Wassenberg-Steinkirchen: Gefühlsbetonte Folklore, ohne „schmalzig” zu sein

Wassenberg-Steinkirchen: Gefühlsbetonte Folklore, ohne „schmalzig” zu sein

Die Martinus-Kirche Steinkirchen spielt eine immer wichtigere Rolle bei Deutschen und Niederländern, wenn es um Musik und in darstellende Kunst geht.

So auch kürzlich wieder: Unter den rund 250 Besuchern beim Konzert der Gruppe Junist” vom Konservatorium in Lemberg (Ukraine), die zum 5. Mal innerhalb ihrer Deutschland-Tournee in Steinkirchen gastierten, stammte mindestens die Hälfte aus dem Nachbarland. Es kamen sogar Gäste aus Maastricht und Venlo.

Die von den Künstlern in ihren folkloristischen Kostümen mit außergewöhnlicher Natürlichkeit und solistischem Können verbreitete Wärme reichte aus, um eine innere Wärme zu fördern.

Die Besetzung mit zwei Geigerinnen, zwei Badura-Spielerinnen (ein Cello-ähnliches Instrument, mit dem man auch Gitarrenklänge erzeugen kann), Akkordeon, Querflöte, Pan-Flöte und Soli ergaben zusammen mit dem Gesang ein Klangbild von großer Dichte und Farbigkeit. Im ersten Teil des Konzertes überwog Folklore des östlichen Raumes. Gefühlsbetont, ohne „schmalzig” zu sein und wunderschöne Rhythmik, die auch im kirchlichen Raum nicht stört, riss auch den letzten Zuhörer mit. Der Flötist von Junist ist ein Ausnahmetalent. Auch an der Panflöte begeisterte er die große Zuhörerschar.

Im zweiten Teil des Konzertes erklang „deutsche” Musik - und auch das wiederum mit einer Intensität und solistischer Feinheit, die zu Beifallsstürmen hinriss. Die rein weihnachtlichen Stücke waren das Non-Plus-Ultra der Liedvorträge. Das „Ave Maria” der Sopranistin war auch im mittlerweile nicht mehr fußwarmen Raum der altehrwürdigen Kirche ein unvergessliches Erlebnis.

Tolle Akustik

Von der viel gerühmten Akustik in Steinkirchen waren auch die Künstler von Junist begeistert. Ob sie allerdings im nächsten Jahr wiederkommen dürfen oder können, bleibt noch ungewiss. Ihr deutscher Betreuer aus Eilendorf ist mittlerweile nicht mehr der Jüngste und ob er einen Nachfolger findet, steht noch in den Sternen.

Niederländische und deutsche Besucher würden es jedenfalls sicherlich sehr bedauern, wenn Junist ihre große, aus dem Volk erwachsene Kunst nicht mehr hier vermitteln könnte.

Der Beifall in Sankt Martinus war sehr herzlich. Er war mehr als wohl verdient und eine wunderbare Einstimmung auf Weihnachten.

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