Lehrpfad vom Haus Ternell: Mit Birkhuhn Fred durchs Venn

Lehrpfad vom Haus Ternell : Mit Birkhuhn Fred durchs Venn

Der Lehrpfad „Farben des Venns“ am Naturparkzentrum Botrange erklärt das Moor. Das Informationszentrum Haus Ternell ist ein guter Ausgangspunkt für die Wanderungen.

Alle Tische sind besetzt. Wanderer machen hier gerne ihre Pause. Von außen wirkt das Naturparkzentrum Botrange wie ein gewöhnlicher Flachbau. Innen beeindruckt die Halle mit einem großen runden Kamin. Ist es draußen ungemütlich, sitzen Besucher und Wanderer gemütlich um das große Feuer am Kamin. Doch nicht nur das. Mit der Ausstellung „Fania“ und dem neuen Lehrpfad bietet es auch viele Informationen über die Hochfläche des Venns.

Vor etwa 10.000 Jahren, also zum Ende der Eiszeit, bildeten sich auf den kargen, wasserstauenden Böden Hochmoore. Das „Hohe Venn“ ist eines der größten Hochmoore Europas. Es gehört zu den kostbarsten Schätzen Ostbelgiens und ist die Heimat vieler Tier- und Pflanzenarten. Durch die kurzweilige Dauerausstellung „Fania“ führt ein Holzsteg so wie ihn alle Venn-Wanderer kennen und der sich wie ein roter Faden durch die Ausstellung zieht. Mit dem Thema „Klima und Wetter“ geht es los. Die jungen Besucher begleitet Birkhuhn Fred. Kurz und knapp erfahren die Besucher, warum es im Hohen Venn viel regnet und warum es hier im Durchschnitt mehr Sonnentage gibt als anderswo in Belgien. Ein idealer Rundgang für Familien.

Mit der jahrtausendelangen Entwicklung der Fauna und Flora geht es weiter. Magmagestein, Sand- und Schiefersteine, aber auch der poröse Puddingstein sind an einer Säule befestigt. Birkhuhn Fred stellt die Frage nach der Beschaffenheit der Steine und fordert auf, die Gesteine zu erfühlen.

Birkhuhn Fred führt durch die Ausstellung. Nicht nur Kindern bringt die Figur die Einzigartigkeit des Venns anschaulich näher. Foto: zva/Edda Neitz

Dass die Tiere nach der Eiszeit in den Norden wanderten und manche Tiere in der Region blieben, wird anhand einer großen Stellwand anschaulich erklärt. Alle Informationen sind durchgehend dreisprachig. Statt langer Informationstexte, gibt es auch Filmbeiträge. Einer berichtet über die Balz der Birkhähne und ihre leidenschaftliche Werbung um die Henne.

Der Torfabbau

Wie sich die Landschaft durch den Menschen verändert hat, erfährt der Besucher im nächsten Teil der Ausstellung. Torfabbau war bis zum 20. Jahrhundert eine wichtige Erwerbsquelle für viele Menschen im Venn. Ein Film zeigt wie der Torf abgebaut wurde. Die abgestochenen Torfbriketts wurden jeweils zu Fünfer-Häufchen zusammengestellt. Dies hat einen praktischen Hintergrund: Die Fünfer-Reihen lassen sich leichter zählen als Dreier- oder Vierer-Reihen. Wer den pflanzlichen Brennstoff noch nie in der Hand hatte, der kann in einem Korb den Torf erfühlen.

Die Ländergrenzen führen mitten durchs Venn. Infotafeln in der Nähe des Naturparkzentrums Botrange zeigen die Grenzen. Foto: zva/Edda Neitz

Auch die verschiedenen Agrarpraktiken werden erklärt. Darüber hinaus erfährt der Besucher, wie sich die Landschaft durch Bewirtschaftung und Tierhaltung verändert hat und welche Probleme daraus entstanden sind. Zwar gibt es an vielen Stellen der Ausstellung für Jung und Alt etwas zu fühlen, riechen, drehen, aufzuklappen oder auszuprobieren, doch die umfassende Sinneserfahrung kommt erst im Tunnel.

Es ist dämmrig im Tunnel. Als der klagende Ruf einer Eule zu hören ist und vor dem Besucher ein riesengroßes Spinnennetz erscheint, bekommt man den Eindruck, weit draußen im Moor zu sein. Später am Barfußpfad ist das Licht wieder heller, und Mutige können auf Steinen, Rinden, Fichtenzapfen und Torf laufen.

Birkhuhn Fred begrüßt den Besucher am Eingang. Foto: zva/Ternell

Seit einem Jahr führt direkt vor dem Naturparkzentrum der Lehrpfad „Farben des Venns“ vorbei. Dafür wurde Fichten abgeholzt und wieder Laubbäume und für das Venn typische Sträucher und Gräser gepflanzt. Auch kleine Feuchtgebiete wurden angelegt, um Moore entstehen zu lassen. Auf dem 700 Meter langen Parcours befinden sich mehrere didaktische Stationen. Der Besucher erfährt viel über die Geologie und Geodäsie der Region. Am Ende des Weges informiert eine Schautafel über Wolkenarten. Zwei Lounge-Liegen unter einem Tipi aus Weiden laden – in den wärmeren Monaten – zum Entspannen ein.

Szenenwechsel zum zweiten wichtigen Naturzentrum: Das alte Forsthaus Ternell liegt auf halber Strecke zwischen Eupen und Monschau. Ursprünglich war der Komplex das Jagddomizil des Monschauer Tuchmachers Johannes Scheibler, dessen Wohnhaus – das rote Haus von Monschau – viele kennen. Scheune und Blockhaus hier im Venn dienten später noch als Grenz- und Forsthaus, bevor die Gebäude endgültig zum Natur- und Besucherzentrum umgewandelt wurden.

Das ehemalige Forsthaus Ternell ist ein guter Ausgangspunkt für Wanderungen. Auch ein Besuch mit Kindern lohnt sich. Foto: zva/Edda Neitz

Heimische Tiere bilden den Schwerpunkt des Museums auf dem Gelände. Dioramen, plastische Schaubilder, zeigen vor allem Birkwild und Rotwild. In dem Kräutergarten zwischen Informationszentrum und Museum wachsen Oregano, Thymian und Rosmarin sowie verschiedene Heilkräuter wie Wermut und Beifuß. Wenn es die Witterung zulässt, können sich junge Besucher auf dem Spielplatz des Gasthauses mit Wigwam, Tunnel und Kletterwand austoben. Außerdem beginnen am Haus Ternell mehrere Wanderwege, die zu jeder Jahreszeit ihren Reiz haben.

Regenwürmer und Tausendfüßler

Unter modrigen Holzstücken beispielsweise verkriechen sich gerne Regenwürmer und Tausendfüßler. Ist es besonders kalt, dann verharren sie dort oftmals in einer Winterstarre. Manchmal kann man in dieser Jahreszeit auch den kurzen, tiefen Warnruf eines Eichelhähers hören, der nicht wie die meisten seiner Artgenossen in den warmen Süden fliegt. Reibt man die Nadeln einer Douglasie lange kräftig zwischen den Fingern, kann man intensiven Zitronenduft riechen.

Bei den kahlen Bäumen zeigen sich schon Knospen, die im Frühjahr wieder aufgehen. Die der Rotbuche sind lang und schmal, fast nicht zu übersehen. Die Hainbuche dagegen hat kleine und zarte Knospen.

Oft sieht man in der Gegend auch über 100 Jahre alte Fichten. Um die Stämme der 50 Meter hohen Baumkolosse kann kein Erwachsener greifen, so dick sind sie. An einigen Bäumen wuchern Baumpilze. Auch sie gehören zum ökologischen Kreislauf im Wald. Gäbe es sie nicht, würde es dem Wald wie einer Stadt ergehen, die keine Müllabfuhr hat. Pilze zersetzen Horn, Haare, Knochen und helfen Bäumen sowohl Wasser wie auch Nährstoffe aus dem Boden zu holen. Nach den vielen Waldeindrücken kann man den Ausflug noch mit einer Einkehr in der Brasserie „Ternell’s“ genussvoll beenden.

Mehr von Aachener Nachrichten