Ein verbitterter Kampf am Gartenzaun: Eine Bagatelle löst in „Under the Tree“ einen Nachbarschaftsstreit aus

Ein verbitterter Kampf am Gartenzaun : Eine Bagatelle löst in „Under the Tree“ einen Nachbarschaftsstreit aus

Wie ein Nachbarstreit in einem wohl situierten Viertel Reykjaviks eskaliert, ist als Film ebenso unnötig wie als Zwist an sich. Aus Island kommen gerne schräge und tiefgründige Komödien mit schwarzem Humor - „Under the Tree“ gehört nicht dazu.

Der große Baum im Garten von Inga und Baldvin verschattet völlig die Liegefläche von Eybjorg und Konrad nebenan. Dass Inga so hässlich gehässig auf Anfrage zur Beschneidung des Störenfriedes reagiert, hat andere Gründe: Einer ihrer Söhne hat sich umgebracht. Sie kommt nicht drüber hinweg, währenddessen will die jüngere Eybjorg noch ein Kind bekommen.

So sorgt die verbitterte Frau für Intrigen und beleidigt die Nachbarin. Zerstochene Reifen folgen, fremde Gartenzwerge stehen im Blumenbeet, irgendwann taucht der Schäferhund der einen Seite nur noch ausgestopft wieder auf. Ja, tatsächlich: Die Garten-Feinde sind auch noch Hund– beziehungsweise Katzen-Besitzer.

Was in einer Satire sicherlich ein ironisches Detail wäre. Doch „Under the Tree“ hat keinen (schwarzen) Humor, die Figuren sind nicht ambivalent, sondern eindeutig bis einfältig. Dazu wirkt das ganze Konstrukt seltsam unausgegoren: Überall schwingt zwar Sexuelles mit, ja eigentlich fängt der Film mit einem frustrierten Paar nebeneinander im Bett an. Doch das war’s dann auch.

Überraschend, denn zumindest das US-Remake „Prince Avalanche“ (mit Paul Rudd und Emile Hirsch) von Regisseur Hafsteinn Gunnar Sigurðssons Debüt „Either way“ war ein außerordentlicher Film.

Als aggressivster Faktor rumpelt noch der betrügerische, aggressive und übergriffige zweite Sohn von Inga und Baldvin in der Handlung herum. Doch eine wirkliche Entwicklung bleibt aus, es gibt nur eine einfallslose, scheinbar alternativlose Eskalation, die zu Mord und Totschlag führt. Letztlich erschlägt dieser Film mit Einfallslosigkeit - bei den Figuren und im Drehbuch.

Island 2017 (Undir trénu) Regie: Hafsteinn Gunnar Sigurðsson, mit Steinþór Hróar Steinþórsson, Edda Björgvinsdóttir, Sigurður Sigurjónsson, 89 Min. FSK ab 12

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