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Die Frau des Nobelpreisträgers mit Glenn Close in Aachen im Kino

Ein Film über Literatur : Die Frau des Nobelpreisträgers

Das alte Ehepaar Joan und Joe Castleman wirkt in seiner Morgenroutine sehr gewöhnlich, bis ein Anruf aus Schweden die Sensation bringt: Joe erhält den Literatur-Nobelpreis. Begeistert wird auf dem Bett gehüpft, dann übernimmt Joan wie gewohnt wieder die Regie:

Glenn Close brilliert als „Die Frau des Nobelpreisträgers“ in einem sehr zeitgemäßen Film über die Frau eines Schriftstellers, die sich aber selbst ebenfalls als Autorin sieht und die Regie in der Ehe führt.

Nach der frohen Botschaft über die Auszeichnung nimmt Joan auch sogleich wieder die Zügel in die Hand. Es sei Zeit, sich anzuziehen. Wahrscheinlich gebe es heute noch ein paar Termine.

Der Film, der 1992 spielt, verfolgt die Geschichte der beiden von der Nachricht bis zur Übergabe des Literaturpreises durch den schwedischen König in Stockholm. Ganz nach der Vorlage des Romans von US-Autorin Meg Wolitzer (deutsche Ausgabe: „Die Ehefrau“).

Und so empfängt ein halb würdevoller, halb kindischer Autor seinen Verleger und Freunde. Auch die Kinder des Ehepaars sind für den freudigen Anlass bei ihrem Vater. Joan korrigiert noch mal die Inszenierung fürs Foto. Dann geht es mit der Concorde nach Europa.

Dort angekommen, geht ihnen der aufdringliche Biograf Nathaniel Bone (Christian Slater) auf die Nerven. Auch sonst verläuft nicht alles zu der Zufriedenheit der resoluten Joan. Das Protokoll in Stockholm schiebt sie ins Damenprogramm ab.

Die Geschehnisse um den Nobelpreis werden von Erinnerungen an die Anfänge ihrer Beziehung und seiner Karriere vor fast 40 Jahren unterbrochen. Die junge Joan, gespielt von Glenn Closes Tochter Annie Starke, verliebt sich in ihren verheirateten Literatur-Professor Joe Castleman. Was man im „Heute“ des Films nicht ahnen kann, wird hier deutlich: Die Frau des Nobelpreisträgers hat einst selbst geschrieben. Doch eine ältere Dichterin rät ihr, sie solle daraus auf keinen Fall eine Karriere machen. So wird Joan in den 50er Jahren die „Frau an seiner Seite“.

Statt selbst zu schreiben. korrigiert und inspiriert sie ihren Mann, kriegt seine Kinder, schmeißt den Haushalt. Joe wird derweil immer erfolgreicher. Während der Vorbereitungen auf die Feierlichkeiten in Stockholm eskaliert dann aber nicht nur Joes schwieriges Verhältnis zu seinem Sohn David (Max Irons), der ebenfalls Schriftsteller ist. Der stolze Preisträger kennt den Namen einer seiner Figuren nicht und nach den drängenden Fragen des Biografen Nathaniel Bone ergreift Joan ihre Chance.

Guter Zeitpunkt für einen Film zu Thema Literatur

Der Film ist ein idealer Zeitpunkt für das Thema Literatur-Nobelpreis und Frauen: Vor Kurzem wäre wieder ein Literatur-Nobelpreisträger, höchstwahrscheinlich erneut ein Mann, bekannt gegeben worden. Wäre nicht #metoo und das Ausräumen von übergriffigen Gremien-Mitgliedern, die für diesen Nobelpreis zuständig sind, dazwischen gekommen.

So zeigt „Die Frau des Nobelpreisträgers“ parallel zu „Colette“ im Kino nebenan, nach „Mary Shelley“ (vergangene Kinowoche), „Die Poesie der Liebe“ und „Astrid“ (Lindgren), dass einige Schriftstellerinnen nicht nur gleichwertig, sondern eigentlich besser sind. Konsequenterweise ist dies dann auch der Film von Glenn Close. Jonathan Pryce ist nur der eher lächerlich eitle Mann an ihrer Seite.

Wie in der Fernsehserie „Damages“ und in vielen ihrer Rollen übernimmt Close überzeugend die Regie. Was dem schwedischen Regisseur Björn Runge nicht absprechen soll. Gewann er doch auch schon 2004 einen Silbernen Bären für sein Drama „Om jag vänder mig om“. Ebenso müssen auch die feinen wie pointierten Dialoge aus der Feder von Drehbuchautorin Jane Anderson („Ein amerikanischer Quilt“) gelobt werden. Die Zusammenarbeit ergibt einen überraschenden und eindringlichen Film über literarische und gesellschaftliche Rollen.

Großbritannien, Schweden, USA 2017 (The Wife) Regie: Björn Runge, mit Glenn Close, Jonathan Pryce, Christian Slater, Max Irons, Annie Starke
100 Min.

Der Film läuft ab dem 03. Januar im Apollo-Kino in Aachen.