Aachen: Gähnen, herzhaftes Gelächter und dann kräftiger Applaus

Aachen : Gähnen, herzhaftes Gelächter und dann kräftiger Applaus

Sieben Minuten lang hat der Steppke in der ersten Reihe Haltung bewahrt, wie es sich gehört an solch einem Tag.

Er hat sich nicht gerührt, als der OB im TV ein „Funktionieren der Institutionen” angemahnt hat und auch nicht, als der OB „innere Reformen durch einen Verfassungsvertrag” gefordert hat. Aber nun, da der Oberbürgermeister begonnen hat, die Ehrengäste zu begrüßen, und gar nicht mehr aufhören will damit - da hat es mit der Haltung des jungen Mannes ein Ende. Die rechte Hand fährt in Rekordgeschwindigkeit zum Mund und kann das kräftige Gähnen doch nicht verbergen.

Die Aula der Domsingschule, Mittwoch Nachmittag, 17 bis 18 Uhr, während der Verleihung des Außerordentlichen Karlspreises an Papst Johannes Paul II. Wenn dies für die Stadt Aachen eine große Stunde ist, dann ist es für es für die Domsingschule eine gigantische. Rund 30 Domchorknaben gehören zu der dann doch recht elitären Aachener Karlspreis-Abordnung, und die meisten der Jungen haben vor zwei, drei Jahren noch die Domsingschule besucht. Eine riesige Leinwand ist deshalb in der Aula errichtet worden, und darauf verfolgen die Domsingschüler, die daheim gebliebenen Domchorknaben und viele Eltern nun die Feierstunde im Vatikan.

Bis kurz vor halb sechs, bis zur eigentlichen Übergabe der Karlspreis-Palette an Karol Wojtyla also, ist der Gesang des Domchors kaum zu vernehmen gewesen - aber nun: schwenkt sogar die Kamera auf die Chorknaben. Im Nu sind Dutzende Finger auf die Leinwand gerichtet: „Da ist der...” Und dann, in Nahaufnahme: Gerhard Dünnwald, Leiter der Domsingschule, wie er da in der Sala Clementina steht, die Augen aufs Notenpapier gerichtet, und voller Inbrunst singt. Jetzt hat es mit der Haltung endgültig ein Ende: Herzhaftes Gelächter bricht aus.

Die Feier nähert sich dem Ende. Ulla Schmidt hat dem Papst die Hand geschüttelt, Armin Laschet ebenso, und natürlich auch ein paar Mitglieder des Domchors. In der Aula der Domsingschule brandet Applaus auf. Selbstredend sind die Domchorknaben, die zuhause bleiben mussten, auch ein wenig enttäuscht. Aber neidisch auf die, die mitdurften nach Rom, sind sie nicht. Mal abgesehen von einer Tatsache: „Die Romfahrer”, erzählt Laszlo (11), „haben schulfrei gekriegt”.

Impressionen von der Karlspreis-Verleihung in Rom