst besprechen...

Die Gästeliste zur Karlspreisverleihung 2003 wird lang sein, denn alle 105 Mitglieder des Konvents werden eingeladen, darunter politische Schwergewichte aus allen Staaten der Gemeinschaft und der beitrittswilligen Länder. Außerdem wird Giscard, der wahrscheinlich von seiner Frau Anne-Aymone begleitet wird, noch einen eigenen Wunschkatalog nachreichen.