Psychodrama mit Dafoe und Pattinson: Robert Eggers verfilmt edle Kuriosität in „Der Leuchtturm“

Psychodrama mit Dafoe und Pattinson : Robert Eggers verfilmt edle Kuriosität in „Der Leuchtturm“

Robert Pattinsons Karriere nach den „Twilight“-Erfolgen könnte man tragisch als einzigen verzweifelten Schrei nach Anerkennung interpretieren. Selbst diese mit Schnurrbart bestückte, seltsame Rolle in „Der Leuchtturm“ muss noch nicht das Extremste sein.

Mehr als edel gefilmte Kuriosität ist bei Robert Eggers Schwarzweiß-Vision jedoch nicht zu vermelden. Einen abgelegenen Leuchtturm an der Küste Neuenglands soll der junge Winslow (Robert Pattinson) zur Zeit der Jahrhundertwende versorgen. Vor Ort ist der alte Seebär Thomas Wake (Willem Dafoe), der den Neuankömmling mit Schikane und Wahnsinn im Gesicht begrüßt. Er sei verheiratet mit der Insel, erzählt er dem linkisch dreinblickenden ehemaligen Holzfäller.

Während zunehmender Alkoholspiegel das hochstilisierte Kammerspiel mit Ausflügen nach draußen auf den einsamen Fels immer abstruser werden lässt, sorgt vor allem ein gespenstiger Soundtrack mit andauerndem Heulen des Nebelhorns für eine unheimliche Stimmung. Ansonsten würde das Ganze mit viel Furzen und komischen Episoden wie Winslows Kampf mit einer Möwe direkt ins Lächerliche abrutschen.

Thomas, der tatsächlich auf seinem Schaukelstuhl strickt, schleudert Winslow teils literarische Texte mit solcher Emphase entgegen, dass nicht nur dem der Mund offen stehen bleibt. Dann dauert es nicht mehr lange, bis auch Pattinson wahnsinnig grimassiert und auf Visionen von Meerjungfrauen masturbiert. Unter vollem Einsatz von Körper und Gesichtsmuskeln tanzen die Männer eng umschlungen, bevor sie sich prügeln. Kraken-Arme greifen nach ihnen - auch ein Traum oder Teil eines Fantasy-Films?

Regisseur Robert Eggers („The Witch“) hat großen technischen Aufwand für diese Schwarzweiß-Bilder im alten Stil betrieben. Entstanden ist eine sehr seltsame Darstellung des Wahnsinns, der in der Isolation entsteht. Doch vielleicht ist es auch besser, das ausführliche Saufen, Urinieren und Sich-Übergeben nur in Schwarzweiß zu sehen. Dieser surreale Kino-Alptraum ist mehr Kunstwerk als realistisches Drama. Allerdings hat gerade „Doctor Sleep“ an den Wahnsinn von „The Shining“ erinnert und daran, dass sich auch das abstruseste Verhalten halbwegs nachvollziehbar darstellen lässt. „Der Leuchtturm“ geht hoffnungslos in die andere Richtung.

USA, Kanada 2019 (The Lighthouse) Regie: Robert Eggers, mit Robert Pattinson, Willem Dafoe, Valeriia Karaman 109 Min.

Aachen: Apollo