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„Mortal Engines: Krieg der Städte“: Special-Effects-Knüller ohne Herz und Seele

„Mortal Engines: Krieg der Städte“ : Special-Effects-Knüller ohne Herz und Seele

Der Auftakt ist gigantisch fantastisch: Ein riesiges Schlachtschiff mit einer ganze Stadt auf seinem Deck fährt auf Panzerketten über verwüstete Steppen, jagt kleine Städte, die mit ihren Dampfmaschinen der gefräßigen Schrottpresse zu entkommen suchen.

Wie ein britischer Seefahrt-Admiral steht Hugo Weaving als Kapitän Thaddeus Valentine auf der Brücke. Die Rebellin Hester Shaw (Hera Hilmar) versteckt sich noch hinter ihrem roten Schal in der langsam auseinanderfallenden Beute.

Das ist gewaltiger Cyberpunk, eine Art von „Mad Max“ für die Jugend, Zukunft vermischt mit Retro-Touch. Die vierteilige Jugend-Romanserie von Philip Reeve „Mortal Engines“ spielt hunderte Jahre nach einem vernichtenden Krieg. Kriegstreiber und mörderische Eroberer fahren über die Ödnis auf der Suche nach noch mehr Ressourcen. Passend zur Kolonialgeschichte Großbritanniens ist London hier der große, böse Todesstern auf Panzer-Fahrgestell. Oben auf dem Monstrum thront die St. Paul’s Cathedral, das Riesenrad „London Eye“ wurde als neues Beförderungssystem recycelt.

Wenn man alles Wissen über die Gesetze der Physik an der Kinokasse abgegeben hat, macht „Mortal Engines“ mächtig Eindruck. In den besten Momenten fantastisch wie „Das wandelnde Schloss“ von Hayao Miyazaki.

Ansonsten mit der digitalen Material-Menge erschlagend. Denn Regisseur ist der oscar-prämierte Spezialeffekte-Künstler Christian Rivers, der für Ko-Produzent und -Autor Peter Jackson bei „King Kong“ und „Herr der Ringe“ im Einsatz war. Wie das Kinderspiel mit Matchbox-Autos, wie das in die Luft jagen von Play Mobil-Figuren mit Lady Krachern oder das Plattmachen von Puppenstuben hat dieser Film spürbar Lust an der ganz großen Zerstörung.

Bevor die Handlung mit den (arche-)typischen Vater- und Rebellen-Figuren im Stil von „Star Wars“ und Co. so richtig langweilt, hat man dabei auch Spaß: Der junge, unscheinbare Tom Natsworthy (Robert Sheehan) ist Archivar wie Thaddeus Valentine (Hugo Weaving), wird sich aber bald gegen sein Idol stellen. Zu den Artefakten seines Museum gehören tatsächlich Minion-Figuren und selbstverständlich auch ein iPhone. Gesucht sind aber vor allem Steuerteile eines gefährlichen Reaktors. Alles dreht sich um knappe Energie-Ressourcen, für die sich fahrende Riesenstädte kannibalisieren. Alte Erfindungen wie Sonnen- oder Windenergie geraten in den nächsten 100 Jahren wohl in Vergessenheit. Trotzdem gibt es immer wieder viel zu staunen in diesen wirklich noch mal fantastischen Welten. Bis zum viel zu langen Finale, das wie ein geerdeter Star Wars-Kampf um den Todesstern daher kommt. Zum Glück sagt hier ein wieder dämonischer Hugo „Mr. Smith“ Weaving ziemlich schnell „Ich bin dein Vater“ zur Gegnerin Hester. (Seinen Hit „Matrix“ muss er auch erwähnen.)

Die isländische Hauptdarstellerin Hera Hilmar („Der Eid“) macht ihre Figur, die auch noch einen Zombie-Roboter als Stiefvater hat, interessant.

Der gefühlvollste Moment ist tatsächlich das Wiedersehen mit dem Maschinen-Monster, das Rebellin Hester großgezogen hat. Was symptomatisch ist für einen tricktechnisch-aufwändigen Film, dem erzählerisch Herz und Seele fehlen.

Mortal Engines: Krieg der Städte Neuseeland, USA 2018 (Mortal Engines) Regie: Christian Rivers, mit Hugo Weaving, Hera Hilmar, Robert Sheehan, Jihae, Ronan Raftery, Leila George, Patrick Malahide, Stephen Lang, 128 Min.