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„Ema“: Extreme Mutterliebe

„Ema“ : Extreme Mutterliebe

Grandioser Tanzfilm, bewegendes Beziehungsdrama, flammender Emanzipationskampf, packendes Meisterwerk: Mit „Ema“ zeigt sich der chilenische Regisseur Pablo Larraín so gut wie in „No“ und „Neruda“, ebenso (gesellschafts-) politisch, aber diesmal auch ungemein sinnlich.

Eine riesige glühende Sonne im Hintergrund der Tanzbühne erinnert an das Feuer, das eine Familienkatastrophe ausgelöst hat: Als der gerade adoptierte Junge Polo ein böses Unglück verursacht, geben ihn seine neuen Eltern Ema (Mariana Di Girolamo) und Gastón (Gael García Bernal) zurück ans Jugendamt.

Die junge Tänzerin bereut allerdings später diesen Schritt und setzt Himmel und Erde in Bewegung, um Polo von seinen neuen Eltern zurückzubekommen. Mit vollem Körpereinsatz stürzt sich die Blondierte mit dem mal verführerischen, mal brutalen Gesicht in ein atemberaubendes Beziehungs-Wirrwarr. Mit einem Ende, auf das Hitchcock und Almodóvar neidisch sein könnten.

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Lose verknüpft der Film Tanz, Gespräche und Handlung zum Drama Emas. Vom ersten Moment an finden Regisseur Pablo Larraín und sein Kameramann Sergio Armstrong fantastische und faszinierende Bilder für die emotionale Extremsituation. Neonfarben sind ganze Straßenzüge der chilenischen Küstenstadt Valparaíso ausgeleuchtet. Immer wieder sehen wir Ema mit ihrer rauen Frauengang in Reggaeton-Tanzszenen an ungewöhnlichen und eindrucksvollen Orten. So wirkt es sogar poetisch, wie Ema mit dem Flammenwerfer durch die Stadt geht, nächtens Autos, Ampel und Denkmäler abfackelt.

Zwischen dem Choreographen Gastón und den Tänzerinnen ergibt sich eine knackige Diskussion über die Qualitäten des den Film bestimmenden Tanzes Reggaeton. Nebenbei entspinnt sich auch die Frage, ob zwei so ungewöhnliche Menschen ein Kind adoptieren dürfen. Ema musste dafür jedenfalls die zuständige Sachbearbeiterin „bearbeiten“. Ihre extreme Form der Mutterliebe ist keine brutale Rache. Nur ein brutal raffinierter Plan, ausgeführt mit gnadenloser Entschlossenheit. Eigensinnig, faszinierend und herausfordernd entwickelt „Ema“ schließlich ein utopisches Familienmodell.

(Aachen: Apollo)

„Ema“ (Chile 2019), Regie: Pablo Larraín, mit Mariana Di Girolamo, Gael García Bernal, 102 Min., FSK: ab 16

(ghj)