Leserbriefe zum Thema Rüstung und Militär: Frieden – nur mit oder ohne Waffen?

Leserbriefe zum Thema Rüstung und Militär : Frieden – nur mit oder ohne Waffen?

Fehlende Munition, Überlegungen zum Comeback der Wehrpflicht und Waffenexporte: Lesen Sie hier die aktuellen Leserbriefe unserer Leserinnen und Leser.

Horst Droste aus Simmerath hat sich Gedanken gemacht zum Bericht „Fehlende Munition“ über Zehntausende Schuss Munition, die der Bundeswehr in ihren Beständen fehlen, weswegen nun Ermittlungen eingeleitet wurden:

Es ist kaum zu glauben, was sich bei der Bundeswehr der Republik immer wieder ereignet. Da wird das Parlament darüber informiert, dass seit zehn Jahren riesige Mengen an Munition verschwunden sind aus den Depots der Bundeswehr, und keiner will das bemerkt haben. In den zehn Jahren haben sich fünf Minister in dem Ressort Verteidigung „ausprobiert“ und jedes Mal einen Scherbenhaufen hinterlassen. Alle Minister waren vor ihrer „Berufung“ Minister eines anderen Ressorts und haben in einem Schnellkurs Wehrkunde gepaukt. Keiner der Dienstherren der Bundeswehr war jemals aktiv bei der Bundeswehr tätig.

Jetzt zum eigentlichen Skandal: Da wird Material aus den Depots ausgegeben. Oder hat sich das jeder nach Gusto genommen – ohne Entnahmebestätigung? Gab es keine verantwortlichen „Lagerverwalter“? In jedem ordnungsmäßig geführten Betrieb ist die Lagerverwaltung eine wichtige Funktion, die die Zugänge und Abgänge zu verbuchen hat.

Bei der Bundeswehr läuft eine ungewisse Fehlmenge zehn Jahre auf, und jetzt ist man erstaunt und erschrocken über diesen Zustand. Jetzt wird auch noch vermutet, dass irgendwelche Munition noch an irgendwelchen Einsatzorten lagert. Es handelt sich doch nicht um irgendeine Ware, sondern um scharfe Munition, die jedermann sich aneignen kann, wenn diese unbewacht und achtlos gelagert wird. Gibt es dort ebenfalls keine Verantwortlichen? Ist denn einmal der Fuhrpark der Bundeswehr kontrolliert worden oder gibt es dort auch „Fehlbestände“? Oder fahren schon mehrere Panzer unkontrolliert durch unser Land? Hat vielleicht noch keiner festgestellt, weil es keinen interessiert. Wann kommt endlich eine erfahrene und anerkannte Persönlichkeit in dieses Amt – ohne Geschachere in den Regierungsparteien? Es täte den Finanzen und dem Ansehen der Bundeswehr und uns allen gut.

Reimund Bogaczyk aus Herzogenrath meldet sich zum Bericht „Ein Comeback für die Wehrpflicht?“ zur Idee der Wehrbeauftragten Eva Högl zu Wort – mittlerweile hat Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer den „Neue Freiwilligen Wehrdienst im Heimatschutz“ vorgestellt, der den allgemeinen Wehrdienst ergänzen soll:

Die Reaktivierung der Wehrpflicht halte ich für richtig. Damals eingezogene junge Männer benötigten nur eines: körperliche Fitness. Hoher IQ oder gar Berufserfahrung wurden nicht vorausgesetzt, waren allerdings auch nicht hinderlich. Wer Befehl und Gehorsam akzeptierte, diente dem Vaterland. Als billige Arbeitskraft! Wacheschieben am Kasernentor sowie gelegentlich auch anspruchsvolle Handlangerarbeit am Ende jeder Befehlskette – zu Lande, zu Wasser und in der Luft. Heute ist die Bundeswehr als Freiwilligenarmee ein Hightech-Unternehmen mit hochkomplexem Equipment, mit Jobs ausschließlich für Spezialisten. Einsatz, Unterstützung und Wartung der Waffensysteme erfordern kompetente Soldaten auf allen Einsatzebenen. Genau um dieses Personal konkurriert der Bund mit der freien Wirtschaft. Meistens verliert er. Wie soll’s denn gehen? 1. Der neue Dienst gilt gleichermaßen für Frauen und Männer. 2. Wer eingezogen wird, wird auch attraktiv besoldet. 3. Eingezogen werden die Schulbesten eines Jahrgangs. Individualkompetenzen werden in Assessment-Centern nachermittelt. 4. Nach einem militärischen Grundtraining gehen die Rekruten in eine strukturierte Praktikantenlaufbahn, Crossover durch alle Teilstreitkräfte. Personal auf dem Catwalk, mit Erstvertragsvorteil für den Bund. Auf dieser interdisziplinären Tour d’Horizon würden Bundeswehr und Rekruten berufliche Andockstationen entdecken, um länger dauernde militärische Karrieren zu planen. Erwünschter Nebeneffekt dieser Kasernenerstürmung: Der neugierig interessierte Blick junger Menschen würde Extremismusgeschwüre, die hinter undurchsichtigen Kasernenhofmauern alle paar Jahre immer wieder aufblühen, frühzeitig entdecken und öffentlich machen. Es wäre dies ein Mehrwert sowohl für die Armee als auch für die Gesellschaft.

Norbert Souvignier aus Aachen meint zur derzeitigen Diskussion über die Wiedereinführung der Wehrpflicht:

So wie ich es gelernt und in meiner Wehrdienstzeit erfahren habe, war genau die Vermeidung eines Staates im Staate und das Herausbilden einer bestimmten Gesinnung das Ziel bei der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht. Der Leitgedanke war der Staatsbürger in Uniform. Die Wehrgerechtigkeit „litt“ erst, als man im Zuge der Abrüstung immer weniger Soldaten benötigte. Dem Gedanken der Freiwilligenarmee lag aber weniger die Wehrgerechtigkeit zugrunde als vielmehr der Wunsch der Herren Gerhard Schröder und Joschka Fischer nach einem ständigen Sitz im Weltsicherheitsrat. Den wollte man sich mit einer Abkehr von der Scheckheftdiplomatie und mit der Teilnahme an Militäreinsätzen im Ausland „erkaufen“. Dies war aber mit einer Wehrpflichtigentruppe nicht möglich, weil man dort schon allein die für solche Spezialeinsätze erforderlichen Fähigkeiten nicht vermitteln konnte. Wenn Frau Högls Vorstoß scheitert, dann, weil die Infrastruktur (Kasernen, Bahnhöfe und -strecken) aufgegeben wurde und nur mit größtem Aufwand wiederherzustellen wäre.

Markus und Inge Zegels aus Eschweiler melden sich zur Leserbriefseite mit dem Titel „Viel Geld, viele Freunde und viel Gepäck“ zum Thema „Krieg und Frieden“ zu Wort:

Zu den vier Leserbriefen, die sich kritisch mit dem Truppenabzug der Amerikaner aus Deutschland beschäftigt haben, möchten wir einige Ergänzungen anbringen. Es ist absolut zuzustimmen, Militäretats zu verringern, Atomwaffen abzuschaffen und in Frieden in Europa und der Welt zu leben. Wir haben zum Glück hier in Westeuropa seit nunmehr 75 Jahren Frieden. Dazu beigetragen haben aber auch die vielen Soldaten der sogenannten westlichen Siegermächte. Hier wird zum Beispiel nicht erwähnt, dass die damalige Sow­jetunion rund eine halbe Million Soldaten in der ehemaligen DDR stationiert hatte. Es wird nicht erwähnt, dass das heutige, teilweise ja auch europäische, Russland 4000 bis 5000 Atomwaffen teilweise auf uns gerichtet hat. Das russische Volk würde bestimmt die ungeheuren Militäranstrengungen dort lieber in besseres Leben und Versorgung investieren. Leider lässt das aber die derzeitige Führung offensichtlich auch auf absehbare Zeit nicht zu. Diese Führung hilft lieber, den furchtbaren Krieg in Syrien zu verlängern, um den dortigen Mörder an seinem eigenen Volk an der Macht zu halten. Laut unseren Medien sind wir dann hauptsächlich verantwortlich für die Versorgung der Menschen und den Wiederaufbau, nicht die Kriegstreiber dort! Die russische Führung unterstützt auch fast alle weltweiten Despoten und Diktatoren im Iran, Nordkorea, Venezuela etc., die ihre eigenen Völker nur unterdrücken. Selbstverständlich würde Westeuropa gerne mit einem friedlichen und nicht aufrüstenden freiheitlich-demokratischen Russland zusammenleben. Vielleicht haben die Leser der Leserbriefseite dazu ja einen guten Vorschlag, wie das zu managen wäre?

Dr. Heiner Jüttner aus Aachen thematisiert US-Präsident Donald Trump und die Nato:

Die Forderung von Donald Trump, Deutschland müsse mehr Militärkosten in der Nato übernehmen, entbehrt jeder Grundlage. Trump vergleicht dazu die Verteidigungsausgaben der USA, die 3,6 Prozent des amerikanischen Bruttoinlandsprodukts ausmachen, mit denen der Nato-Staaten, die zumeist darunter liegen und seiner Ansicht nach mindestens zwei Prozent leisten sollen.

Tatsächlich setzen die USA ihr Militärbudget jedoch überwiegend für eigene Bedürfnisse und nicht für die Nato ein. Die Wochenzeitschrift „Die Zeit“ hat ermittelt, dass allenfalls 4,5 Prozent des Gesamtbudgets für Nato-Verteidigungszwecke verwendet werden („Die Milchmädchenrechnung der USA“, „Zeit Online“ vom 21. Februar 2017). Das erlaubt eine überraschende Schlussfolgerung: 4,5 Prozent von 3,6 Prozent Anteil am Bruttoinlandsprodukt sind nur klägliche 0,16 Prozent, die die USA für Bündniszwecke aufwenden. Von den anderen Nato-Staaten verlangt Trump dagegen zwei Prozent.

Auch Birgit Heitmann aus Aachen geht auf die Leserbriefe mit der Überschrift „Viel Geld, viele Freunde und viel Gepäck“ ein:

Leser Jürgen Zimmermann aus Aachen irrt sich, denn Frieden wird nicht mit Waffen erreicht, sondern nur mit Verstand und Diplomatie. Auf der ganzen Welt wollen die Menschen in Frieden leben. Keine Familie will Krieg erleben, will, dass Bomben auf ihr Haus fallen, ihre Männer als Soldaten sterben, ihre Mütter vergewaltigt werden, ihre Kinder die Schrecken der Zerstörung ausbaden müssen. Außerdem brauchen wir auch nicht so viele Flugzeuge, denn es sind Umweltzerstörer. Wir alle sind weltweit elektronisch bestens vernetzt und agieren vom Schreibtisch aus. Und niemand sollte auf die Hetzerei gegen Wladimir Putin reinfallen. Denn alle Länder dieser Welt sind nicht an Zerstörung, sondern am funktionierenden weltweiten Handel interessiert. Für wirklich sinnvolle und notwendige Geldausgaben nennt Leser Wolfgang Weißhuhn aus Aachen beste Beispiele in seinem Leserbrief. Auf der ganzen Welt wären die Menschen dankbar und froh, wenn Politiker jetzt und zukünftig nur noch friedvoll, klug und weitsichtig handeln. Ich habe die Hoffnung auf mehr Klugheit – auch bei den Politikern – noch nicht aufgegeben, weil wir ja alle jeden Tag hinzulernen können.

Matthias Cremer aus Aachen befasst sich mit dem „Aktuellen Stichwort: Waffenexporte“:

Wenn dem so ist, dass 60 Prozent unserer Waffenexporte gesetzwidrig an Drittstaaten geliefert werden, dass diese zum Beispiel in Stellvertreterkriegen im Jemen und Saudi-Arabien verwendet werden, handelt es sich um Beihilfe zu Kriegsverbrechen und muss vom Internationalen Gerichtshof in Den Haag behandelt und sanktioniert werden. Vor 80 Jahren war es noch lebensgefährlich, Staatsverbrechen in unserem Land zu benennen und zu verurteilen. Ich hoffe, dass heute viele unserer Landsleute die Stimme erheben gegen Staatsverbrechen oder die Beihilfe dazu.

Petra Gaidetzka aus Aachen kritisiert:

Ihre Zeitung am 20. Juli ohne irgendeinen Hinweis auf das Hitler-Attentat vor 76 Jahren und den Widerstand gegen die nationalsozialistische Gewaltherrschaft – kann das sein? Habe ich doch etwas übersehen, vielleicht eine kleine versteckte Notiz? Abends noch einmal durchgeblättert – nichts. Stattdessen als Anreißer der Titelseite das Rockspektakel nach dem Mauerfall 1990 – ein Event „zur rechten Zeit“, wie es dann im Kulturteil heißt. Allerdings fand das deutsch-deutsche Konzert auf dem Berliner Todesstreifen erst am 21., nicht am 20. Juli statt. So liest man es auch in dem Artikel: „... morgen vor 30 Jahren“. Warum wird dann nicht am Jahrestag, also am 21. Juli 2020, an das zweifellos symbolhafte Ereignis erinnert – also „zur rechten Zeit“? Und wie kann es sein, dass der 20. Juli 1944, der heldenhafte Versuch, der Hitler-Diktatur ein Ende zu setzen, nicht einmal mit einer einzigen Zeile erwähnt wird? Ist es nicht mehr wichtig, jüngeren Generationen zu vermitteln, dass es in der finstersten Epoche der deutschen Geschichte dennoch auch mutige und vorbildhafte Menschen gab, die ihr eigenes Leben in die Waagschale warfen? Vielleicht nur ein Versehen? Oder verbindet in Ihrer Redaktion niemand mehr etwas mit diesem Datum? Das wäre schockierend. (Anm. d. Red: Das Gedenken an das Hitler-Attentat vor 76 Jahren hatten wir in der Tat nur klein im Blatt, auf der Politik-Seite in der Rubrik „Zur Person“ mit dem Statement der Wehrbeauftragten Eva Högl. Groß haben wir vergangenes Jahr darüber berichtet, am 75. Jahrestag. Daher ist es dieses Jahr wegen der aktuellen Lage kürzer ausgefallen.)