Musical-Film „Cats“: Griff ins Katzenklo

Musical-Film „Cats“ : Griff ins Katzenklo

Vom absoluten Musical-Superhit zum heißen Kandidaten bei „Schlefaz“ (Schlechtester Film aller Zeiten) auf Tele 5. Bei der Verfilmung von Andrew Lloyd Webbers „Cats“ ist mehr als einiges schief gelaufen. Gefundenes Katzenfutter für die Kritik!

Dass es fast vierzig Jahre dauerte, bis „Cats“ auf die Leinwand kam, lässt schon misstrauisch werden. Und dann sorgten die beiden Trailer für allgemeines Entsetzen. Dieses setzt sich im Film schon beim ersten Liedchen fort: Digital überarbeitete Fell-Kostüme lassen die Tänzchen aussehen, wie die Hupfdohlen-Darbietung einer Laientanzgruppe. Bei Vorspiel eines Katzenjammer-Castings für ein neues Leben (sind neun nicht genug?) will man wirklich nicht sehen, wie die immer provokant spielende Rebel Wilson sich im Schritt kratzt. Überhaupt ist das Thema „Katzen mit Brüsten“ eines der populärsten Punkte in den niederschmetternden Reaktionen zu „Cats“.

Die geradezu beleidigend banale Handlung und die schmerzhaften Ohrwürmer sind Geschmackssache - über 80 Millionen Zuschauer beim Musical „Cats“ können in einer Welt von Populismus und Charts-Diktatur nicht irren. Doch zu dem Abgeschmackten gesellen sich handwerkliche Fehlgriffe: Die Größenverhältnisse der Katzen zu den Kulissen wechseln so oft, als wäre dies ein Arthouse-Experiment. Dann verrutschen sogar mal die digitalen „Masken“ - die Anschlüsse der echten Gesichter zu den aufkopierten Fellen stimmen nicht. Und auch das Rumhüpfen - andere nennen es „Ausdruckstanz“ - im Trickstudio vor später einkopierter Kulisse landet nicht immer nachvollziehbar „echt“.

Zwar zeigt die Primaballerina Francesca Hayward als junge Katze Victoria mit hübschem Gesicht, dass wir mit ihr staunen sollten. Aber auch hier erwecken diese Schnurrbart-Haare im Gesicht Gänsehaut - der unguten Art. Wie die Figuren ist auch „Cats“ selbst ein Zwitterwesen zwischen konsequent durchgezogenem Fantasy und einem Schauspiel-Film. Dieses fatale Scheitern ist jedenfalls die haarigste Angelegenheit seit „Human Nature“ von Michel Gondry und Charlie Kaufman mit einer heftig behaarten Patricia Arquette.

Ganz unabhängig davon, wie man diese Stimmen und den Gesang findet, lippensynchron geht es auch hier ganz schief, weil die bekannten deutschen Texte nicht zu den Original-Bewegungen passen. Dazu irritierend zappelnde Ohren und fertig ist die Film-Katastrophe trotz Star-Regisseur Tom Hooper („The King’s Speech“, „Les Misérables“, „The Danish Girl“) und prominenter Besetzung (James Corden, Judi Dench, Idris Elba, Jennifer Hudson, Ian McKellen, Taylor Swift). „Das muss man gesehen haben“, meint der Verleih Universal weiterhin und drückt die Peinlichkeit zum Fremdschämen trotz historisch schlechten Bewertungen weiter in alle Kinos.

Großbritannien, USA 2019 Regie: Tom Hooper, mit Francesca Hayward, Judi Dench, Jason Derulo, Idris Elba, Jennifer Hudson, Ian McKellen, James Corden, Taylor Swift, Rebel Wilson 111 Min. FSk ab 0

Aachen: Cinekarree; Alsdorf: Kinopark

Düren: Lumen

Erkelenz: Gloria

Eschweiler: Primus

Originalversion

Heerlen: Quatro4

Kerkrade: Vue