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Paderborn: Entdeckungsreise im Deutschen Traktoren- und Modellbaumuseum

Paderborn : Entdeckungsreise im Deutschen Traktoren- und Modellbaumuseum

Ein Porsche! Offene Fahrerkabine! Knallrot wie ein Ferrari! Männerträume könnten wahr werden. Wenn denn da auch ein paar PS mehr unter der Haube wären. Immerhin sieben Vorwärtsgänge und einen für die Rückwärtsfahrt.

So aber bringt dieses Gefährt nur schlappe 50 Pferdestärken auf die Straße. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 28 Stundenkilometern, wenn der „Schnellgang“ eingelegt ist. Und das soll ein „Porsche“ sein? Ja, ein „Porsche Diesel Master“, daneben der kleine Bruder „Porsche Diesel Junior“. Wir stehen im Deutschen Traktoren- und Modellautomuseum in Paderborn.

Im Deutschen Traktoren- und Modellbaumuseum in Paderborn finden sich viele alte Modelle, so wie dieser Traktor von Porsche.
Im Deutschen Traktoren- und Modellbaumuseum in Paderborn finden sich viele alte Modelle, so wie dieser Traktor von Porsche.

Dieser Porsche ist eines von 118 Ausstellungsstücken, die die Geschichte der Schlepper anschaulich und (be)greifbar machen. Und das auf einer Fläche von über 3000 Quadratmetern. Übrigens: Einen Traktor — oder besser: eine Zugmaschine — mit Kabrioverdeck gibt es auch zu bestaunen: glänzend weiß, strotzend vor Kraft und mit rabenschwarzem Textilverdeck, eine Zugmaschine der Firma Lanz. Sie stand früher in Diensten eines Schaustellers, deshalb wohl auch diese Extravaganz.

Im Deutschen Traktoren- und Modellbaumuseum in Paderborn steht auch diese Tankstelle aus den 1920er Jahren. Sie macht anschaulich, wie idyllisch es damals zuging: Der Kraftstoff musste mit Handpumpen aus den Lagertanks in die der Fahrzeuge befördert werden. Und auf die Minisupermärkte von heute weist nun wirklich nichts hin. Öl und Kraftstoff war das Angebot, vielleicht noch Wasser, extrem zielorientiert.
Im Deutschen Traktoren- und Modellbaumuseum in Paderborn steht auch diese Tankstelle aus den 1920er Jahren. Sie macht anschaulich, wie idyllisch es damals zuging: Der Kraftstoff musste mit Handpumpen aus den Lagertanks in die der Fahrzeuge befördert werden. Und auf die Minisupermärkte von heute weist nun wirklich nichts hin. Öl und Kraftstoff war das Angebot, vielleicht noch Wasser, extrem zielorientiert. Foto: Martin Thull

Otto Vogel hat sie über Jahrzehnte gesammelt, ein ortsansässiger Transportunternehmer, der die Ergebnisse seiner Sammelleidenschaft hier der Öffentlichkeit zugänglich macht. Auf zwei Etagen sind Schlepper seit den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts ausgestellt. Sie sind liebevoll restauriert und alle fahrtüchtig, wie Marc Beitter versichert. „Und die, bei denen sich unten auf dem Kies kleine Öllachen bilden?“ Da zwinkert er vielsagend mit den Augen und weiß die einleuchtende Erklärung: „Das sind unsere Auslaufmodelle.“

Technik über 100 Jahre verändert

Und selbst der Laie kann sich gleichsam im Vorübergehen ein Bild davon machen, wie sich die Technik über jetzt fast 100 Jahre verändert hat: Die Fahrzeugingenieure haben von den Landwirten gelernt — denn bei ihnen waren die Trecker in erster Linie im Einsatz —, sind auf deren Bedürfnisse eingegangen und haben so die Bedienung der Maschinen immer weiter verfeinert. Auf den ersten Blick sind es die Räder. Anfangs noch Eisenräder, wie bei dem IHC-Schlepper aus dem Jahr 1914, das älteste Sammlerstück. Er wurde mit Motoren angeboten, die zwischen zwölf und 20 PS hatten, je nach Bedarf. Und das Fahrzeug hatte einen Vorwärts- und einen Rückwärtsgang.

Statt der Eisenräder, die gelegentlich mit Querstreben auf der Lauffläche versehen waren, damit sie auf dem Acker besser greifen konnten, kamen dann zunächst Vollgummireifen, ehe dann landwirtschaftlich taugliche Luftreifen erfunden wurden. Bei denen dann manche mit einer Art überdimensionaler Schneekette ausgestattet wurden — quasi eine Version für die Arbeit und eine für die Strecke der An- und Abfahrt zum Acker, um die Straße zu schonen.

Oder eine Version, die sogar einen „Kosenamen“ hatte: „De Düwelskierl“ mit sehr breiten Eisenrädern, die ein Versinken im Moor verhindern sollten. Andere wurden mit Ketten wie bei Panzern ausgestattet, wahrscheinlich war deren Einsatzort an abfallenden Hängen. Die Herstellernamen lesen sich wie das Adelsregister deutscher Landmaschinenbauer: Hanomag und MAN, Eicher und Schlüter, Lanz und Humboldt-Deutz etwa, deren Motoren oft zunächst mit Benzin gespeist wurden.

Wenn der Antrieb die ausreichende Betriebstemperatur hatte, wurde mittels eines Hebels auf Dieselkraftstoff umgestellt. Was heute über elektronische Steuerung auf Knopfdruck erledigt würde, erforderte damals sehr viel Erfahrung und ausgeprägtes Fingerspitzengefühl. Und vor allem durfte nicht vergessen werden, bei Ende der Arbeit wieder Benzin in die Zuleitungen zum Motor zu lassen, denn sonst wäre der Motor am nächsten Morgen nicht angesprungen. Als hätten die Landwirte nicht schon an genug andere Sachen zu denken…

Deshalb hatten diese historischen Traktoren auch mehrere Tanks: für Schweröl, Benzin und Diesel. Und ein Lanz Bulldog von 1932 hatte zwar vier Vorwärtsgänge. Wenn er aber rückwärts gefahren werden sollte, musste der Motor zunächst umgestellt werden. Immerhin war dies der erste Traktor, der am Fließband gefertigt wurde. Sein eher niedriger Preis von 5600 Reichsmark begünstigte einen Verkauf von 7230 Exemplaren.

Umgekehrt wurden von dem Schlepper „Felddank“ (was für ein Name!) nur 200 Stück produziert. Das Gefährt hatte 38 PS und konnte 2,5 bis 6,5 Kilometer in der Stunde zurücklegen. Allerdings war das wohl weniger der Grund für die geringe Verkaufszahl von 200 Stück, sondern der hohe Preis von 10.000 Reichsmark machte den Traktor lediglich für Großbetriebe attraktiv.

Handpumpen

Eine originale Schmiede macht deutlich, dass die ersten Reparaturbetriebe für die Landmaschinen die dörflichen Schmieden waren. Die Handwerker dort mochten sich weniger in die Technik der Motoren einarbeiten, konnten aber sehr wohl aushelfen, wenn es um Schrauben und Leitungen ging, indem sie die Originalteile „nachbauten“. Und eine Tankstelle aus den 1920er Jahren macht anschaulich, wie geradezu idyllisch es damals zuging: Der Kraftstoff musste mit Handpumpen aus den Lagertanks in die der Fahrzeuge befördert werden. Und auf die Minisupermärkte von heute weist nun wirklich nichts hin. Öl und Kraftstoff war das Angebot, vielleicht noch Wasser, extrem zielorientiert.

Modellbauten von der Fertigung der Landmaschinen lassen erahnen, wie viele Handgriffe notwendig waren, eher ein solches Kraftpaket in Dienst gestellt werden konnte. Und in Vitrinen wird anschaulich gezeigt, wie zunächst stationäre Motoren die Landwirte bei ihrer Arbeit unterstützten, etwa als Antrieb für eine Dreschmaschine. Diese Antriebsmotoren wurden von Pferden an ihren Einsatzort gezogen — eine Übergangszeit, ehe die „selbstfahrenden“ Maschinen auf den Markt kamen.

Limousinen und „Trabbis“

Und gleichsam als Sahnehäubchen gibt es auch ein paar „normale“ Autos: Mercedeslimousinen und die letzten drei „Trabbis“, die 1990 vom Band gefahren sind. Bemalt mit einer Mauer, die wie eine Girlande die Seiten umschmeichelt, dem Slogan „Memories of Germany“ sowie den Porträts von Michael Gorbatschow, Helmut Kohl und — mit etwas Fantasie zu erkennen — Hans-Dietrich Genscher.

Wer die Thematik lieber im Kleinformat besichtigen möchte, dem verschlägt es angesichts von fast 10 000 Modellen in schier endlosen Glasschränken den Atem. Die Modelle beschränken sich nicht nur auf Traktoren und verwandte Fahrzeuge, sondern umfassen die gesamte Palette dessen, was sich heute und in früheren Jahren auf den Straßen fortbewegte. Hier stehen sie wie in einem riesigen Stau sauber hintereinander aufgereiht: große Lkw und kleine Personenautos, Feuerwehr- und Rettungswagen, Omnibusse und eben auch Traktoren, die man zuvor noch in der großen Halle in Originalgröße bewundert hatte.