Komödie „Ein Becken voller Männer“: Synchronschwimmen als Antidepressivum

Komödie „Ein Becken voller Männer“ : Synchronschwimmen als Antidepressivum

Der diesjährige Film über frustrierte Männer, die beim Synchronschwimmen wieder glücklich werden, kommt aus Frankreich. Tatsächlich erscheint es, als ob jedes Jahr ein anderes Land diesen Film realisieren darf: Nach dem Original „Männer im Wasser“ aus Schweden und dem britischen „Swimming with Men“ von Altmeister Oliver Parker im letzten Jahr, ist jetzt Frankreich dran.

er freudlose und depressive arbeitslose Familienvater Bertrand (Mathieu Amalric) weiß eigentlich nicht wieso, aber er will am Training der Synchron-Schwimmer teilnehmen. Und man kann das Interesse auch nicht unbedingt nachvollziehen: Da dümpelt ein trauriger Haufen aus lauter gescheiterten Existenzen im trüben Hallenwasser rum, während ihnen die Trainerin Literatur vorliest. Alle diese Männer mit dem immer noch ungewöhnlichen Hobby haben ein schwieriges Verhältnis mit ihren Kindern und Partnern. So ist das „Training“ auch eine Selbsthilfegruppe - auf die zögerliche und wortkarge Männer-Art.

Es sind wirklich heftige und rührende Geschichten, die mit und mit vorgestellt werden. Und genau wie die unpopuläre Wasser-Gymnastik unmerklich ihren Reiz entwickelt, packt die Geschichte, die man meinte, zu kennen. Denn ausgerechnet der Film, der uns eine bekannte Formel verkaufen will, löst sich von dieser Formel und macht sein eigenes Ding. Es macht Spaß, im „Becken voller Männer“ immer wieder neue Themen, Rhythmen oder Ideen zu entdecken.

Es sind treffende Portraits des Scheiterns und der Vereinsamung, gegen die kitschige Leichtigkeit der klassischen Schwimm-Musicals von Busby Berkeley gesetzt wird. Gespielt von durchgehend exzellenten Darstellern, die auch Rollen mit Ecken und Kanten können. Wie der Belgier Benoit Poelvoorde („Das brandneue Testament“) als Gras rauchender Pool-Verkäufer. Das ist schon mal ein guter Wortwitz und wieder ein herrlich griesgrämiger Part. Mathieu Amalric („Grand Budapest Hotel“) trägt die schwere Hauptrolle und es dauert tatsächlich eine Weile, bis das Schwimmen mit Männern ein Lächeln in sein Gesicht zaubert. Virginie Efira („Birnenkuchen mit Lavendel“) gibt mit ihrem nicht lieblichen Charme die Trainerin, die vor allem mit ihren eigenen Problemen kämpft.

Das alles lässt völlig vergessen, dass man diesen Film schon zweimal gesehen hat. Und es fällt gar nicht auf, dass erst in der letzten halben Stunde richtig Schwung in die Sache kommt, die Beine rasiert werden und die rhythmischen Bewegungen sitzen. Das macht auch das abgegriffene Finale ganz anders: Erst da werden wir von der Wasser-Choreografie überrascht. So gewinnen die Männer im Wasser vor allen Dingen Anerkennung und Liebe ihrer Familien zurück. Und die feucht-depressive Film-Idee kann wieder Zuschauer gewinnen.

Frankreich, Belgien 2018 (Le Grand Bain) Regie: Gilles Lellouche, mit Mathieu Amalric, Guillaume Canet, Benoît Poelvoorde, Jean-Hugues Anglade, Virginie Efira 122 Min. FSK ab 6

Aachen: Eden; Capitol

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