„Seppis Eck“ in Rurberg: Drei-Gänge-Menü mit Rurseeblick

„Seppis Eck“ in Rurberg : Drei-Gänge-Menü mit Rurseeblick

Die Gastronomie in Rurberg war in den zurückliegenden Jahrzehnten einem starken Wandel unterworfen. Viele Kneipen und Restaurants existieren nur noch in der Erinnerung, aber der Kiosk am Rurberger Seeufer/Ecke Bollard hat allen wirtschaftlichen und touristischen Wellenbewegungen standgehalten.

Kiosk und Imbisswagen sind Treffpunkt für Dorfbevölkerung und Gäste. Seit über 50 Jahren existiert er mit der sympathischen 1960er-Jahre-Architektur und dem typischen Schiebefenster, durch das die Kunden bedient werden. Die langjährige Inhaberin Marita Stollenwerk und ihr Kiosk waren stets eine Institution für Rurberg – als Treffpunkt mit unverbaubarer Aussicht auf den Rursee, als Nachrichtenbörse für die Dorfbevölkerung und als verlässliche Adresse für die Gäste. Dieses bewährte Erfolgsrezept möchte auch der neue Besitzer hegen und pflegen, aber auch individuelle und persönliche Akzente setzen.

Vor viereinhalb Jahren übernahm der gebürtige Rurberger Sebastian Harth, den in Rurberg und Umgebung alle nur „Seppi“ nennen, den Kiosk, und diese Entscheidung hat der 40-Jährige bis heute nicht bereut, selbst wenn er seine Urlaubstage in dieser Zeit nahezu an einer Hand abzählen kann. „Seppis Eck“ taufte er den Kiosk. Die Gäste haben dem kultigen Treffpunkt die Treue gehalten, und der Platz am Seeufer ist stets gut belebt, auch wenn Fußball gucken und Klönen in der gemütlichen Enge des Kiosk derzeit tabu sind.

Dass die Gäste nicht ausbleiben, liegt auch daran, dass Seppi Harth direkt neben dem Kiosk einen Imbisswagen platziert hat, um das Angebot zu erweitern. Wenn auch die seit acht Monaten anhaltende Corona-Situation, die mit zahlreichen Einschränkungen und Auflagen für die Gastronomie verbunden ist, die weiteren Pläne ein wenig behinderten, blickt der selbstständige Kiosk-Betreiber nicht unzufrieden auf das Jahr 2020 zurück: „Für mich war es in Ordnung“, sagt er. Unter anderem profitierte er auch davon, dass in der Pandemie außergewöhnlich viele Menschen die Eifelnatur als Ausgleichs- und Rückzugsort in der Krise aufsuchten. „Die Leute wollen schließlich raus“, erzählt Harth, „und da haben oft die Alternativen gefehlt“.

Imbisswagen, Kiosk und Wohnung: Im Laufe des nächstens Jahres soll der aufwendige Umbau an „Seppis Eck“ in Rurberg abgeschlossen sein. Foto: Peter Stollenwerk

Auch im Winter kämen an schönen Tagen die Gäste, wobei der wesentliche Teil des Umsatzes selbstverständlich im Sommer laufe. Eine Reihe von gastronomischen Betrieben in Rurberg habe in den zurückliegenden Jahren geschlossen, und diesem Verlust wolle er eine Alternative entgegensetzen. Der Grund für diesen Rückgang liegt für Seppi Harth auf der Hand: „Es möchte doch heute kaum noch jemand in der Gastronomie arbeiten. Die Arbeitszeiten am Wochenende schrecken viele ab.“

Der Imbisswagen soll bald durch ein Imbiss-Restaurant mit Außenterrasse aufgewertet werden. Der Anbau ist bereits errichtet, und wenn alles planmäßig läuft, dann soll im Laufe des nächsten Jahres die Eröffnung stattfinden. Und weil der Besitzer seinem Kiosk immer ganz nah sein möchte, hat er in der oberen Etage des umfangreichen Anbaus eine Wohnung in Toplage für die vierköpfige Familie eingerichtet.

Auch in diesem November, wo Gaststätten und Restaurants infolge der verschärften Corona-Vorschriften geschlossen haben, bzw. nur noch außer Haus verkaufen dürfen, läuft das Wochenend-Geschäft an Seppis Eck nicht schlecht, was auch daran liegt, dass die außergewöhnlichen milden Spätherbst-Temperaturen immer noch viele Gäste anlocken.

Nach wie vor ist der Kiosk selbst in den jetzt etwas anderen Zeiten neben der Gaststätte Rustica der wichtigste Treffpunkt für die Rurberger.Der Kiosk ist an 364 Tagen im Jahr geöffnet. „Nur am 1. Weihnachtstag ist geschlossen“, sagt Harth, der sich nicht nur auf die tatkräftige Unterstützung von Ehefrau Bianca verlassen kann, sondern auch in der Familie auf eine Reihe verlässlicher Helfer zählen kann.

Das touristische Geschehen in Rurberg hat sich seit der Umgestaltung des Rurseezentrums zwar weitgehend an den Eiserbachsee verlagert, aber Seppi Harth hat auch festgestellt, dass wieder verstärkt Gäste am Seeufer anzutreffen sind. Er selbst hat auch einen weithin sichtbaren Beitrag dafür geleistet. Von den Fahrgastschiffen der Rurseeschifffahrt ist der in die Dachziegel integrierte Schriftzug „Seppis Eck“ auf dem neuen Hausdach kaum zu übersehen. „Das macht die Leute neugierig“, freut sich der Kiosk-Besitzer über die Wirkung seiner pfiffigen Werbung.

Doch bei aller Werbung muss vor allem die Qualität stimmen. In seinem Imbiss bietet Seppi Harth das klassische Angebot an, „aber mit einer holländischen Note“, betont er. „Die Kunden sind begeistert“, berichtet Harth, der Wert darauf legt, seine Saucen („die müssen schmecken“) selbst zu mischen. Die „tolle Rolle“ (Bratrolle spezial mit Pommes) ist nicht nur bei den Gästen aus Nachbarland heiß begehrt. Der absolute Hit auf der Imbiss-Liste aber ist das „Drei-Gänge-Menu“ (Currywurst, Pommes und Majo), das man am besten auf die Hand nimmt, um dann auf einer der zahlreichen Ruhebänke am Seeufer Platz zu nehmen. Beim belebenden und zugleich beruhigendem Blick aufs Wasser dürfte dem unwiderstehlichen Genuss dann nichts mehr im Wege stehen.