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Krebsdrama „Milla meets Moses“: Voller grandioser Farben und wilder Lebenslust

Krebsdrama „Milla meets Moses“ : Voller grandioser Farben und wilder Lebenslust

Milla (Eliza Scanlen) trifft Moses (Toby Wallace) – und das brave Mädchen betritt eine neue Welt. Die Begegnung mit dem Junkie und der neue Haarschnitt, den er ihr verpasst, machen aus der Geigenschülerin aus sehr gutem Hause einen anderen Menschen.

Erst nimmt der 23-Jährige die 16-Jährige mit zu sich nach Hause, woraufhin seine Mutter sofort die Polizei anruft. Dann nimmt Milla den Herumtreiber und Gelegenheitsdealer mit zu sich, was Mama Anna (Essie Davis) ganz klasse findet, denn Papa Henry (Ben Mendelsohn), ein Psychiater, hat ihr wieder die richtigen Pillen zum Entspannen gegeben. Eigentlich ist alles aber sehr angespannt, weil Milla unter der Perücke keine Haare mehr hat – wegen einer schweren Krebserkrankung und Chemotherapie.

Thematisch ähnelt „Milla meets Moses“ dem deutschen Film „Gott, du kannst ein Arsch sein“, der auch gerade im Kino läuft. Doch das traumhafte und schillernde Meisterwerk aus Australien ist ein ganz anderer Krebsfilm – tatsächlich voller wilder Lebenslust. Zunächst ist alles eingezwängt in die Architektur und Kunst der schicken Villa, dann kommt es zum Ausbruch, bis zu einer grandios gefilmten Party-Sequenz in Neon. Überhaupt die Farben: von den Klamotten bis zum Himmel ein Genuss! Diese Liebesgeschichte ist ein Rausch. Allerdings ist Moses selbst keineswegs stabil genug, um die großen Gefühle einer Todkranken zu tragen. So ist diese Liebe auch eine schwierige.

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„Milla meets Moses“ basiert auf dem Theaterstück „Babyteeth“ von Rita Kalnejais. Das Spielfilmdebüt der Australierin Shannon Murphy feierte seine Premiere im vergangenen Jahr beim Festival in Venedig. Toby Wallace (Moses) erhielt dort den Preis für den besten Nachwuchsdarsteller. Noch eindrucksvoller spielt aber Eliza Scanlen („Little Women“) die aufmüpfige Krebspatientin.

Irgendwie erinnert „Milla meets Moses“ mit seinem liebenswert-sympathischen und ebenso makabren Humor an den Klassiker „Harold und Maude“. Ironische Kapitel-Überschriften und ein lebendiger Soundtrack („Golden Brown“ mit Streichern) komplettieren das Vergnügen eines rundum stimmigen Films, der virtuos zwischen schrägem Humor und existenzieller Tragik balanciert.

Aachen: Apollo

„Milla meets Moses“ (Australien 2019), Regie: Shannon Murphy, mit Eliza Scanlen, Toby Wallace, 118 Min., FSK: ab 12

(ghj/dpa)