Dokumentarfilm „Das Kapital im 21. Jahrhundert“: Eine Zeitreise durch die Wirtschaftsgeschichte

Dokumentarfilm „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ : Eine Zeitreise durch die Wirtschaftsgeschichte

Der französische Ökonom Thomas Piketty legte in seinem 2014 erschienen Buch „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ schon einen Parforceritt durch die Wirtschaftsgeschichte hin: Ungleichheit in den Gesellschaften der letzten 2000 Jahre und das Verhältnis von Arbeit und Kapital.

Die gleichnamige Dokumentation, entstanden unter Mitarbeit von Piketty, ist ein chaotisches Plädoyer für höhere Vermögens- und Erbschaftssteuern, denn die Ungleichheit in den westlichen Gesellschaften wird ansonsten katastrophale Folgen haben.

Verarmte und Vergessene Menschen lassen Wut und Ratlosigkeit an Immigranten aus, weil das einfacher ist, als sich gegen multinationale Konzerne zu wenden. Erkenntnisse wie diese sind nicht von der Hand zu weisen. In dem filmisch komprimierten Buch-Inhalt werden sie gleich hundertfach auf die Zuschauer losgelassen. Aufgepeppt von einem Bild- und Tonstakkato aus Doku- und Spielfilm-Ausschnitten und vielen anderen Bildchen. Diese sind illustrativ, ironisch kommentierend und emotional. Was allerdings zu einer Geschichts-Erzählung im Schleudergang führt.

Dass wieder, wie im vergangenen Jahrhunderten, eine sehr kleine, sehr reiche Gruppe verantwortlich für die Armut der Unter- und Mittelschicht ist, bildet den Roten Faden. Dazu blitzen Fakten und Theorien auf: Über den Nationalismus, der vergessen lässt, dass die Klassen-Systeme eigentlich für das Elend vieler Menschen verantwortlich sind. „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ resümiert den gesellschaftlichen und finanziellen Aufstieg einer Mittelklasse, um deren Situation in den letzten Jahren stark bedroht zu sehen.

Durch die Deregulierung der Finanzmärkte fiel das Vermögen von 90 Prozent der Bevölkerung auf einen Stand von vor 30 Jahren zurück, und damit sogar die Lebenserwartung. Gemeint ist wahrscheinlich die USA, aber genau nimmt es der Film nie. Die Länder berauben sich gegenseitig ihrer Steuer-Grundlage. Konzerne wie Apple, Facebook, Google oder Starbucks nehmen uns über ihre Steuer-Unterschlagung soziale Sicherheit, Gesundheitsvorsorge und Rentensicherheit. Das ist alles möglich, weil Arbeit entwertet wurde, damit Kapital sich hemmungslos vermehren kann.

Das Aufkommen von Mode, Weihnachten als ein kapitalistischer Verkaufs-Hit, die US-Armee als Streikbrecher. Haufenweise kleine Fakten und ein paar nicht unbedingt revolutionäre Erkenntnisse können in diesem „Readers Digest“ als popiger Marx-Mix verärgern oder Interesse wecken für eine unbedingt notwendige genauere Diskussion.

Frankreich, Neuseeland 2019 (Capital in the Twenty-First Century) Regie: Justin Pemberton FSK ab 12

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