„Varda par Agnès“: 90-jährige Künstlerin blickt berührend auf ihr Werk zurück

„Varda par Agnès“ : 90-jährige Künstlerin blickt berührend auf ihr Werk zurück

Agnès Vardas possierlich als „Großmutter der Nouvelle Vague“ zu bezeichnen, übersieht, dass die Französin eine der wichtigsten, innovativsten, intelligentesten und wunderbarsten Filmemacherin nicht nur ihrer Zeit war. In „Varda par Agnès“ blickt die 90-jährige Künstlerin kurz vor ihrem Tod im März 2019 gewohnt geistreich und berührend auf ihr Werk zurück.

„Nichts ist banal, wenn man die Menschen mit Liebe und Empathie filmt!“ Vom ersten Welterfolg „Cleo – Mittwoch zwischen 5 und 7“ (Cléo de 5 à 7) im Jahr 1961 über „Vogelfrei“ (Sans toit ni loi) mit Sandrine Bonnaire als Obdachlose, den herzzerreißenden Abschied von Vardas Lebensgefährten Jacques Demy in „Jacquot“ bis zu den späten Erfolgen „Die Sammler und die Sammlerin“ (Les glaneurs et la glaneuse) und „Augenblicke: Gesichter einer Reise“ (Visages Villages) zeichnet der filmische Blick Vardas diese Liebe für die Menschen vor ihrer Kamera aus. Und eine Neugier für andere, neue Sichtweisen. Die kindliche Freude über die erste digitale Kamera in ihrer Dokumentation „Die Sammler und die Sammlerin“ bleibt unvergesslich. Und die Kunstfertigkeit, aus scheinbar banalen Alltagsfunden ein komplexes Meisterwerk zu formen.

Vardas letztes Werk dreht sich um eine Reihe von Vorträgen. Eine „Master Class“ aber nicht nur über das Filmen, sondern über das Leben. Und wieder einmal Glück, 24 mal pro Sekunde. Ausführlich lässt sie die Entstehung ihres Klassikers „Cleo“ aufleben. Schämt sich im Gespräch mit Sandrine Bonnaire etwas, wie sie das Mädchen für die harte Rolle hat leiden lassen.

Dann die unglaubliche Geschichte vom Dreh von „Jane B… wie Birkin“ mit Schauspielstar Jane Birkin. Die Aufnahmen wurden unterbrochen, um eine Geschichte, die Jane Birkin erwähnte, in den Sommerferien zwischendurch zu drehen. Mit Charlotte Gainsbourg, der Tochter von Birkin und Mathieu Demy, dem Sohn von Agnes Varda: „Die Zeit mit Julien“. Leben samt Betreuung schulfreier Kinder und Kunst in Harmonie - wie so oft bei Varda.

„Varda par Agnès“ ist ein letzter Schatz, den dieser filmisch so außergewöhnliche, aber vor allem emotional so kluge Mensch hinterlässt. Eine gute Gelegenheit, sie kennenzulernen oder sich ihrer zu erinnern.

Frankreich 2018 Regie: Agnès Varda 115 Min.

Aachen: Apollo