Familiendrama „Ein Licht zwischen den Wolken“: Eine treffende Parabel über das, was Religionen mit Menschen machen

Familiendrama „Ein Licht zwischen den Wolken“ : Eine treffende Parabel über das, was Religionen mit Menschen machen

Hirte Besnik lebt mit einer katholischen Mutter, einem kommunistischen Vater und den muslimischen und orthodoxen Schwiegereltern in einem albanischen Bergdorf und weiß genau, wie man eine Einigung erzielen kann.

In einem abgelegenen albanischen Bergdorf spiegelt sich durch eine historische Entdeckung und durch einen sehr banalen Streit um ein Erbe das allgegenwärtige Wiederaufleben religiösen Wahns: Das Leben des Hirten Besnik (Arben Bajraktaraj) läuft in einfacher Ruhe ab. Er kümmert sich um seine Ziegen, genießt die Sonne im rauen Bergdorf und pflegt den schwer kranken Vater. Dessen nahender Tod allerdings lässt Besniks Geschwister einfallen: Muslimische und orthodoxe Familien suchen in der kargen Hütte einen Platz und schielen schon mal auf das Erbe des alten Kommunisten. Derweil entdeckt Besnik in der kleinen Moschee hinter dem Putz eine christliche Heiligendarstellung. Auch wegen einer schönen Beamtin von der staatlichen Denkmalstelle entsteht ein Politikum: Sollen die Christen, wie vor und im Osmanischen Reich, hier auch beten dürfen?

Fein wie die Figuren, die der Hirte schnitzt, erzählt „Ein Licht zwischen den Wolken“ eine dem menschlichen Wahnsinn entsprechende und sehr treffende Parabel über das, was Religionen mit Menschen machen. Wie sie als Vorwand für Habgier, Beleidigtsein und andere Kleingeistereien dienen. Die Quintessenz des Hirten: „Die Menschen lieben Gott aufrichtig, aber nicht einander.“

Am Familientisch ordnet der kommunistische Patriarch nach der Wiedervereinigung zuerst eine praktische Aufteilung an: In Weintrinker und die mit Cola. Später als der Streit um das Haus eskaliert, sorgt Schweinefleisch im Essen dafür, dass tatsächlich der große Tisch getrennt wird. Die Geschichte ist - nicht nur aus Albanien - bekannt: „Enver (Hoxha, der Diktator) hat uns vereinigt, wir hatten keine Religionen, aber wir waren uns nahe“, sagt der Vater. Auch die türkische Herrschaft vorher diktierte ein Nebeneinander, mit dem die Gruppen nichts anfangen konnten.

Mittendrin und stoisch der „psychisch labile“, sprich: sehr sensible und künstlerische Hirte. Ein guter Mensch mit besten Absichten, dessen Umgebung immer verrückter wird. So teilt er das Haus des verstorbenen Vaters auf, die zerstrittenen Geschwister sollen sich einigen, sonst bekomme keiner was. Mit der Folge, dass er selbst in den Stall ausquartiert wird.

Regisseur Robert Budina inszenierte die starke und so frappierend moderne Geschichte ruhig vor eindrucksvoller Naturlandschaft, von einfachen Flötentönen begleitet. Die Bilder erinnern an die Film- und Fotokunst des türkischen Regisseurs und Fotografen Nuri Bilge Ceylan („Once Upon a Time in Anatolia“, „Drei Affen“). Eine in vielfacher Hinsicht bemerkenswerte Parabel, die berührt und nachdenklich macht.

Albanien 2018 (Streha mes reve) Regie: Robert Budina, mit Arben Bajraktaraj, Esela Pysqyli, Irena Cahani 84 Min. FSK ab 0

Aachen: Apollo

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