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Das Mädchen, das lesen konnte zeigt Liebe und Leidenschaft im Kino

Liebe und Leidenschaft : „Das Mädchen, das lesen konnte“

Während die wunderbaren Bilder des Films das politisch turbulente Frankreich des Jahres 1851 im warmen Stil alter Landschaftsbilder zeigen, ist die Handlung atemberaubend unverstaubt.

„Das Mädchen, das lesen konnte“ ist eine eher sinnlose Übersetzung des französischen Originaltitels „Le Semeur“. Der „Sämann“ ist eigentlich Schmied, aber in einem Dorf ohne Männer soll er Samen für den Fortbestand der Bevölkerung sähen.

„Es ist Ausnahmezustand, wir haben jedes Recht!“ Napoleons Soldaten kassieren kurz und schmerzhaft mit diesem Argument alle Männer eines abgelegenen Bergdorfes in der Provence ein. Diese hatten sich vorher für die Republik entschieden. Es bleibt ein Dorf nur mit Frauen zurück, die Felder bestellen und sich Sorgen um die Zukunft machen.

Der Gedanke „was wäre, wenn ein Mann ...“, wird attraktiver Ernst, als Jean auftaucht. Ganz unabhängig vom Plan der Frauen verliebt sich die Jungfrau Violette in den Wanderarbeiter. Die Gefühle bestehen auf beiden Seiten. Da die zwei Verliebten mit Leidenschaft lesen, was eine Seltenheit in dieser Zeit darstellt, verbindet sich Seelenverwandtschaft mit körperlicher Anziehung.

Doch irgendwann fragen die anderen Frauen Violette, wann sie an der Reihe seien. Die erstaunliche Geschichte vom Säman greift im Bild das beliebte Malerei-Genre vom „Semeur“ auf, Bauern und Bäuerinnen vor goldenen Kornfeldern. Alt ist auch das 4:3-Format des Films, betörend schön dabei sind die vielen Bilder. Wie beispielsweise das vom Brautkleid einer jungen Witwe, das am Baum hängend im Gegenlicht verbrennt – ganz große Bildkunst zeigt sich hierbei. Äußerst bodenständig und realistisch hingegen wirkt dann die Darstellung, wie sich kurz darauf wirklich eine der Frauen aufhängt. Doch auch Dank der grandiosen Schauspielerinnen wirkt der Film niemals wie „von gestern“. Liebe und Leidenschaft, das Dilemma der klugen Violette, Trauer, Schmerz und Sehnsüchte tauchen in Blicken und Gesten auf und berühren nachhaltig.

Frankreich 2017 (Le Semeur) Regie: Marine Francen, mit Pauline Burlet, Alban Lenoir, Ge?raldine Paihas 98 Min. FSK ab 12

(Aachen: Apollo)