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In den Boxring: Es passiert immer was in „Gipsy Queen“

In den Boxring : Es passiert immer was in „Gipsy Queen“

Es ist ein herzzerreißender Auftakt, als die junge Mutter Ali (Alina Serban) mit zwei kleinen Kindern aus dem Roma-Dorf in Rumänien geschmissen wird – vom eigenen Vater. Und Trainer.

Denn die Frau heißt nicht zufällig Ali: Wie das große Vorbild sollte sie als Boxerin schweben wie ein Schmetterling und zustechen wie eine Biene.

Aber erst einmal ist Ali nun in Hamburg Zimmer-Mädchen eines schicken Hotels und wird von einem Netzwerk eigener Landsleute ausgebeutet und beraubt. Die kleine, energische Frau arbeitet Tag und Nacht für Tochter und Sohn, für ein etwas besseres Leben weg auch von der Kinderprostitution. Ein Aushilfsjob in der Kiez-Kneipe „Die Ritze“ bringt sie schließlich wieder zum Boxkampf. Zuerst im Kostüm eines Affen, dann nimmt sich der Kneipenboss und gescheiterte Boxer Tanne (Tobias Moretti) ihrer an.

Es passiert immer was in „Gipsy Queen“, es gibt ganz schön viel Drama und alles wird (wie zu oft) in diesem einzigen Kampf entschieden. Aber abgesehen von dieser allgemein verbreiteten Einfallslosigkeit, die hier noch ganz ansprechend aufbereitet wird, bleibt „Gipsy Queen“ ein starker und sehenswerter Film: Ohne allzu viel Folklore zeigt schon die deutsche Mitbewohnerin die Diskrepanz zwischen Welten auf: Die Möchtegern-Tänzerin Mary (Irina Kurbanova), die sich erlauben kann, nicht zu arbeiten.

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Ali schuftet derweil nachts auf asbest-verseuchten Baustellen, versucht 220 Euro für die Klassenfahrt nach Paris ihrer ebenso dickköpfigen Tochter zusammen zu kratzen. Das Jugendamt nimmt einer Roma - nicht Zigeunerin, wie der Film auch noch mal hinweist – besonders schnell die Kinder weg. Der Spaßkampf wird schnell blutig. Sehr gut montierte Erinnerungen zeigen Alis Sehnsucht nach dem Vater und dem Dorf in der Heimat. Aber auch die Gnadenlosigkeit, mit der sie auf eine Karriere zum Ruhme ihrer Gemeinschaft getrimmt wurde.

Alina Serban gibt diese Kämpferin im Ring und im Leben sehr eindringlich. Tobias Moretti ist auch als versoffener Ex-Boxer wieder mal genial. So wird „Gipsy Queen“ kein Box- und auch kein Sport-Film, vielmehr ein packender und bewegender Menschenfilm. Nicht „Million Dollar Baby“, aber doch sehenswert.

Österreich, BRD 2019 Regie: Hüseyin Tabak, mit Alina Serban, Tobias Moretti, Irina Kurbanova, Catrin Striebeck 113 Min. FSK ab 12

(Aachen, Apollo)