Aachen: Gewerkschafter: „Viel zu wenig Geld für Bildung”

Aachen: Gewerkschafter: „Viel zu wenig Geld für Bildung”

Wenn Ralf Woelk - kurz vor der Landtagswahl - das nordrhein-westfälische Bildungssystem beurteilt, findet er drastische Worte.

Von „Fehlentwicklungen” und „Qualitätsverlust in fast allen Einrichtungen von der Primarstufe bis zur Hochschule” spricht der Vorsitzende der DGB- Region Süd-West und fordert von der künftigen Landesregierung einen „ganzheitlichen bildungspolitischen Ansatz”.

Dazu gehöre eine verstärkte U3-Betreuung, die Nachbesserung des Kinderbildungsgesetzes (Kibiz), längeres gemeinsames Lernen, die Einführung eines einheitlichen Schulsystems für alle Kinder, Korrekturen beim Turbo-Abi sowie die Abschaffung der Studiengebühren.

Dass in NRW an vielen Stellen nachgebessert werden muss, hat für Walter Lohne, Mitglied im Leitungsteam der GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) und Vorsitzender des Personalrates Hauptschule, einen einfachen Grund: „Es wird immer noch zu wenig Geld in die Bildung gesteckt.”

Das mache sich an allen Stellen bemerkbar, besonders aber bei der U3-Betreuung. Die Kommunen müssten finanziell in die Lage versetzt werden, mehr Plätze zu schaffen. „Ich weiß, dass sich in einer Kita 53 Bewerber für sechs Plätze gemeldet haben”, sagt Woelk.

Chancengleichheit schaffen

Ähnlich heikel sei die Situation in den Schulen. Nicht nur dass Klassen immer noch zu groß seien und sich zu wenige Lehrer um zu viele Schüler kümmern müssten, die Grundschulen litten unter der Auflösung der Einzugsgebiete. Diese fördere die soziale Selektion. Das bestehende dreigliedrige System verstärke zudem soziale Unterschiede.

„Fast nirgendwo in Europa ist das Erreichen eines Hochschulabschlusses dermaßen vom Bildungsstand des Elternhauses abhängig”, so Woelk. Daher fordert der DGB eine Schule für alle Kinder. Dies sei der einzig vernünftige Weg, um mehr Chancengleichheit zu schaffen.

Die will der DGB auch an den Hochschulen - deshalb sollten die Studiengebühren abgeschafft und die Bachelor- und Masterstudiengänge reformiert werden. Zu verschult und unflexibel seien die neuen Abschlüsse, bemängelt Woelk.

Dabei sei im Hinblick auf den demografischen Wandel eine gute Ausbildung notwendig, um dem Fachkräftemangel vorzubeugen. „Wir sind auf jeden jungen Menschen angewiesen, wir können es uns nicht leisten, einen zu verlieren.”