Anime-Film „Electric Girl“: Junger Film mit Talent elektrisiert auf vielen Ebenen

Anime-Film „Electric Girl“ : Junger Film mit Talent elektrisiert auf vielen Ebenen

Das „Electric Girl“ Mia (Victoria Schulz) steht schon als normale junge Frau unter Strom: Viel Party, Alkohol und laute Musik. Der neue Job als Synchrosprecherin für einen Anime-Film begeistert die gut gelaunte Mia, so dass sie sogar den mies gelaunten Nachbar aus dem Erdgeschoss aufmuntern will.

Doch ist es die Geschichte um die gezeichnete Superheldin Kimiko? Oder nur der Stromschlag in der Kneipe, wo unsere Heldin kellnert? Auf jeden Fall lauern nun zerstörerische Dämonen in Stromleitungen und WLAN-Netzen auch von Hamburg, um die Menschen willenlos zu machen. In einer überdrehten Psychose wird Mia auch äußerlich zu Kimiko und alles um sie herum ist „asynchron“. Aber auch wenn sie einen vermeintlichen Selbstmörder vor der U-Bahn wegriss, ihren todkranken Vater kann sie nicht retten.

Regisseurin Ziska Riemann ist auch noch Musikerin und Comiczeichnerin. Mit „Electric Girl“ bringt sie ein paar frische Ideen und glaubhaft junge Lebensenergie auf die Leinwand, ästhetisch konsequent und manchmal eindrucksvoll mit vielen Szene-Settings durchgezogen. Der Film wird hauptsächlich getragen von der Hauptdarstellerin Victoria Schulz, die schon in „Dora – oder die sexuellen Neurosen unserer Eltern“ beeindruckte, und die den Wandel von unbeschwert zu durchgeknallt gut verkörpert. Ein eindrucksvoller Solotrip! Die Animationen der zweiten Handlungsebene sind leider so gestaltet, dass man nie wieder über billige japanische Animationen meckern wird. Aber sie verschwinden auch, je mehr Mia zu Kimiko wird. Auch wenn die Handlung sich etwas komplexer hätte entwickeln können, elektrisiert dieser junge Film mit Talent auf vielen Ebenen.

BRD, Belgien 2018 Regie: Ziska Riemann, mit Victoria Schulz, Björn von der Wellen, Hans-Jochen Wagner 89 Min. FSK ab 12

Aachen: Apollo

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