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Rezension zu „Der göttliche Andere“: Eine nette Romanze

„Der göttliche Andere“ : Der allmächtige Nebenbuhler

Mit „Der göttliche Andere“ ist Regisseur Jan Schomburg aus Aachen eine nette Romantische Komödie mit einigen Höhepunkten gelungen.

Manche glauben an das Schicksal, andere an Gott und wieder anderen ist das alles fremd. Dem britischen Fernsehjournalisten Gregory (Callum Turner) zum Beispiel. Ausgerechnet er fliegt nach Rom, um als Atheist von der Papstwahl zu berichten. Der arrogante Schnösel vergleicht sich selbst mit einem schönen Strand in der Karibik, an dem man vielleicht eine Woche verbringen, aber kein Einfamilienhaus bauen will. In Rom verliebt sich Gregory dann Knall auf Fall in Maria (Matilda de Angelis), die gerade dabei ist, Nonne zu werden. So steht einer wunderbaren gemeinsamen Nacht nach dem einvernehmlichen Gelöbnis, sich nicht ineinander zu verlieben, nichts mehr im Wege. Nur der Typ, dem Maria versprochen ist . . . Genau, dieser Jesus. Jedenfalls will da wohl eine höhere Macht das Glück des jungen Paares verhindern.

Keine Angst, „Der göttliche Andere“ des gebürtigen Aachener Drehbuchautors und Regisseurs Jan Schomburg („Vergiss mein Ich“, Ko-Autor „Vor der Morgenröte“) ist keine Zote, sondern eine unterhaltsame romantische Sommerkomödie. Wie der eifersüchtige Jesus, der seine versprochene Braut nicht verlieren will, beim Kennenlernen von Gregory und Maria – ohne persönlich aufzutreten – heftig dazwischenfunkt, das ist mal albern, mal großartig komisch und mal verrückt. Da klaut etwa ein Affe den Schlüssel zum Hotelzimmer für die erste gemeinsame Nacht. Aber zum Glück hatte Gregory von einem Straßenjungen zwei bestimmt originale Kreuzigungs-Nägel mit Jesus-DNA bekommen, mit denen Maria das Zimmerschloss knacken kann.

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„Der göttliche Andere“ ist insgesamt eine wirklich nette Romanze. Immer wieder gibt es echte Höhepunkte, etwa Gregorys Test einer Liebeserklärung mit dem Taxifahrer, der äußerst überzeugend zu einem Kuss mit diesem führt. Auch das Finale, live aus der Sixtinischen Kapelle, ist eine genial konstruierte Pointe.

Fundierte Kirchenkritik sollte allerdings nicht erwartet werden. Es wird nicht das fein geschliffene Schwert der Argumentation geschwungen, wenn Klosterleben und Kirche mit Faschismus und Gulag verglichen werden. Aber dass der chancenlose Konkurrent am Ende mit einem exklusiven Interview mit dem neuen (schwarzen und Freud zitierenden) Papst belohnt wird, ist wiederum ein amüsanter Einfall.

Dabei ist Jan Schomburg, der 1976 in Aachen geboren wurde und in Köln an der Kunsthochschule für Medien studierte, ein durchaus ernst zu nehmender Autor und ein bemerkenswerter Regisseur. Sein Kinodebüt in der Doppelfunktion gab er 2011 mit „Über uns das all“ und Schauspielerin Sandra Hüller. Nach „Vergiss mein Ich“ (2014) mit Maria Schrader in der Hauptrolle hat er mit ihr das Drehbuch zum großartigen und vielgelobten Stefan-Zweig-Porträt „Vor der Morgenröte“ (2016) geschrieben. Neben dem Verfassen von Drehbüchern hat sich Schomburg ebenfalls als Romanautor bewiesen und veröffentlichte 2017 die Coming-of-Age-Story „Das Licht und die Geräusche“. Derzeit schreibt der 44-Jährige an einem historischen Roman.

Für seinen neuen Film hat er ein internationales Ensemble um sich versammelt. Der Brite Callum Turner („Phantastische Tierwesen: „Grindelwalds Verbrechen“) und die Italienerin Matilda De Angelis („Giulias großes Rennen“) zaubern die Magie des zarten Verliebtseins überzeugend auf die große Leinwand. Und gerade jetzt – in Corona-Zeiten ohne viele Auslandsreisen – bringt der in den verwinkelten Gassen Roms gedrehte Film nebenbei auch ein bisschen Urlaubsgefühle mit sich.

„Der göttliche Andere“ (Deutschland, Italien 2020), Regie: Jan Schomburg, mit Matilda De Angelis, Callum Turner, Pino Ammendola, 91 Min., FSK: ab 6

Aachen: Apollo (nur im engl. OmU), Cineplex, Capitol

Alsdorf: Cinetower

Düren: Lumen

★★★★☆