1. Freizeit
  2. Wandern

Bedburg: Staunen und Grusel auf dem Werwolf-Wanderweg

Zurück ins Mittelalter : Staunen, Grusel und Genuss auf dem Werwolf-Wanderweg in Bedburg

Der Werwolf-Wanderweg in Bedburg führt ins Mittelalter, zu einer schrecklichen Geschichte und schönen Ruheplätzen.

Bei dieser schaurig-schönen Wanderung genießen wir Schattenspiele im Wald, bestaunen eine Burgruine und ein Wasserschloss – und gedenken mit Gruseln des Werwolfs von Epprath. Wir starten am Parkplatz vor dem Agathator (1), einem Stadttor der gut erhaltenen mittelalterlichen Stadtmauer von Alt-Kaster, einem Ortsteil von Bedburg, gelegen im Rhein-Erft-Kreis, rund 55 Kilometer von Aachen entfernt.

Wir gehen links zum Infoschild für den Werwolf-Wanderweg. Kaum zu glauben: Vor mehr als 400 Jahren strichen durch die dunklen Wälder rund um Bedburg wilde Wölfe. Doch sie waren harmlos gegen ein Geschöpf, dem nachgesagt wurde, 25 Menschen getötet zu haben: einen Werwolf. In der Einsamkeit der Wälder soll sich ein Bauer des Nachts in eine wilde Bestie verwandelt haben. Vor lauter Angst wagte sich im ganzen Rheinland niemand ohne Begleitung aus dem Haus.

Hier wohnten die Jülicher Herzöge

Vor dem Hintergrund der schrecklichen Geschichte dieses Weges wird uns schon bei den ersten Schritten durch den Park bewusst: Das Leben ist ein Geschenk! Wir wandern in Sichtweite der Stadtmauer und folgen an einem Spielplatz dem Weg an der Stadtmauer nach rechts. Links von uns fließt die Kasterer Mühlenerft gemächlich durch ihr Bett, dahinter erhebt sich der Turmrest der Burgruine Alt-Kaster.

Am Beginn des Kopfsteinpflasters queren wir links die Kasterer Mühlenerft auf einer Brücke. Das Brückengeländer ist einen zweiten Blick wert, es besitzt einige lustige Details. Sofort hinter der Brücke biegen wir links ab. Wir entdecken die eng von Bäumen umwachsene Burgruine Alt-Kaster (2). Die Burg aus dem 12. Jahrhundert verfiel seit dem Dreißigjährigen Krieg stark, und es erscheint unvorstellbar, dass sich hier einmal das Wohnschloss der Jülicher Herzöge befand.

Unterhalb der Ruine geht es auf einem von Büschen und Bäumen grün umrahmten Weg zu einer Kreuzung und dort links einen Waldweg an der Mühlenerft entlang. Wir schreiten über eine Holzbrücke, dann queren wir einen breiten Forstweg und wandern rechts von einer Sitzbank über einen Holzsteg zur Infotafel 1. Sie steht am Fuß des Wolfgangstieges (3), der auch Wolfsgasse genannt wird. Der schmale Pfad führt nach rechts bergauf zu einer Kreuzung, an der wir halb links die Treppe hinauf zur Kasterer Höhe erklimmen.

Guten Appetit! Nach der Wanderung für die Seele wartet in Alt-Kaster auf Erschöpfte Schmackhaftes für den Magen. Foto: Droste Verlag

Weite Blicke über die Felder eröffnen sich hier. Dann biegen wir rechts ab und passieren am Feldrand den Erinnerungsstein für den Ort Darshoven (4), der 1967 dem Braunkohletagebau weichen musste. Auch das Nachbardorf Epprath wurde weggebaggert. Infotafel 2 (5) erinnert daran, dass der später hingerichtete Bauer Peter Stubbe (siehe Kasten unten) aus diesem Dorf stammte und dort mit seiner Tochter lebte. Niemand kann mit Gewissheit sagen, ob er ein brutaler Mörder war oder eine Krankheit seinen Zeitgenossen Angst und Schrecken einjagte.

Hinter der Tafel folgen wir an einer Gabelung rechts einem Forstweg bergab. Durch eine Spitzkehre nach rechts gelangen wir zu einer Lichtung mit Wegkreuzung. Hier steigen wir halb rechts zwischen Birken weiter bergab und queren etwa 40 Meter hinter einer Einmündung links auf einer Brücke erneut die Kasterer Mühlenerft. Dahinter halten wir uns links und erreichen einen idyllischen Ruheplatz am nördlichsten Zipfel des Kasterer Sees. Wer mag wohl den Samen für dieses kunterbunte Märchen gestreut haben, das hier zwischen den Findlingen blüht? Wir laben uns noch etwas an diesem Augenschmaus und machen uns erfrischt wieder auf den Weg.

Geradeaus geht es über eine Brücke und direkt dahinter an der T-Kreuzung rechts. Das Kruzifix für den 1947 verunglückten Jonny Schiffer und die Infotafel 3 (6) des Werwolf-Wanderwegs bremsen unseren Lauf. Wo heute ein Naherholungsgebiet ist, wurde damals Jagd auf den Werwolf gemacht. Wenn wir vom frühen Tod dieses Jungen und der Werwolf-Verfolgung lesen, erkennen wir, dass das Leben und die Freiheit keine Selbstverständlichkeiten sind.

Immer geradeaus führt der Weg durch den Wald, über uns rauschen die Baumkronen, und rechter Hand schimmert die Oberfläche des Kasterer Sees durch die Lücken zwischen den Baumstämmen hindurch. Nach etwa einem Kilometer erreichen wir eine T-Kreuzung. Der rechte Weg führt zurück nach Kaster.

Wer noch weitere fünf Kilometer schafft, biegt links ab. Wir laufen geradeaus neben der Kasterer Mühlenerft durch ein Waldstück, dann kurz am Feldrand entlang und wieder zurück in den Wald, wo wir die L 279 und die Bahnlinie unterqueren. An einer Gabelung biegen wir links ab und laufen etwa 80 Meter parallel zur Erft, bevor wir sie auf einer Brücke überqueren. Hinter einer Rastgelegenheit geht es über die Kleine Erft, und wir wandern auf einem Gehweg unter Schatten spendenden Bäumen neben dem Wasserlauf. Belustigt stellen wir fest, dass die Straße Pappelallee heißt, obwohl es Lindenbäume sind, die uns mit Tausenden kleiner Herzchen die Wonne des Wachsens zeigen.

Hingerichtet wegen Hexerei

Wir nehmen die zweite Straße rechts, überqueren den Bach und steuern in der Augustinerallee auf eine Kirche zu. Nach dem Überqueren der Klosterstraße gehen wir geradeaus durch die Fußgängerzone zwischen dem St.-Hubertus-Krankenhaus und der Kirche St. Lambertus dann links zum Marktplatz von Bedburg mit einigen Einkehrmöglichkeiten. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite entdecken wir am Bedburger Rathaus (7) die Infotafel 5, denn hier wurde dem armen Bauern vor dem Blutgericht der Prozess gemacht.

Das Buch zur Wanderung. Foto: zva/Manfred Hansen

Wir folgen der Friedrich-Wilhelm-Straße nach links und nehmen hinter dem Hotel Bedburger Mühle rechts den Fußweg zum Schlosspark. Im Park gehen wir rechts über die Brücke zum Schloss. Der eigentliche Werwolf-Wanderweg führt nur kurz zum Schlosskeller. Viel schöner ist es aber, hinter der Brücke rechts um den Schlossteich herumzuspazieren, um die Pracht des Wasserschlosses Bedburg (8) von allen Seiten in sich aufnehmen zu können.

Bei unserem Rundgang kommen wir zum Restaurant Schlosskeller, an dessen Eingang die Infotafel 6 von der Gefangenschaft und Folter Peter Stubbes berichtet. Nun treten wir aus dem Schlosstor heraus und gelangen an der allgemeinen Infotafel zum Werwolf-Wanderweg rechts über zwei Parkplätze zur Lindenstraße. Dort geht es links zur Erftbrücke und rechts auf der Erftstraße weiter. Sie führt etwa einen Kilometer unter Kastanien am linken Erftufer zum Flussdreieck (9), der Halbinsel zwischen Erft und Mühlenerft, mit der Infotafel 7. Hier wurden Stubbe und seine Familie wegen Hexerei hingerichtet.

Links am Ufer der Mühlenerft erreichen wir wieder die beiden Brücken vom Hinweg. Wir wechseln hinter der Bahnbrücke, aber noch vor der Brücke der L 279, auf die andere Seite der Mühlenerft. Am Waldrand laufen wir etwa 700 Meter neben der Mühlenerft, dabei passieren wir das Freizeitbad Monte Mare und die Gärten des Ortsteils Neu-Epprath. Beim Sportplatz gelangen wir links über die Reiner-Zimmermann-Straße bis zur Albert-Schweitzer-Straße. Nun sind es nach rechts nur noch wenige Schritte zum Start und zum romantischen Ortskern von Alt-Kaster mit dem Bistro Danielshof (10). Das Restaurant in der ehemaligen Scheune erinnert an alte Zeiten, noch gemütlicher ist es im Bistro und im historischen Innenhof.

Wenn wir nach der Wanderung müde sind, muss das nicht unbedingt an einer schwachen Kondition oder der Länge der Strecke liegen. Der Legende nach setzte sich der „Stüpp“ nämlich auf den Rücken potenzieller Opfer, um sich bis zu ihrer Erschöpfung tragen zu lassen. Auf diese Weise prüfte der Werwolf, ob er eine richtige Wahl getroffen hatte. Da wir das Ziel erschöpft, aber lebendig erreicht haben, waren wir wohl nicht nach seinem Geschmack.