Konzert-Drama „Crescendo“: Verunglückte Völkerverständigung

Konzert-Drama „Crescendo“ : Verunglückte Völkerverständigung

Musik zur Völkerverständigung ist immer eine schöne Idee, nur in diesem Film funktioniert das gar nicht – wie auch fast alles andere.

Ob Palästinenser oder Israeli, darauf dass „Crescendo“ nicht sehenswert ist, wird man sich gut einigen können. Der geschätzte Dirigent Eduard Sporck (Peter Simonischek) soll zur Begleitung von Nahost-Friedensverhandlungen in Südtirol ein Orchester aus jungen Palästinenser und Israelis zusammenführen.

Die Violinistin Layla und der Klarinettist Omar, eine eigenwillige Tochter und ein unselbstständiger Sohn aus der Westbank, symbolisieren die guten jungen Menschen: Sie üben, während die anderen auf den Straßen demonstrieren. Bis das Tränengas in die Wohnung kommt. Auch die Schikanen durch herrschsüchtige Menschen am israelischen Kontrollpunkt dürfen nicht fehlen.

Man hat also alles schon mal gesehen, aber es wird zur Sicherheit noch einmal gesagt: „Sie kommen mit Panzern und sie spielt Geige.“ Ebenso ermüdend wie die Leer- und Lehrsätze sind Vorspielen und Casting. Erst in Südtirol (selbst auch umkämpft, aber das erwähnt der Film nicht) schreien die Gegner ihre Wut hinaus und erzählen dann ihre Geschichten. Das erste Mal, dass dieser Film interessiert.

Sporck geht es weniger um Musik, als um eine Gruppentherapie. Dass er seine Probleme als Kind von Nazi-Eltern als völlig unpassendes Beispiel für mögliche Versöhnung anführt, ist der Start in ein Finale, in dem alles nur noch schlimmer wird.

Nicht erst beim völlig unnötigen Unfall am Ende erkennt man: „Crescendo“ ist von vorne bis hinten erschreckend schlecht konstruiert. Alice Brauner setzt mit dem Film ehrenwert das Erbe ihres legendären Vaters Artur Brauner fort. Doch bei der Regie des jungen Routiniers Dror Zahavi gilt: „Gut gemeint reicht nicht“.

Crescendo, BRD 2019, Regie: Dror Zahavi, mit Peter Simonischek, Bibiana Beglau, Daniel Donskoy, Sabrina Amali, Mehdi Meskar, 112 Min., FSK ab 6

Aachen: Apollo