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Kunst unter Bäumen: Museumsinsel Hombroich bietet mehr als wilde Natur

Kunst unter Bäumen : Museumsinsel Hombroich bietet mehr als wilde Natur

Erleben statt einordnen: Auf der Museumsinsel Hombroich nahe Grevenbroich genießen Besucher die wilde Natur und besondere Werke von namhaften Künstlern.

Gehen wir ins Museum oder wollen wir ins Grüne? Die Frage erübrigt sich, wenn man sich entscheidet, der Museumsinsel Hombroich nahe Grevenbroich einen Besuch abzustatten. Hier ist in den letzten 33 Jahren ein wohl in Europa einmaliges Gebilde aus Architektur, Natur und Kunst entstanden. Viele Wege führen durch das 21 Hektar große Gelände nahe der Autobahn A46, Plätze zum Ausruhen und genießen der Natur gibt es genug, die Besucher, Groß oder Klein, können in Ruhe alles auf sich einwirken lassen. Und da die Natur dem Wechsel der Jahreszeiten unterworfen ist, gibt es das ganze Jahr über immer wieder neue Bilder der Landschaft zu entdecken.

Begehbare Skulpturen

Dies war auch die Idee des Düsseldorfer Investors und Kunstsammlers Karl-Heinz Müller. Aus einer verwilderten wunderschönen Auenlandschaft der Erft-Ausläufer, mit viel Wasser, Weiden und Wiesen, Blumen und Büschen, ließ er von dem Gartenarchitekten Bernhard Korte ein Gleichgewicht von Naturbelassenheit und pflegerischem Eingriff schaffen. In diese Landschaft pflanzte dann der Düsseldorfer Bildhauer Erwin Heerich zehn begehbare „Skulpturen“, die schon architektonisch interessante Backstein-Bauten und Kunstwerke für sich sind. Sie dienen aber vor allem dem Zweck, der umfangreichen Kunstsammlung von Karl-Heinz Müller eine angemessene Heimstatt zu bieten.

Gebäude sind hier Kunstobjekte: Zehn „skulpturale Architekturen“ hat der Bildhauer Erwin Heerich für Hombroich geschaffen. Foto: Manfred Kistermann

Müller, der 2007 starb, sammelt vor allem ostasiatische Kunst, archäologische Funde, aber auch eine breite Palette mit Malereien, Assemblagen, Installationen und Möbeln. So finden sich Werke von Matisse und Rembrandt in direkter Nachbarschaft mit Khmer-Kunst aus Kambodscha und Feder-Umhängen aus Peru oder Gegenständen von Bauhauskünstler Marcel Breuer, von Hans Arp, Kurt Schwitters oder Yves Klein. Außerhalb der Gebäude finden sich, manchmal etwas versteckt im hohen Gras oder den stark belaubten Bäumen, Skulpuren wie die von Beuys-Schüler Anatol Herzfeld. So bildet beispielsweise sein „Parlament“ mit Stühlen aus rostigem Stahl einen riesigen Kreis an einer Eiche.

Man schaffte es, „dass Kunst- und Kulturgegenstände aus zwei Jahrtausenden immer wieder miteinander in Dialog treten“, wie es in einem Besucherzettel heißt. Damit erschöpft sich für den Gast auch schon das vermittelte Wissen. Die Insel möchte nämlich dem Wunsch vieler Künstler nach einem unvoreingenommenen Zugang zu ihren Werken Rechnung tragen. Es gibt keine Schilder, keine Erklärungen. Der Besucher soll mit unverstelltem Blick Zugang zu den Werken finden. Es herrscht das Prinzip der „Informationslosigkeit“.

Alle „skulpturalen Architekturen“ sind begehbar und imposant, in vielen sind die Werke aus der Sammlung zu sehen. Foto: Manfred Kisterman

Aber keine Bange: Verlaufen kann man sich im Landschaftsschutzgebiet nicht, und wer dennoch einen vorgegebenen Weg braucht, auf den wartet am Eingang ein Faltblatt mit Angaben zu den Örtlichkeiten. Es gibt Kieswege, Brücken und ausgetretene Pfade, aber keinen festen Rundgang. Hier soll jeder seinen eigenen Weg finden und die Insel auf seine persönliche Weise entdecken.

Zeit zum Genießen

Die Lust an der Entdeckung darf ebenso nicht fehlen wie genügend Zeit zum Genießen – und festes Schuhwerk, denn schließlich befindet man sich mitten in Mutter Natur. Wechselausstellungen sind auf der Museumsinsel nicht vorgesehen.

Schon allein die wunderbare Parklandschaft ist einen Besuch der Museumsinsel wert. Foto: Manfred Kistermann

Die sind außerhalb und gleich nebenan möglich: Als nach dem Kalten Krieg die nahegelegene Raketenstation der Nato aufgelöst wurde, erwarb Karl-Heinz Müller auch dieses Gelände und legte den Grundstein für einen Ort der Kunst, Wissenschaft und Natur. Es entstand ein interdisziplinäres Experimentierfeld. Heute leben und arbeiten dort bildende Künstler, Literaten, Komponisten und Wissenschaftler aus verschiedenen Nationen und Kulturkreisen.  Die Reste der Raketenstation sind noch zu sehen, ebenso große Teile von alten Industrieanlagen.

Direkt neben der Raketenstation befindet sich die „Langen Foundation“, ebenfalls eine Kunstsammlung, die unabhängig entstanden ist. Der architektonisch sehenswerte Betonbau des Japaners Tadao Ando beherbergt die Kunstsammlung der Düsseldorfer Familie Langen. Vor allem die „Klassische Moderne“, aber auch jüngere amerikanische Kunst sind im Besitz der heutigen Stiftung.