Heinsberg-Eschweiler: Frühjahrsnachschau bei Heinsberger Imkern eröffnet

Heinsberg-Eschweiler: Frühjahrsnachschau bei Heinsberger Imkern eröffnet

Dr. Gerhard Liebig ist eine Koryphäe in Sachen Bienenhaltung und glücklicherweise nicht auf den Mund gefallen, so dass er auf Bemerkungen wie „Herr Doktor, waren Sie mal Messdiener” durchaus Paroli bieten konnte.

Diesen etwas vorlauten Spruch musste sich Dr. Liebig schon gefallen lassen, hatte er doch den Rauchbläser vor seinem Vortrag auf dem Gelände des Imkervereins Heinsberg zwar sorgfältig entfacht, aber „das feuchte Wetter” (das Wetter ist immer schuld) hatte der frischen Glut den Gar ausgemacht. Und noch ein Sprüchlein begleitete den neuerlichen Zündvorgang: „Zu jedem guten Feuerzeug gehört ein Streichholz.”

Bienenzüchter sind aber nicht nur große Sprücheklopfer, sondern ein ganz munteres Völkchen. 104 Liebhaber von Biene und Honig waren teilweise von weit her nach Eschweiler gekommen, wo Tanja und Stefan Drachenberg vom Imkerverein Heinsberg ihre Bienen auf einem Wiesengrundstück halten.

Im WM-Jahr 2006 hatten die Drachenbergs bei Dr. Gerhard Liebig in Stuttgart-Hohenheim acht Anfängerkurse zur Bienenhaltung besucht. Stefan Drachenberg: „Wir hatten eine Vortragsveranstaltung von Dr. Liebig erlebt, und ich hatte sofort gedacht, der Mann kann uns was über Bienen beibringen.”

Tat er und tut es weiterhin, und das mit so viel Witz und Verstand, dass seine Infoveranstaltung „Frühjahrsnachschau” beim Imkerverein Heinsberg auch für nicht eingefleischte Bienenzüchter sehr unterhaltsam war. Dr. Liebig: „Ich rate immer jedem, der mit der Bienenzucht anfängt, sich einem Imkerverein anzuschließen. Ich sage aber auch immer, sie sollen sich nicht von verdorbenen Imkern verderben lassen.”

Heißt, der Doktor hat seine eigenen Ansichten und geht auch mal mit seinen Fachkollegen ins Gericht: „Die meisten Bienen sind klüger, als manch einer, der über sie schreibt.” Und noch ein Tipp vom Doktor, bevor der erste Bienenstock geöffnet wurde: „Eigentlich sollte man sich ja hinter die Völker stellen, aber wer Stiche gewohnt ist, kann sich auch davor hinstellen.”

Und dann standen alle dicht gedrängt (gestochen wurde niemand) um den ersten Bienenstock, der nach der Winterpause zur sogenannten „Frühjahrsnachschau” geöffnet wurde. Eine der interessantesten Fragen nach Heben des Deckels ist natürlich, wo steckt denn wohl die Königin.

Siegesgewiss bot Dr. Gerhard Liebig den Umstehenden eine Fünf-Euro-Wette an, auf welcher Wabe denn wohl die einzige Königin des Stocks sitzen würde. Der Doktor lag mit seinem Tipp goldrichtig, doch sein Publikum war klug genug gewesen, die Wette auszuschlagen.

Mit Gelée Royale, dem Königinnenfuttersaft, waren die Königinnen im Mai und Juni des vorangegangenen Jahres von den Ammenbienen aufgezogen worden. Kurz darauf stand der Hochzeitsflug an, bei dem die Königinnen von bis zu 30 Drohnen im Flug begattet wurden.

Die Drohnen, also die männlichen Bienen, entschlüpfen übrigens aus unbefruchteten Eiern. In der Regel macht die Königin nur einen Hochzeitsflug, das reicht dann aus um pro Tag bis zu 2000 Eier zu legen, das Zweieinhalb- bis Dreifache ihres eigenen Körpergewichts.

Die 20 Bienenstöcke von Tanja und Stefan Drachenberg werden dank der fleißigen Königinnen im Mai und Juni von 30- bis 35 000 Bienen bevölkert. Stefan Drachenberg: „Eine normale Arbeiterbiene lebt aber nur etwa drei Wochen, weil sie sich mit der Aufzucht der Brut tot arbeitet.”

Mit „Einfach Imkern” hat Dr. Gerhard Liebig in Buchform einen Leitfaden für die Bienenhaltung verfasst. Demnächst wird es auf seiner Homepage www.immelieb.de viel Wissenswertes in Filmform zur Bienenhaltung geben. Das halbe Bienenjahr ist schon im Kasten, der Rest des Bienenjahres, das im August/September endet - dann ziehen sich die Bienen in den Stock zurück - muss Dr. Liebig noch aufnehmen.

Stefan und Tanja Drachenberg warten darauf, dass sich der Frühling endlich zeigt und die Saalweide ihren Pollen spendet. Stefan Drachenberg: „Dieser Pollen ist so etwas, wie die Babynahrung für unsere jungen Bienen.

Danach sammeln die Bienen den Nektar der Kirschblüte, das ist dann ihr Flugbenzin und ihr Heizöl, dann geht es richtig los.” Zweimal erntet der Imker in unserer Region, einmal den Frühjahrshonig von der Obstblüte und Raps und dann noch den Sommerhonig, der, wenn der Hobbyimker nicht auf Wanderschaft mit seinen Bienenstöcken geht, von den Lindenblüten stammt.

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