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„Corpus Christi“: Schreitherapie mit dem falschen Priester

„Corpus Christi“ : Schreitherapie mit dem falschen Priester

Vielfach ausgezeichnet und für einen Oscar nominiert: „Corpus Christi“ irritiert und begeistert.

Kleider machen Leute – in einer katholischen Variante: Ausgerechnet ein von der Gesellschaft Verurteilter lehrt diese Gerechtigkeit und christliches Handeln, nachdem er ein geklautes Priestergewand angelegt hat. „Corpus Christi“ lässt sich in Polen vielleicht als Parabel auf Scheinheiligkeit einer von Missbrauchsskandalen erschütterten Kirche lesen, auf jeden Fall gab es dort für den großartigen Film von Jan Komasa (38) zehn von 15 nationalen Filmpreisen.

Seit der Uraufführung bei den Filmfestspielen in Venedig 2019 lief die Studie auf mehr als 60 Festivals weltweit, wurde für den Auslands-Oscar nominiert und in mehr als 50 Länder verkauft. Ende des Jahres könnte noch ein Europäischer Filmpreis dazukommen.

Im Jugendgefängnis hält Daniel (Bartosz Bielenia) Wache, während ein anderer Jugendlicher brutal gefoltert wird. Dann singt er im Knast-Gottesdienst mit hoher Stimme einen Psalm. Auf dem Weg zum Sägewerk, in dem die jugendlichen Straftäter im offenen Vollzug arbeiten sollen, feiert Daniel heftig und provoziert. Am Ziel angekommen, will er in einer Kirche ein Mädchen mit der gestohlenen Soutane beeindrucken, doch kommt nicht mehr aus der Sache raus: Schnell muss er den alten Priester nach dessen Zusammenbruch vertreten.

Nach diesem Seitenwechsel überrascht Daniel: Eine Beichte ist bei ihm psychologische und pädagogische Beratung. Er kritisiert Gott für die Grausamkeit eines Verkehrsunfalls, der im Ort sieben Todesopfer forderte. Eine Schreitherapie soll den Angehörigen helfen. Den reichen Besitzer des Sägewerks lässt er im Schlamm knien und beten. Der unkonventionelle Priester kommt an, aber gerät irgendwann an seine Grenzen.

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Der ungewöhnliche Rollenwechsel des keineswegs sympathischen Daniel – charismatisch gespielt von Bartosz Bielenia – irritiert und begeistert gleichzeitig.

(Aachen: Apollo)

„Corpus Christi“ (Polen 2019), Regie: Jan Komasa, mit Bartosz Bielenia, Aleksandra Konieczna, 115 Min., FSK: ab 16