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„The Crown“: Fern von Kitsch und trockenem Historiendrama

„The Crown“ : Fern von Kitsch und trockenem Historiendrama

Die Krönung der royalen Serien-Unterhaltung geht in die vierte Staffel: In „The Crown“ trifft die Queen auf Diana und Margaret Thatcher.

„The Crown“, die Krönung der royalen Serien-Unterhaltung, meldet sich mit der vierten Staffel und zwei weiteren Hauptfiguren zurück: Queen Elizabeth II. hat nun mächtig mit Lady Diana Spencer und Premierministerin Margaret Thatcher zu tun. Die beste Staffel bislang begeistert in vielerlei Hinsicht.

Seit 2016 widmet sich die gefeierte und mehrfach ausgezeichnete Serie der jahrzehntelangen Karriere der britischen Königin Elizabeth II. Die an ihrem Leben entlang erzählende Biografie liefert Dramen und Eskapaden im Hause Windsor und nur am Rande Schicksale der Untertanen. Mit der vierten Staffel sind wir in den 1980er Jahren angelangt. Ohne sich auf Lorbeeren auszuruhen, trumpft „The Crown“ in der ersten Folge direkt mit einer filmischen Glanznummer auf. Die mehrfache Parallel-Montage zeigt packend und erschreckend die hemmungslose Jagdlust der Adligen.

Auf dem Höhepunkt werden aber sie gejagt: Lord „Dickie“ Mountbatten (Charles Dance), Onkel von Prinz Philip (Tobias Menzies) und väterlicher Freund für Charles (Josh O’Connor), fällt 1979 einem Anschlag der IRA zum Opfer. Doch der nordirische Religionskrieg, später der mörderische Kampf um die Falklandinseln, die extremen sozialen Einschnitte durch Maggie Thatcher – das alles ist Weltpolitik, von der nur kurze Blitzlichter in die Geschichte des Königshauses dringen.

Gut gecastet: Emma Corrin als Prinzessin Diana. Foto: Ollie Upton/Netflix/Ollie Upton

Intern genießen wir die Auftritte von Prinzessin Diana (Emma Corrin) und Premierministerin Thatcher (Gillian Anderson). Mit ihnen muss sich die Queen (Olivia Colman) kurz die weibliche Hauptrolle teilen. Das könnte Märchenkitsch geben oder trockene Polithistorie. Aber den exzellenten „Crown“-Autoren gelingt es, mit vielschichtigen Figuren eine immer fesselnde Geschichte fortzuerzählen.

Selbstverständlich will eine boulevardisierte Medienlandschaft unbedingt erfahren, wie es der netten Kindergärtnerin Diana Spencer im herzlosen Haus der Windsors erging. Serien-Schöpfer Peter Morgan hält sich trotz erstaunlicher Ähnlichkeit in Mimik und Maske von bekannten Bildern fern. Wochenlange Einsamkeit der jungen Frau im Buckingham Palace explodiert in der ironisch „Märchen“ genannten Folge 3 in einer euphorischen Rollschuhfahrt mit Kopfhörern und Popmusik durch leere Palast-Gänge.

Ebenso unterhaltsam und interessant ist die Figur der „Eisernen Lady“ Maggie Thatcher. Sie scherzt zu Beginn des traditionellen Rapports der Regierungschefin bei der Herrscherin, dass es mit zwei Frauen in der Menopause ja lustig werden wird. Auch diese geheimen Treffen evozieren unweigerlich die Frage: War das wirklich so? Doch unabhängig davon, was echt ist – die Geschichte von „The Crown“ ist echt gut.

Staffeln 5 und 6 schon geplant

Die sorgfältig geführte Kamera produziert einen Augenschmaus. Ein hervorragendes Drehbuch, die gute Wahl der Darsteller, eine klasse Maske und tolles Spiel machen „The Crown“ selbst für eingefleischte Republikaner zu einem Serien-Ereignis. Denn die Scherze bei „Lisbeth“ und den anderen gehen zwar oft auf Kosten der Nicht-Royals. Doch Maggie Thatcher, die strenge Tochter aus dem einfachen Volk, hält dem eigentlich lächerlichen Haufen unnützer Adliger auch Verschwendung wertvoller Arbeitszeit vor.

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Elizabeth bleibt in zwischenmenschlichen Dingen eine tragische Witzfigur, die sich vor persönlichen Treffen mit ihren vier Kindern erst Informationen über deren Leben zustellen lässt. Wie es in den beiden bereits geplanten Staffeln 5 und 6 mit teils neuer Besetzung vielleicht schon Ende des kommenden Jahres weitergeht, bleibt spannend – obwohl in der Historie bereits alles geschehen ist. (Netflix)

„The Crown“ (Großbritannien, USA 2020), Regie: Benjamin Caron, Paul Whittington, Julian Jarrold, u. a., mit Olivia Colman, Tobias Menzies, Helena Bonham Carter, zehn Folgen à ca. 60 Min., FSK: k. A.