„Ich war zuhause, aber...“: Ein Filmgedicht mit Hamlet und Esel

„Ich war zuhause, aber...“ : Ein Filmgedicht mit Hamlet und Esel

„Ich war zuhause, aber“ verrät lange nicht, war er erzählen will. Mühsam bastelt man sich eine Geschichte einer Mutter von zwei Kindern zusammen. Der ältere hat wohl Probleme in der Schule, ein Fahrradkauf für 80 Euro erweist sich als Fehler und mittendrin bricht die ansonsten stille Frau namens Astrid (Maren Eggert) in einen wortreichen Kunst-Exkurs aus.

Es ist ein aufgeregter Monolog darüber, dass Schauspiel eine Lüge ist, und wie ein Manifest der eigenen Filmtheorie. Das emotionsarme Sprechen der Profi-Darsteller wird begleitet vom ebenso kühlen Hamlet-Vortrag einiger Schüler. Parallel läuft die Geschichte eines Lehrers (Franz Rogowski), der von seiner Freundin abgewiesen wird. Die Kinderfrage ist bei ihnen noch so ein Gespräch, das so nie wirklich geführt wird.

Gruppen werden wie Gemälde aufgestellt, die Hauptfigur Astrid - eine furchtbare Mutter, eher anstrengender als interessanter Mensch - redet als wenn sie einen juristischen Text oder griechisches Drama deklamiert. Wenn dann Sätze fallen wie „Mir ist nicht klar, wie redet man mit einem Heizungskörper“, dann ist böser Spott naheliegend.

„Ich war zuhause, aber“ mag für Regisseurin Angela Schanelec („Mein langsames Leben“, „Marseille“, „Orly“, „Der traumhafte Weg“) mit dem Tod eines Partners und Vaters von zwei gemeinsamen Kindern autobiografisch sein. Furchtbar unterkühlt bleibt es trotzdem. Selbst ein Cover von Bowies „Let’s Dance“ wird hier leblos gemacht. Solche verkopften Konstrukte mögen in einer wohlverdienten Festival- und Kino-Nische ihren Platz finden. Aber selbst viele interessante Interviews mit der Filmemacherin können nicht verhindern, dass der Film nur schwer erträglich ist.

BRD, Serbien 2019 Regie: Angela Schanelec, mit Maren Eggert, Jakob Lassalle, Clara Möller, Franz Rogowski, Lilith Stangenberg 105 Min. FSK ab 6

Aachen: Apollo

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