Kommentar zur CDU : Gefährliches Gedankenspiel

Kommentar zur CDU : Gefährliches Gedankenspiel

Das hat der CDU gerade noch gefehlt. Seit ihrem massiven Absturz bei der Europawahl ist sie mit einer Führungsdebatte konfrontiert.

Und während die Gewaltandrohungen gegen Kommunalpolitiker und der rechte Hass vor dem Hintergrund des Mordes an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke gerade das Land erschüttern, reden Teile der Partei nun auch noch von einer Koalition mit der AfD. Also genau jener Partei, in der rechte Hetzer eine politische Heimat gefunden haben. Zwar erinnerte die CDU-Spitze umgehend an einen Parteitagsbeschluss, der jede Form der Zusammenarbeit mit der AfD ausschließt. Aber so einfach könnte sich der Geist nicht zurück in die Flasche zwingen lassen.

Angesichts der besonderen Stärke der AfD im Osten Deutschlands wird es dort immer schwieriger, Regierungsbündnisse jenseits der Rechtspopulisten zu schmieden. Zur Rechtfertigung der Annäherung an die Partei wird in der ostdeutschen CDU auf liberale Kräfte verwiesen, welche es auch in der AfD gebe. Allerdings muss man die inzwischen mit der Lupe suchen. Gerade die ostdeutschen AfD-Verbände zeichnen sich durch eine besondere Radikalität aus. Gegen Migranten, für völkisches Gedankengut – siehe etwa Björn Höcke.

So lange solche geistigen Brandstifter ihren Platz in der AfD haben, muss die Union klare Kante gegen diese Partei zeigen. Alles andere würde den Verlust ihrer Identität bedeuten. Mit einem deutlichen Rechtsruck ließe sich für die Christdemokraten nämlich nicht annähernd das gewinnen, was sie in anderen Wählerschichten verlieren würden. Dafür spricht auch eine aktuelle Umfrage, wonach 87 Prozent der Unionsanhänger eine Regierungsbeteiligung der AfD ablehnen. Das sollte auch der CDU im Osten eine eindringliche Warnung sein.