Weltkulturerbe: In Spa sind Besucher mit allen Wassern gewaschen

Weltkulturerbe: In Spa sind Besucher mit allen Wassern gewaschen

Spa ist weltweit das Synonym für Thermalwasser. Nun will der kleine Ort in Belgien gemeinsam mit anderen Badestädten Weltkulturerbe werden.

Schon zur Römerzeit waren die Heilquellen von Spa bekannt, aber erst seit dem 16. Jahrhundert kamen Gäste, um die Bäder von Spa zu besuchen. Immer noch sprudeln gesunde Wasser in den Ardennen. Rund 300 Quellen soll es geben – allesamt sind kohlesäurehaltig, sehr eisenhaltig und reich an Mineralien.

Der größte Brunnen „Pouhon Pierre-le-Grand“ liegt mitten in der Stadt, an der Rue Rogier. Das Wort „Pouhon“ stammt aus dem Wallonischen und bedeutet Brunnen. Als der russische Zar, Peter der Große, vor 300 Jahren für einen ganzen Monat hier war, um sein Leberleiden auszukurieren und das Heilwasser kostete, war der Brunnen noch ein einfacher, durch eine Nische geschützter Sickerschacht. Der elegante Wintergarten um die Quelle herum, den wir heute sehen, entstand erst 1880. Das große Glasdach wird von einer filigranen Eisenkonstruktion getragen.

Das neun Meter lange Fresko von Antoine Fontaine zeigt viele der berühmten Persönlichkeiten, die schon in Spa waren. Foto: zva/neitz

Prominenz in der Stadt

Wie ein Gästebuch liest sich das im Eingangsbereich hängende Gemälde „Le livre d`or“ von Antoine Fontaine. Es ist das größte Werk des Künstlers. Zehn Jahre arbeitete er an dem neun Meter langen Fresko, das 92 Persönlichkeiten zeigt, die das prickelnde Heilwasser tranken und seine wohltuende Kraft genossen. In bunter Unordnung und miteinander kommunizierend stehen sie an einer Balustrade. Man entdeckt Peter den Großen, Kaiser Joseph II, Descartes und Victor Hugo. Neben Herzog Wellington, der 1815 in Waterloo kämpfte und sich auch in Spa erholte, steht König Gustav III aus Schweden. Überragt wird die Gruppe von vier Marmorskulpturen. Eine davon ist der Heilige Remaclus, Gründer und Abt des nahegelegenen Klosters Stavelot-Malmedy.

Die Kaiser und Könige, Maler und Dichter, die kamen, tranken nicht nur ihr Heilwässerchen, sondern tanzten auf großen Bällen, spielten vergnügt im Kasino, kutschierten durch den dichten Laubwald und kurierten dann nebenbei ihre angeblichen Krankheiten. In seiner Blütezeit wurde das Ardennenbad das „Café de l´Europe“ genannt. Deutschlands Kaiser Wilhelm der Zweite kam auch. Während des ersten Weltkriegs war Spa zunächst ein Erholungsort für Frontsoldaten, in der Endphase Sitz des deutschen Generalstabes. Kaiser Wilhelm II weilte für längere Zeit in dem Kurort. Seine mit Türmchen geschmückte Fachwerkresidenz im Vorort Nivezé ist noch zu sehen und gehört heute einer christlichen Gemeinschaft. Auch andere im Grün versteckte Prachtvillen findet man am Ortsrand.

Der Winter hat auch seine Vorzüge: Natürlich kann in Spa auch während der kalten Jahreszeit gebadet werden. Die Prominenz musste früher während des Winters drinnen baden. Foto: zva/Pierre Pauquay

Das Kasino und das alte Kurhaus – beide prachtvolle Gebäude des neo-klassizistischen Baustils – bilden weiterhin die Stadtmitte. Dennoch haben die Stadtväter die glanzvolle Vergangenheit inzwischen erfolgreich mit modernem Zeitgeist aufpoliert. Mit einer neuen Badelandschaft, die bereits vor 15 Jahren eröffnete und auf dem bewaldeten Höhenzug „Annette et Lubin“ liegt, ist ihnen ein Clou gelungen, der noch nichts von seiner Attraktivität eingebüßt hat. „Les Thermes de Spa“ heißt Spas großer Stolz.

Gläserne Aufzugskabinen, die sich am Rande des Parks „Parc de Sept Heures“ befinden, den zwei sehenswerte, im Jugendstil erbaute Wandelhallen schmücken, verbinden das neue Thermenbad mit dem Zentrum. Eine Kabine ist für Normalbesucher, die andere ist für die Gäste des Komfort-Hotels vorbehalten. Die haben ihre eigene Glaskabine und können gleich vom Hotel im weißen Bademantel zum „Wellness de Luxe“ nach oben schweben.

Badelandschaft

Unter einem stilvollen, mit Streben gegliederten Dach breitet sich eine abwechslungsreiche Badelandschaft aus. Innen und außen insgesamt 800 Quadratmeter Wasser, mit allem, was an Whirlpools und Fontänen dazu gehört. Hinzu kommen Saunen, Dampfbäder, Ruheräume und Terrassen. Darüber im Centre „Bains et espaces thermaux“ wird der Körper gehätschelt und massiert. Da sind sprudelnde Wasserdüsen, die Nacken, Schulter und Rücken massieren, ein Moor- und Niagarabad und ein Sub Aqua, eine besondere Behandlung unter Wasser, die ebenfalls zur Durchblutung und Entspannung beitragen soll.

Zum Wasser ist es in Spa nie weit: An der Quelle „Tonnelet“ wurde es früher in kleinen Fässchen aufgefangen. Foto: Wallonie Belgien Tourismus

Vor allem das Wasser der Quelle Maria–Henriette wird verwendet. Es ist besonders kohlensäure- und eisenhaltig und erzeugt ein angenehmes Prickeln auf der Haut. Namensgeberin der Quelle ist die belgische Königin, die einige Jahre hier lebte und 1902 in Spa starb. Neben dem Maria-Henriette Wasser wird das kalziumreiche Wasser der Quelle Clémentine eingesetzt, das in den Whirlpools und in Sprudelsitzen für wohltuende Lockerung sorgt. Man pflegt die Tradition und bietet weiterhin ein Bad in einer der Kupferwannen aus kaiserlichen Zeiten an.

Der Glanz vergangener Tage

Einige der prächtigen Hotels aus dem 18. Jahrhundert wie das Hôtel de Bourbon und gegenüber das Hôtel Irlande in der Rue Delhasse sind inzwischen renoviert. Bei anderen erinnert ein Emailleschild an den Glanz vergangener Tage. Oder an Schicksale. Beispielsweise an den Geiger George Prins, der im ehemaligen Hotel Cardinal spielte, für seine Karriere nach London ging und schließlich mit der Titantic versank.

Doch das ist nicht alles. Jetzt steht das nächste große Projekt an: Spa will auf die Liste der Unesco-Weltkulturererbe-Destinationen. Dazu hat es sich im Städteverbund mit elf europäischen Kurorten aus sieben Nationen beworben. Baden-Baden, Karlsbad, Bath und Vichy sind dabei, um nur einige zu nennen. Die Unterlagen haben die „Great Spas“ gerade erst, im Januar, eingereicht. Was diese Kurbäder auszeichnet, sind Gärten und Parks, Villenviertel und Kurbauten, Trinkhallen und Badehäuser. Und von alldem hat Spa schließlich nicht zu wenig.

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