Abwechslungsreiche Entdeckungstour: Zeitreise in Pieter Bruegels Welt in Flandern

Abwechslungsreiche Entdeckungstour : Zeitreise in Pieter Bruegels Welt in Flandern

Zum 450. Todestag von Pieter Bruegel dem Älteren erinnert Flandern mit einer weiträumig angelegten, abwechslungsreichen Entdeckungstour an den Maler. Aber wer war Pieter Bruegel der Ältere überhaupt?

Selbst Experten geben zu, dass sie wenig über den flämischen Maler wissen, der mit seiner Kunst zu einem Symbol der belgischen Kultur wurde. Nicht einmal sein Geburtsjahr und Geburtsort sind genau bekannt. Man vermutet, dass er zwischen 1525 und 1530 in Breda geboren wurde. Bruegel lebte lange Zeit in Antwerpen, bevor er nach Brüssel zog und dort 1569 starb.

Pieter Bruegel liebte die ländliche Landschaft. Das Dorfleben und der Alltag dort waren sein Fokus. Auf seinen großen Gemälden vereinte er zahllose kleine Geschichten und Szenen zu einem großen Wimmelbild. Genau diese Themen finden sich in Bokrijk bei Genk. Das 1956 eröffnete Freilichtmuseum Bokrijk ist bekannt für seine historischen Bauernhöfe und Mühlen aus verschiedenen flämischen Regionen. Wäre es nach dem damaligen Kurator gegangen, würde es heute sogar den Namen „Bruegelheem“ tragen.

Im Jubiläumsjahr

So bietet dieses Jubiläum einen guten Anlass für Bokrijk, dem Besucher Bruegels Vermächtnis nahezubringen. Auf moderne Ausstellungsmedien setzt das Team der Domäne Bokrijk bei dem Parcours „de Wereld van Bruegel“ (Bruegels Welt) und schickt den Besucher mit in einem Armband integrierten RFID (Radio Frequency Identification)-Chip auf Schatzsuche. An den elf Stationen des Parcours sind Kristallobjekte installiert, die man mit diesem Armband scannen und damit die fehlenden Figuren des bekannten Wimmelbilds „Der Kampf zwischen Karneval und Fasten“ auf einem virtuellen Hut sammeln kann. Das Bild zeigt einen dicht bevölkerten Platz mit Mummenschanz und närrischem Treiben.

In einer Scheune ist „Der Kampf zwischen Karneval und Fasten“ auf dem Boden ausgebreitet. In einem riesigen Spiegel wird das Gemälde reflektiert. Foto: Edda Neitz

Bruegels Motive liegen hier geradezu am Weg. Jahrhunderte alte Bäume säumen die Wege. Reetgedeckte Scheunen sind von blühenden Wiesen umgeben. Dazwischen erdige Brachflächen. Beleibte Schweine suhlen sich in frischer Erde.

Für Bruegel entstand die Landschaft in seinem Kopf. Sie ist nicht nur die Welt, die er sah, sondern eine Komposition seiner individuellen Wahrnehmungen. Typisch für Bruegel war auch seine Vogelperspektive – er schaute von oben auf das Geschehen und fing in detailreicher Versenkung das Leben auf dem Land ein. Er porträtierte keine reichen Mitbürger – auch das ist für einen Maler seiner Zeit ungewöhnlich, standen diese doch oftmals im Dienst eines Fürsten – nein, er fügte seine realen und imaginären Vorstellungen wie ein Puzzle zu einem Bild zusammen.

Genauso ging auch der belgische Konzeptkünstler Frits Jeuris vor. Er hatte die Aufgabe, eine Illustration für das fehlende Gemälde von Bruegels Bilderserie „Die Monate“ zu schaffen. Es waren sechs Bilder, eines ging verloren. Schrittweise nach dem Muster der Bruegelschen Arbeitsweise und ähnlich wie bei einer Fotocollage setzte Frits Jeuris das verlorene Gemälde mit Szenen und Landschaften von Bokrijk zusammen. Herausgekommen ist eine Installation – Jeuris bezeichnet sie als zeitgenössisches Einstiegsfenster – die es dem Besucher ermöglicht, Bruegels universelle Weltsicht zu erfahren. Diese Ausstellung ist am Punkt 2, Lommel-Kattenbos, zu sehen.

An Station 10, Anwesen Hoogstade, wird der Dorfplatz des Bruegel-Gemäldes mit mittelalterlichem Treiben und kulinarischen Geschichten zum Leben erweckt.

Zehn von Bruegel erdachte Figuren sind an der Kapellekerk in Brüssel zu entdecken. Foto: Edda Neitz.

Kunst bis zur Decke und die vollständige Enthüllung des Gemäldes „Der Kampf zwischen Karneval und Fasten“ offenbart sich dem Besucher dann am Endpunkt des Parcours, in der Scheune von Zuienkerke. Mitten in der historischen Scheune aus dem 16. Jahrhundert ist das Gemälde auf dem Boden ausgebreitet. Schräg gegenüber unter dem großen Dachstuhl hängt ein riesiger Spiegel, in dem die vielen Szenen des Gemäldes reflektiert werden. Der Besucher, der ungehindert herumläuft, am Boden sitzt oder einfach nur mitten im Raum steht, wird durch die Spiegelung hineingezogen in eine Szene des Gemäldes und kann sich einfühlen in Bruegels Welt.

Bruegels Brüsseler Zeit

Als Bruegel in Brüssel wohnte, kam er oft ins Pajottenland. In der hügeligen Landschaft, westlich von Brüssel, fand er viele Inspirationen. Auf dem sieben Kilometer lange Wanderweg „Bruegel´s Eye“ in der Gemeinde Dilbeek lernt der Wanderer und Betrachter einige von Bruegels Motiven kennen. Die Kapelle von St. Anne-Pede findet sich auf dem Gemälde „Der Blindensturz“ und die Wassermühle von St.Gertruids-Pede auf dem Bild „Die Elster auf dem Galgen“.

Entlang eines Parcours sind Kristallobjekte installiert, die man mit einem Armband scannen und damit die fehlenden Figuren des bekannten Wimmelbilds „Der Kampf zwischen Karneval und Fasten“ sammeln kann. Foto: Edda Neitz.

Installationen zeitgenössischer Künstler sollen bestimmte Themen von Bruegel nochmals vertiefen. Der Landschaftsarchitekt Ben Smets beispielsweise stellte auf das Kapellenfeld hohe Baumstämme mit einem an der Spitze montierten Holzrad auf. Damit soll die Bedeutung der Bäume in Bruegels Bildern hervorgehoben werden. Das Rad ist als Synonym für die Strafen zu verstehen, die die Rebellen im 16. Jahrhundert ertragen mussten.

Ganz in der Nähe liegt das mittelalterliche Schloss Gaasbeek, das Bruegel oft besuchte. In den noch immer stilecht möblierten Räumen wird mit der Ausstellung „Feast of fools – Burgel herontdekt“ der Bogen zu Künstlern wie Otto Dix und James Ensor gespannt, die eng mit Bruegel und seinem Werk in Verbindung stehen. Dabei gilt das Augenmerk auch den absonderlichen Fantasiegestalten und den polemischen Szenen, die Bruegels Bilder prägen.

Dieser Ausschnitt aus dem großen Bruegel-Programm zeigt, dass diejenigen, die den Künstler studieren wollen, gleichermaßen auf ihre Kosten kommen wie diejenigen, die den Kunstgenuss mit einem Event verbinden wollen.

Mehr von Aachener Nachrichten