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Rezension zu „Jean Seberg“ mit Kristen Stewart

„Jean Seberg“ : Die verfolgte Film-Ikone

„Jean Seberg“ zeigt die berühmte Schauspielerin als Zielscheibe des FBI. Das Sujet hätte eigentlich packen können ...

Zum Superstar wurde die US-amerikanische Schauspielerin Jean Seberg in Jean-Luc Godards „Außer Atem“ (1960). Als amerikanische Studentin mit kurzen Haaren und T-Shirt stürzt sie sich darin in eine Liebschaft mit dem Möchtegerngauner Michel (Jean-Paul Belmondo). Durch den ästhetisch revolutionären Kultfilm wurde sie zur Ikone des französischen Filmstils der Nouvelle Vague. Bevor die 1938 in Iowa geborene Seberg nach Frankreich zog, hatte sie bereits erste Erfolge in Otto Premingers „Die heilige Johanna“ (1957) und „Bonjour Tristesse“ (1958). Für Aufsehen sorgte sie auch mit ihrem Engagement für die schwarze Bürgerrechtsbewegung. Doch wer war diese Schauspielerin wirklich, die erst hochgelobt wurde, dann aber Ende August 1979 mit gerade mal 40 Jahren vermutlich Selbstmord beging?

Antworten auf diese Frage gibt der spekulative Spielfilm „Jean Seberg – Against all Enemies“ (gegen alle Feinde) kaum. Das biografische Drama des australischen Theater- und Filmregisseurs Benedict Andrews („Una und Ray“) zeigt den aufmüpfigen Star 1968 bis 1971 im Visier des FBI. Hollywood-Star Kristen Stewart („Twilight“, „3 Engel für Charlie“) kann in der Hauptrolle des vagen Films nicht überzeugen.

Auch hier ist der legendäre Dreh von Johanna von Orleans auf dem Scheiterhaufen ein Menetekel für das unglückliche kurze Leben der Jean Seberg: Dass die Schauspielerin Narben von schlecht kontrollierten Flammen davontrug, ist zwar nur eine Anekdote, aber für die Behandlung durch das FBI ist Hexenverbrennung eine treffende Metapher: Im Mai 1968, während in Paris die Revolution entflammt, verabschiedet sich Seberg von Ehemann und Kind, um in Hollywood Joshua Logans Western „Westwärts zieht der Wind“ zu drehen. Dabei will sie eigentlich etwas Relevantes machen und sorgt schon beim Atlantikflug dafür, dass der schwarze Aktivist Hakim Jamal (Anthony Mackie) trotz rassistischer Einwände der Fluggesellschaft in der First Class sitzen darf. Nach der Landung in den USA gibt es noch ein PR-Foto mit Aktivisten und erhobener Faust. Ein paar Tage später beginnt sie dann eine Affäre mit Jamal . . .

Parallel dazu zeigt der Film ziemlich dämliche und ignorante Geheimdienstler, die Jamal überwachen. Unter ihnen ist Jack Solomon (Jack O’Connell), ein junger Abhör-Spezialist, der eine Obsession für den Filmstar entwickelt. Diese kann er allerdings nur in der unbegründeten Verfolgung der Frau ausleben. Der Neue in der Abteilung bekommt allerdings auch immer mehr von der ideologischen Beschränktheit seines gewalttätigen Vorgesetzten mit und wird misstrauisch. Ganz zu schweigen von den Perversitäten des FBI-Bosses Hoover, der sich in seinem Verfolgungswahn besonders für Aufnahmen aus Schlafzimmern interessiert.

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„Jean Seberg – Against all Enemies“ schwankt zwischen tragischer Seberg-Episode und politischer Anklage gegen das geheime und höchst umstrittene „Counterintelligence“-Überwachungs-Programm des FBI. Das mit schmutzigen Details vom Geheimdienst an die Öffentlichkeit gebrachte Skandal-Geschichtchen ist der schwache Kern eines trotz großen Aufwands uninteressanten Films.

Das Sujet hätte packen können, aber das Interesse für die Figur Jean Seberg bleibt überschaubar gering. Die Beweggründe ihres Engagement für die Bürgerrechtler, insbesondere die Aktivisten der Bewegung Black Panther, werden nicht greifbar.

Mit der Verkörperung der verfolgten Film-Ikone baut Kristen Stewart ihre Independent-Rollen („Personal Shopper“ und „Die Wolken von Sils Maria“) aus. Mit ihrem unterkühlten und verschlossenen Spiel scheitert sie aber an der Herausforderung, Tragik zu erzeugen oder den Mythos Seberg aufleben zu lassen.

Man lernt durch diesen Film leider nur eins: Geheimdienste mit extremen Weltsichten sind ganz schön gefährlich.

(Aachen: Apollo)

„Jean Seberg – Against all Enemies“ (USA 2019), Regie: Benedict Andrews, mit Kristen Stewart, Jack O’Connell, Anthony Mackie, 103 Min,. FSK: ab 12