1. Freizeit

Nordseekrabben, Hafenflair, Open-air-Kunst: Ostende verbindet Nostalgie mit Modernem

Nordseekrabben, Hafenflair, Open-air-Kunst : Ostende verbindet Nostalgie mit Modernem

Wer mit dem Zug nach Ostende reist und aus dem altehrwürdigen Bahnhofsgebäude tritt, steht direkt am Wasser. Hinter sich den Voorhaven und Haven, der direkt ins Meer führt, vor sich den berühmten Yachthafen Mercator. Ein Blickfang: der Großsegler „Mercator“, ehemaliges Schulschiff der belgischen Marine, 2017 frisch restauriert und als Museumsschiff eine der Hauptattraktionen des Seebads.

Wer Schiffe liebt, sollte sich diesen Klassiker einmal anschauen. Es lohnt sich, einmal das Leben eines Matrosen, Offiziers oder sogar Kapitäns nachzuempfinden. Vom Bahnhof aus sind es nur wenige Schritte bis zum Visserskaai. Die Flaniermeile am Hafen bietet mit ihren Fischrestaurants die wohl längste Galerie des maritimen Genusses an der belgischen Küste.

Gegenüber liegt der neugestaltete Fischmarkt, die Vistrap. Hier kaufen sowohl Touristen und Urlauber als auch die Gastronomen. Man legt viel Wert auf Lokalität und Nachhaltigkeit. Viele Fischgeschäfte in Ostende haben ein großes Angebot, das auch Ferienhausurlauber und Campingfans zu schätzen wissen. Der Fisch kommt noch aus heimischem Fang, etwa hervorragender Kabeljau und auch Seezungen in exzellenter Qualität sind wieder auf dem Markt. „Ostender Seezunge“ ist ein berühmtes belgisches Gericht; in Weißwein mit Muscheln und flämischen grauen Garnelen. Die köstlichen kleinen grauen Garnelen (auch Nordseekrabben genannt) werden vor Ort geschält und nicht in Osteuropa. Sie sind eine der Delikatessen auf dem Fischmarkt, die man auch gerne auf der Hand genießt.

Besonderes Licht

Wer dem Visserskaai weiter folgt, kann sich auf einen kilometerlangen Spaziergang am Meer entlang freuen. Die lang gestreckten Promenaden Albert 1 und Koning ­Boudewijn erstrahlen im Glanz wie nie zuvor. Das Flanieren auf dem neuen Pflaster, ob bei Sonnenschein oder bedecktem Himmel oder unter den Laternen bei Sonnenuntergang ist zeitlos schön. Die Liebhaber der belgischen Küste stören auch die Hochhäuser nicht. Der riesige Strand scheint unendlich Platz zu bieten – für Familien mit Kindern unter bunten Sonnenschirmen und in den weiß getünchten Strandhäuschen. Nordseefeeling pur. Die Strandpromenade in Ostende führt bis hin zum Zeedijk, am anderen Ende der Stadt, in der Nähe der Rennbahn.

Die Faszination hier an der Küste macht natürlich auch das besondere Licht aus, das kontrastreiche Spiel von blauem Himmel, Sonnenschein und grauen Wolken, in changierenden Reflexionen unter sanften und starken Brisen, Wellengang und sprühender Gischt und den mystischen Weiten der See. An der Koning Boudewijnpromenade weht noch der Hauch des einstigen Nobelseebads.

Flaniermeile am Hafen: Der Visserkaai bietet die wohl längste Galerie von Fischrestaurants an der belgischen Küste. Foto: zva/R. Minderjahn

Auf Wunsch von König Leopold II. entwarf Henri Maquet im Jahr 1900 die erste königliche Galerie: eine L-förmige, geschlossene und überdachte Verbindung zwischen dem königlichen Chalet und einem großen, achteckigen Salon. Sie ist jetzt unter dem Namen „Venezianische Galerien“ bekannt, ein Fingerzeig auf die klassizistische Architektur wie in Venedig. Ostende ist jene Stadt, in welcher König Leopold I. ein Holzchalet auf einer einsamen Düne bauen ließ und wo sich – in der Langestraat – die königliche Residenz befand.

Unter anderem entwarf König Leopold I. die direkte Eisenbahnverbindung zwischen Brüssel und Ostende (1838) und genehmigte die erste reguläre Fährenverbindung nach Dover (1846). Es war jedoch König Leopold II., der Ostende, seinen bevorzugten Wohnort, in die „Königin der belgischen Badeorte“ verwandelte. Die Stadt wurde modernisiert und neue Gebäude entstanden, wie das Casino Kursaal Ostende, die Pferderennbahn Wellington, das Stadttheater, die Sint-Petrus-en-Pauluskerk und die königlichen Galerien. Die sich an die Venezianischen Galerien anschließende königliche Galerie ist etwa 400 Meter lang und bis heute ein Schutz vor Sonne, Wind und Regen auf dem Weg von der Königlichen Villa zur Wellington-Rennbahn.

Eintauchen in vergangene Zeiten

Was wäre Belgien ohne seine Cafés? Ostende bietet eine Reihe origineller Adressen für Gourmets und Romantiker wie die stilvolle Brasserie Albert im Hotel Thermae Palace direkt am Strand mit einzigartigem Meerblick oder das Café Léopold an der Albert I Promenade 69, Musikkneipe, Restaurant und Reminiszenz an den ehemaligen belgischen König. In der Brasserie Du Parc taucht man in längst vergangene Zeiten ein. Hier trifft man auf Bohemian-Style und junge Leute, die am Wochenende zum Zeitunglesen kommen. Intimes Flair eines Hafenstadt-Pubs verströmt ‘t Waterhuis aus dem 17. Jahrhundert mit Blick auf den Kai, die älteste Brasserie in Ostende. Oder das Bistro Le Parisien, ein geselliges “all day dining” Bistro mit französisch-belgischer Küche oder den Genuss eines Café à la française.

 www.leparisienoostende.be/bistro

www.waterhuisoostende.be

www.thermaepalace.be/en/bistro

Die Galerie James Ensor ist eine versteckte Perle im eklektischen Zentrum und Shoppingkarree Ostendes. Eine solche Eleganz hätte man im Multikulti-Angebot nicht erwartet. Hier finden sich einmalige Geschäfte und Delikatessen unter einem Glaskuppeldach. Die Galerie Beausite ist wohl eines der schönsten und am besten gelegenen Galerie-Restaurants an der gesamten Nordseeküste. Ein Ort, an dem man sich auch an stürmischen Wintertagen gerne aufhält.

 www.galeriebeausite.com

Nordseefeeling pur: Der Strand ist übersät mit bunten Schirmen und Windmuscheln. Familien mit Kindern finden hier immer noch eine freie Stelle. Foto: zva/R Minderjahn

Die Alfons Pieterslaan – auch Boulevard du Midi oder im Volksmund einfach Boulevard genannt – ist eine geschäftige Straße im Belle-Epoque-Viertel und verbindet das Rathaus über die Vindictivelaan mit dem Stadtviertel Petit Paris. Eine Einkaufsstraße, die insbesondere von der einheimischen Kundschaft lebt und daher viele Geheimtipps birgt.

Das Streetart-Projekt „The Crystal Ship“ legt in diesem Jahr zum vierten Mal in Ostende an. Es haben wieder berühmte und weltbekannte Künstler gigantische Gemälde an den Wänden sowie fantastische Kunstinstallationen im Freien geschaffen. The Crystal Ship – Public Art Festival“ ist das größte Festival seiner Art in Europa. Überall in der Stadt können mithilfe kostenloser Stadtpläne Kunstwerke entdeckt werden.

www.visitoostende.be/de

Auf das richtige Pferd setzen

Pferderennen jeden Montag im Juli und August auf dem Wellington Race Course. Die verschiedenen Rennen beginnen um 16 Uhr. Während Erwachsene ihre Wetten abschließen und die Rennen mit Spannung verfolgen, gibt es für Kinder eine besondere Unterhaltung.

www.oostendekoerse.be

Das jährliche Feuerwerk wird immer am großen Strand zwischen dem Kursaal und den Venezianischen Galerien gezündet. In diesem Jahr geht das Festival von 8. Juli bis 15. August. Am 15. August wird der Himmel am Strand in Mariakerke erleuchtet.

Versteckte Perle: Einmalige Geschäfte und Delikatessen finden sich in der Galerie James Ensor mitten im Zentrum. Foto: zva/R. Minderjahn

Künstler aus aller Welt schaffen von 22. Juni bis 8. September eine Märchenwelt aus Sand. Die riesigen Skulpturen von zwei bis zwölf Metern Höhe sind gegen alle Witterungsverhältnisse beständig.

In der Dauerausstellung „Zwei Großmeister aus Ostende“ möchte das Museum Mu.ZEE in erster Linie ihre Glanzstücke für sich sprechen lassen. Hinter jedem Kunstwerk und Archivdokument verbirgt sich eine ganze Reihe von kleinen oder großen Geschichten mit und über Edgar Allan Poe, Walter Benjamin, Stefan Zweig, Richard Wagner, Honoré de Balzac und anderen.

James Ensor ist weltweit bekannt. Die neue Ensor- Ausstellung besteht fast ausschließlich aus Gemälden (26) und Zeichnungen aus der Sammlung des Koninklijk Museum voor Schone Kunsten in Antwerpen.

 www.mu-zee-um.be/nl/mu-zee-um