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Dokumentarfilm beleuchtet Leben von Richterin Ruth Bader Ginsburg

Ein Leben für die Gerechtigkeit : Dokumentarfilm beleuchtet Leben von Richterin „Notorious RBG“

Notorious RBG - eine zierliche, introvertierte Richterin über 80, deren Spitzname so klingt, wie der eines Rappers. Der Dokumentarfilm über die im hohen Alter enorm populär gewordene Supreme Court-Richterin Ruth Bader Ginsburg beginnt mit Beschimpfungen wie „Hexe“, „Zombie“ oder „kein Respekt vor der Verfassung“.

Dabei wird sie als Superheldin gezeichnet, bekommt freundliche Persiflagen in „Saturday Night Live“ und findet ihr Gesicht auf T-Shirts wieder.

Ginsburg, die 1983 erst als zweite Frau in den Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten berufen wurde, ist das Kind eines jüdischen Flüchtlings. Früh dachte sie selbständig, wurde politisch bewusst in der Zeit von McCarthys und Nixons Hexenjagd gegen Linke. Die vorherrschende Meinung in den Zeiten ihrer ersten Fälle als Anwältin war: „Nette Frauen widersprechen nicht, nette Frauen stellen keine Forderungen.“

Ginsberg verfolgte ihre Karriere mit einer Strategie ausgesuchter Fälle, die das Unrecht gegenüber Frauen bewusst machen und aus den Gesetzen herausholen. Mit 85 Jahren hat sie immer noch den Schalk im Gesicht bei ihren klugen Vorträgen, verweigerte es, ihren Richtersitz abzugeben und ist weiterhin Vorkämpferin für Gleichberechtigung und Frauenrechte. Nun studiert ihre Enkelin auch Jura. Erstmals sind an ihrer Universität gleich viele Männer und Frauen in einem Jahrgang.

Die Biografie zu „RBG“ ist teilweise witzig montiert, wenn die alte Dame mit ihrer großen Disziplin auch bei Gymnastik-Übungen gezeigt wird. Flott und unterhaltsam wird hier Werbung für Verfassungstreue und Gleichberechtigung gemacht: Man kann auch cool sein, wenn man klug engagiert ist. Es gibt „hippe“ Sequenzen, dazwischen die konventionellen „Talking Heads“, die Interviews mit alten Freundinnen und anderen Zeitzeugen wie Bill Clinton.

Auch wenn „RBG“ eine gute Geschichts-Lektion ist, der spannende Verlauf ihrer Kämpfe vor Gericht geht nicht in die Tiefe. Dafür menschelt es recht nett in dieser Biografie einer enorm eindrucksvollen Frau, die nie viel von Smalltalk hielt und immer direkt zum Kern der Sache kam. Heute bleibt sie eine Stimme der Gerechtigkeit und der Vernunft in einem Supreme Court, der vermehrt von Partei-Interessen bestimmt wird.

Ruth Bader Ginsburgs Privatleben ist bestimmt von einer Hymne für ihren Ehemann Marty, der sich ihrer Karriere nicht in den Weg stellte, was damals ungewöhnlich war. Viele teilweise unglaublich erscheinende Geschichten beschreiben die Ausnahmeposition dieser Juristin und einer Frau auf diesem Weg. Die sehenswerte Dokumentation ist von Betsy West und Julie Cohen mit enormer Begeisterung und positiv inszeniert.

USA 2018 (RBG) Regie: Betsy West, Julie Cohen 98 Min. FSK ab 0

Aachen: Apollo