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„The King of Staten Island“: Tragikomödie erzählt von Wut, Schmerz und einem Neubeginn

„The King of Staten Island“ : Tragikomödie erzählt von Wut, Schmerz und einem Neubeginn

Beim Terroranschlag am 11. September 2001 starben fast 3000 Menschen, darunter viele Feuerwehrleute. Einer von ihnen war Scott Davidson. Sein Sohn Pete war damals sieben Jahre alt. Seine Tragikomödie „The King of Staten Island“ erzählt von Wut, Schmerz und einem Neubeginn.

Filme des Erfolgs-Produzenten und Regisseurs Judd Apatow bekamen im Laufe der Jahrzehnte zum immer starken Blödel-Anteil immer mehr erwachsene Momente. So ist der Weg von Hits wie „Beim ersten Mal“ (2006) oder „Jungfrau (40), männlich, sucht...“ (2005) zu eindrucksvoll einfühlsamen und klugen Werken wie „Juliet, Naked“ (2018) ein äußerst interessanter. Nun kreuzt sich diese Linie mit einem weiteren Comedy-Star der Saturday-Night-Live-Truppe: Pete Davidson entwickelt sich in einer teils autobiographischen Geschichte vom ziellosen Spätstarter zum sensiblen und sozialen jungen Künstler.

Scott (Pete Davidson) ist Mitte Zwanzig, träumt davon, Tattoo-Künstler zu sein, aber wohnt noch zuhause bei der Mutter im langweiligen New Yorker Stadtbezirk Staten Island. Ja, er hat es nach eigener Aussage auch schwer, irgendwas mit Morbus Crohn und sein Vater starb bei einem Einsatz als Feuerwehrmann als Scott sieben Jahre alt war. Dies Trauma ist die Triebfeder seiner Antriebslosigkeit, so hängt er meist bekifft mit Freunden ab und macht höchstens harmlosen Blödsinn. Wie einen Kumpel völlig mit wirklich schlechten Tattoos voll zu kritzeln.

Das Rumhängen nimmt eine herrlich komische Wendung, als der Vater des Neunjährigen, den Scott auch „nur ein wenig“ tätowiert hat, wütend vor der Haustür steht. Doch der Glatzkopf mit Riesenschnäuzer Ray (Bill Burr) verliebt sich nicht nur in Scotts Mutter Margie (Marisa Tomei), er ist auch Feuerwehrmann und will den überalterten Sohnemann bald aus deren Wohnung werfen.

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Die trotzigen Versuche des aus Hotel Mama Verbannten, bei der Ex und sogar bei einem Kumpel, der auch wegen ihm im Knast sitzt, zu übernachten, sind ziemlich albern und sehr schön passend von Pete Davidson gespielt. (Sein Feuerwehr-Vater starb bei den 9/11-Rettungen.) Doch fast unbemerkt beginnt unter all dem Blödeln eine überraschende Entwicklung zu einem Film, der ganz langsam berührt und große Sympathien für die Figuren schafft. Scott wird ausgerechnet auf der Feuerwache von Ray aufgenommen, nachdem er den versammelten Feuerwehr-Männern vorgeworfen hat, verantwortungslos gegenüber ihren Familien zu sein.

Das Ergebnis dieser ungewöhnlichen neuen Freundschaft erblickt Mutter Margie dann in einem genialen Zusammenkommen der Ereignisse auf dem Rücken des eigentlich untätowierten Rays (Buch: Pete Davidson, Judd Apatow, Dave Sirus). Das ist urkomisch und sehr berührend – ganz das Markenzeichen der späteren und besseren Werke von Judd Apatow. Die enorme Qualität des Ganzen zeigt sich auch an der extrem guten und passenden Neben-Besetzung, etwa mit Steve Buscemi als gute Seele der Feuerwache, der das Koksen allerdings erst vor kurzem aufgegeben hat.

USA 2020 Regie: Judd Apatow, mit Pete Davidson, Marisa Tomei, Bill Burr, Bel Powley, Maude Apatow, Steve Buscemi 137 Min. FSK ab 12