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Isabelle Huppert: Die Alte mit dem Hasch ist da!

Isabelle Huppert : Die Alte mit dem Hasch ist da!

Die zierliche Isabelle Huppert (67) als arabische Drogendealerin, die unnahbare Charakterdarstellerin als gerissene Kleptomanin – das ist mal eine originelle Idee und in dieser Ausführung ein Komödien-Knaller!

Die vor allem für ihre dramatischen Rollen bekannte französische Schauspielerin zeigt als „Eine Frau mit berauschenden Talenten“ des französischen Regisseurs und Drehbuchautors Jean-Paul Salomé eine sehenswerte Variante ihrer ebenso überzeugenden komödiantischen Seite – in einer rasant erzählten Story.

Die Dolmetscherin Patience Portefeux (Isabelle Huppert) übersetzt für die Pariser Drogenpolizei Verhöre und überwachte Telefongespräche arabischer Verdächtiger. Dabei muss sie die Beleidigungen der nordafrikanischen Machos und auch körperliche Attacken ertragen. Zudem kümmert sie sich um ihre Mutter im Pflegeheim, das ihre Finanzen extrem belastet. Als sie hört, dass einer der Schmuggler bei einer großen Überwachungsaktion der Sohn der netten Pflegerin ist, startet Patience spontan einen raffinierten Plan, um den Jungen zu retten und das eigene Konto aufzubessern.

Die Grundidee ist nicht neu: Eine bürgerliche, ältere Frau dealt plötzlich mit Drogen. Das ist mit dem britischen „Grasgeflüster“ (mit Brenda Blethyn, 2000) und der französischen „Paulette“ (mit Bernadette Lafont, 2012) schon fast ein eigenes Genre. Doch „Eine Frau mit berauschenden Talenten“ geht nicht den Weg des Sozialdramas und lässt auch keine brave Frau die Seiten wechseln.

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Wie es sich für einen „Stille Wasser sind tief“-Charakter von Huppert gehört, hat Patience schon als Kind kriminelle Erfahrungen gesammelt, als sie für die Eltern Geld in die Schweiz schmuggelte. Ja genau, Isabelle Huppert, diese feingliedrige Klavierlehrerin (in „Die Klavierspielerin“ von Michael Haneke) und Spitzenklöpplerin (in Claude Gorettas Filmdrama), die spezialisiert ist auf fordernde psychologische Rollen! In dieser leichten Komödie klaut sie als ebenso selbstbewusste wie schlagfertige Patience auch gerne für den Sohn des Inspektors einen Spielzeug-Dino im Museumsshop. Mit diesem Inspektor Philippe (Hippolyte Girardot), dem Leiter des Drogendezernats, hat sie übrigens eine Beziehung und kommt so an die neuesten Ergebnisse der Ermittlungen gegen sich selbst heran.

Denn stark verkleidet und geschminkt versucht sie, hinter großer Sonnenbrille als Araberin „Daronne“ (arab.: die Alte, die Frau des Alten) 500 Kilo feinstes, frisch aus Marokko importiertes Haschisch zu verkaufen. Sie bringt die Ware mit dem Taxi zum Deal. Immer 20 Kilo in billigen Plastiktaschen. Ihre beiden Partner stellen sich nicht wahnsinnig raffiniert an, und auch die immer neuen Übergabe-Ideen sind lustig. Hasch-Platten in Keksdosen im Supermarkt auszutauschen ist ganz schön raffiniert. Auch im wunderbaren Verhältnis zur entzückend zurückhaltenden, aber schwer durchtriebenen chinesischen Hausverwalterin (Jade Nadja Nguyen) entwickelt sich charmanter Humor.

Huppert ist über den in Frankreich erfolgreichen Roman „La Daronne“ (Die Alte) von Hannelore Cayre auf die Rolle gestoßen. Während sie ihn las, erzählte ihr Regisseur Salomé von seinem Interesse an dem Stoff. „Das war wirklich ein sehr glücklicher Zufall“, findet Huppert. Schon im Buch angelegt, zeigt der Film auch mit Blick auf Alltägliches wie Nachbarschaft die Gemengelage kultureller und sozialer Differenzen in einer Großstadt von heute. Viele Details der gut gezeichneten Figuren und Milieus machen „Eine Frau mit berauschenden Talenten“ zur Komödie mit begeisternden Talenten.

Aachen: Apollo, Eden, Capitol

„Eine Frau mit berauschenden Talenten“ (Frankreich 2020), Regie: Jean-Paul Salomé, mit Isabelle Huppert, Hippolyte Girardot, 106 Min., FSK: ab 12