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Robin Hood als Kriegsveteran in der modernen Zeit im Kino

Albern-moderne Verfilmung : Robin Hood als Kriegsveteran

Robin Hood treibts wieder in den Wäldern herum, aber diesmal als Irak-Veteran, der die US-Steuereinnahmen klaut, damit der ewige Krieg ein Ende findet. „Der Kracher der Enterbten“ wurde diesmal so albern modernisiert, dass der Film sicher kein Klassiker wird.

Wer sich auf Männer in Strumpfhosen freut, die trotz des englischen Inselwetters und der dürftigen Heiz-Situation in den Zeiten von Richard Löwenherz ihr Unwesen treiben, der dürfte überrascht werden. Und bekommt dann den Mund nicht mehr zu, angesichts eines Schauspiels während eines US-Kriegszuges im Irak.

Von den Ruinen der friedensstiftenden Weltpolitik bis zum Farbton der Wüsten-Camouflage sieht alles mehr nach „Black Hawk Down“ aus. Es scheint sich auch das Feindbild zu bestätigen, dass die Araber heimtückisch aus dem Hinterhalt schießen, sogar mit einer technisch überlegenen Maschinengewehr-Armbrust.

Dann wächst das Staunen ins Unglaubliche: Kriegsverbrechen der westlichen Invasoren werden kurz und knapp auf den Punkt gebracht. Unser zukünftiger Held Robin („Kingsman“ Taron Egerton) ist als zwangsverpflichteter Soldat der einzige, der Gerechtigkeit einfordert und dafür sogar gegen seinen Vorgesetzten meutert.

Endlich wieder zu Hause, setzt sich die verblüffende Kopie heutiger Zustände fort: Politiker, die vor allem die Bevölkerung ausrauben, machen das mit Hilfe irrationaler Ängste vor einer angeblichen Invasion aus dem Orient. Die Populisten machen Stimmung gegen die, die angeblich Kinder und Frauen rauben, Häuser abfackeln und weitere Schandtaten begehen! So weit das Sensationelle an dieser x-ten Robin Hood-Verfilmung.

Überraschend junger Robin Hood

In diesem Szenarion muss ein überraschend junger und modern wirkender Robin Hood feststellen, dass sein Schloss geplündert und seine große Liebe Lady Marian (Eve Hewson) anderweitig verheiratet ist. Aber vor allem ärgert den edlen Ritter, dass der skrupellose Sheriff von Nottingham (Ben Mendelsohn) die Bevölkerung im Auftrag der Kirche noch mehr ausbeutet. Anscheinend fällt Robin dabei gar nicht auf, dass der schicke graue Mantel des Schurken aus irgendeiner Zeitmaschine gefallen sein muss, genau wie die Kostüme auf seiner dekadenten Party.

Der arabische Little John (Jamie Foxx) bringt es auf den Punkt: Wir schlachten uns gegenseitig für die Reichen ab, damit die noch reicher werden. Grund genug, sich von Robins Freund und ehemaligem Gegner, dem weisen Little John zum Ninja-Kämpfer ausbilden zu lassen, der mit dem Bogen so schnell wie ein Maschinengewehr schießen kann.

Ihr Plan ist ebenso sensationell wie verwegen: Im Nottingham Forrest soll der ganze Krieg zwischen den Religionen beendet werden. Und das moderne Mittel dazu sind die Geldströme. Das wäre so, als wenn man heute der Waffen-Industrie ihre Gewinne nehmen würde. Oder den Verteidigungsetat, der in Deutschland vor Gesundheit, vor Bildung oder Familie den zweitgrößten Posten im Haushalt ausmacht, drastisch reduzieren würde.

Doch die kämpferischen linken Ideen, die „Robin Hood“ überraschend modern im Denken und in den Kulissen hervorruft, beiseite gelassen und das atemberaubende politische Setting mal ignoriert: Der Film von Regisseur Otto Bathursts liefert nur noch konventionell anständige und zeitgemäß schnelle Action. Jeder revolutionäre Ansatz wird beim traditionellen Erzählen vergessen. Dem Genre „Abenteuerfilm“ mit den Filzhütchen von Errol Flynn aus den späten Dreißigern ist dieser Robin Hood trotzdem längst entwachsen.