Radeln für Leib und Seele: Eine entspannte Tour, die dahinfließt wie das Wasser der Maas

Radeln für Leib und Seele : Eine entspannte Tour, die dahinfließt wie das Wasser der Maas

Rund um Maastricht führt eine Radstrecke, auf der es viel zu sehen und genießen gibt. Angebote gibt es für jeden Geschmack und Geldbeutel.

Wir starten im südlichen Nationaal Park Hoge Kempen und fahren vom Besucherpark entlang der Reitanlage mit seinem einladenden Fietscafé De Hoge Kempen. Auf dem Asphaltweg gelangen wir schnell mitten in den dichten Mischwald, wechseln an der T-Kreuzung vor dem Wegkreuz nach links auf den Radweg neben der Waldstraße. Nach einem Kilometer biegen wir an der nächsten Querung wieder links ab, fahren wenige 100 Meter nah an der Landstraße, dann, mit Abstand und getrennt durch dichte Büsche, nebenher. Bei Kilometer 5,0 öffnet sich der Wald und wir passieren einen landwirtschaftlichen Betrieb mit großer Weidefläche, bevor wir auf die Nationalstraße N77 treffen. Im Ice Paradise Zutendaal, am Knoten 62, könnten wir eine Pause einlegen, bevor wir der N77 nach links für 100 Meter folgen. Über die sichere Mittelinsel, der Wegweisung zum Knoten 65 folgend, wechseln wir auf die gegenüberliegende Grenzstraat.

Nachdem wir ein paar Wohnhäuser mit gepflegten Gärten passiert haben, verlassen wir bald die Bebauung und rollen entspannt, der Radwegweisung zum Knoten 65 folgend, durch Wald und Feld und wieder durch schier endlos scheinenden wunderschönen Wald. Wenn wir leise unterwegs sind und vorsichtig einen Blick in einen der Querwege werfen, könnten wir auch mal ein Reh überraschen. Zwischendurch pausieren wir auf einer Rastbank und lauschen dem Gezwitscher der heimischen Vögel. Am Waldrand erreichen wir Gellik, ein 2700-Seelen-Dorf mit eigener Musikakademie und der Basilika Sint Laurentiuskerk. Gegenüber dem großen Kirchplatz liegt das Café In De Oude Hoeve mit seiner gemütlichen Terrasse.

In rascher Fahrt rollen wir bergab auf die Brücke über den Albertkanal, der Maastricht und die Maas über 115 Kilometer mit dem größten belgischen Hafen in Antwerpen verbindet. An Feldern mit Kartoffeln, Rüben, Zwiebeln und Getreide entlang folgen wir den blauen Fahrradpfeilen über sieben Kilometer zu den Knoten 66, 90 und 88, queren dann die Nationalstraße N2 und die Dörfer Hees und Kesselt.

Sanfte Kuven am Fluss entlang

Vor einer dichten Baumreihe biegen wir rechts ab und fahren einen Kilometer neben dem Albertkanaal, der 25 Meter unter uns liegt. Am Knoten 557 können wir Tourhalbzeit an einem außergewöhnlichen Standort feiern. Die Brug van Vroenhoven ist ein beeindruckendes Monument mit Museum und dem Restaurant Brasserie Onder de Brug. Die Sonnenterrasse schwebt über dem Kanal und bietet eine grandiose Aussicht über die breite Wasserstraße.

Auf der Brücke wechseln wir die Kanalseite, fahren dahinter rechts und nach 150 Metern links in den Feldweg. Kaum merklich gelangen wir vom belgischen ins niederländische Limburg. Lediglich das blaue Ortsschild Maastricht macht deutlich, wo wir gerade angekommen sind. Zwischen Sportplatz und Wohnhäusern hindurch biegen wir an der Petrus en Pauluskerk rechts ab.

Auf roten Ziegeln geht es in der engen Gasse stetig bergab. An der T-Kreuzung fahren wir rechts und sofort wieder scharf links. Nun müssen wir kräftig in die Pedale treten, denn die Asphaltstraße führt uns 400 Meter ganz schön steil auf den Louwberg hinauf, wo uns hinter der Querstraße das Weingut Apostelhoeve überrascht.

Am Parkplatz des Guts biegen wir links ab und lassen unsere Fahrräder genüsslich über 1500 Meter talwärts rollen. Wir fahren den Cannerweg links am kleinen Musketierpark vorbei, biegen an der zweiten Querstraße rechts in den Sint Gerlachusweg und queren dann die Straße geradeaus in die herrlichen blumendurchstreuten Wiesen der Jeker. Hinter der Holzbrücke bleiben wir auf dem Pfad, der sich in sanften Kurven immer nah am Fluss durch die Wiesen schlängelt, und alle paar Meter steht eine Holzbank zur Pause mit Auenblick. Der Weg endet an der Straße am Knoten 12, da fahren wir rechts ab in den Jekerweg und sind nun in einem der gemütlichen Vorortviertel von Maastricht. Am Ende der Straße geht es rechts hoch zum Fort Sint Pieter, einer imposanten Festungsanlage von 1702 an der Nordseite des Sint Pietersberg. Wir könnten an einer Führung durch das Fort oder die Grotten mit den verzierten Wänden teilnehmen und jahrhundertealte Brotöfen, Ställe und Unterkünfte besichtigen.

Auf Entdeckungsreise in der Stadt

Ansonsten halten wir uns links und fahren schnurstracks in die ausgedehnten Grünanlagen um die Jeker. Am Flüsschen entlang rollen wir langsam durch den Park, zwischen etlichen Joggern, Inlineskatern und vielen Studenten, die hier ihre Pause genießen. Neben Fragmenten der mittelalterlichen Stadtmauer überqueren wir die Jeker wenige Meter vor ihrer Mündung in die Maas am Helpoort (Höllentor), dem ältesten Stadttor der Niederlande. Wir sind nun unmittelbar am belebten Maasboulevard, wo gleich mehrere große Ausflugsschiffe der Rederij Stiphout zu Rundfahrten über den Fluss einladen.

Maastricht, welch eine Stadt. Eine Auswahl der unzähligen Highlights zu erwähnen, fällt schwer, am besten gehen wir auf Entdeckungsreise und stellen unsere Räder für zwei, drei Stunden ab. Dafür bietet sich das kostenlose Fietsenstalling unter dem Maasboulevard an. Das historische Zentrum beherbergt eine höchst quirlige Mischung aus Hunderten kleiner Kneipen und Restaurants, edlen Läden renommierter Marken sowie originellen Boutiquen unbekannter Labels, Patisserien, Chocolaterien und Friseursalons.

Mittendrin liegt der sehenswerte Boekhandel Dominicanen, in einer ehemaligen Dominikanerkirche aus dem 14. Jahrhundert. Ein riesiger Buchladen mit alten Fresken im Gewölbehimmel. Weithin sichtbar durch seinen markanten ovalen Turm, aber etwas abseits auf der anderen Maasseite, liegt das Bonnefantenmuseum, das unter anderem eine herausragende mittelalterliche Skulpturensammlung zeigt.

Die Route mit dem Fahrrad. Foto: zva/droste

Wenn wir Appetit haben, finden wir Angebote für jeden Geschmack und Geldbeutel. Ganz in der Nähe unserer Räder liegt das sterndekorierte Tout à Fait B.V., und dort können wir eines der täglich wechselnden Mittagsmenüs bei offener Küche genießen. An nur wenigen Tischen drinnen wie draußen bietet das La Bodega leckere Tapas und Wein zu moderaten Preisen.

Auf dem Marktplatz neben dem historischen Stadhuis (Rathaus) aus dem 17. Jahrhundert findet jeden Mittwoch und Freitag, auch im Winter, ein Markt mit frischem Gemüse, Obst und vielen anderen Lebensmitteln statt. Außerdem gibt es alles andere zu kaufen, was der Mensch braucht oder nicht. Und jeden Samstag ist hier ganztags großer „vlooienmarkt“ (Flohmarkt) – ein Muss für Liebhaber von Trödel und Antikem.

Den romantischen Vrijthof säumt ein dichtes Spalier an Restaurantterrassen und auf dem Platz finden regelmäßig Konzerte statt. Mindestens einmal im Jahr läuft hier André Rieu zum Sommerkonzert mit seinem Johann Strauss Orchester auf und verzückt seine Fans und halb Maastricht drumherum mit Walzertakten, klassischer Musik, Operette und Musicalelementen.

Nachdem wir unsere Räder wieder ans Licht der Sonne geholt haben, fahren wir neben der Maas auf dem Boulevard weiter, an der Wilhelminabrug vorbei und wechseln nach 200 Metern an der ersten Fahrradampel auf die linke Nebenfahrbahn. 50 Meter vor der kleinen Schleusenbrücke fahren wir links herab zum ’t Bassin, dem historischen Industriehafen der Stadt, der zu einem touristischen Sportboothafen und Treffpunkt für Jung und Alt umgebaut wurde. In den Kasematten rundum finden sich Kunstateliers und Restaurants mit Terrassen bis an die Kais. Wirklich nett, gelegentlich mit dezenter Livemusik, ist es im Wienkontor Bk7.

Im Hafen kann man Schaluppen mieten, mit oder ohne Steuermann und durch die Oude Sluis zur Maas herabschleusen, aber bitte stilvoll mit einem Eiskübel voller Prosecco in der Mitte.

Nette Häuschen und schrullige Hütten

Um das Hafenbecken führen wir unsere Räder unter der Brücke durch im Linksbogen hoch auf die Boschstraat. Gegenüber prangt der markante weiße Industriebau einer Sanitärfabrik aus den 1930er-Jahren. Die Sphinxpassage ist heute ein kulturelles Zentrum mit Studentenwohnheim, Kino, Café, Büros und Läden. Mitten hindurch führt die Passage, deren Wände 30.000 Fliesen zieren. Das mit 120 Metern längste Fliesenbild der Niederlande erzählt die Geschichte vom Glanz der berühmten Fabrik. Es kann täglich kostenlos besichtigt werden, auch per Rad.

Vor dem Komplex biegen wir rechts ab, bewegen uns auf dem Radweg stadtauswärts, unter der Noorderbrug hindurch und wechseln dahinter auf den linksseitigen Radweg. Es geht leicht abwärts zur historischen Schleuse 13 am südlichen Ende der Zuid-Willemsvaart. Auf dem „jaagdpad“ fahren wir flott und meist komfortabel – manchmal ist der Weg auch etwas holprig – vorbei an Anglern, Hausbooten, netten Häuschen und schrulligen Hütten. Gegenüber sehen wir die große Schleuse Bosscherveld, die den Kanal mit der nahen Maas verbindet. Im Dörfchen Smeermaas queren wir die Nationaalstraat N77 und sind nun wieder in Belgien unterwegs, die blauen Schilder weisen uns zum Knoten 54. Nach drei Kilometern Fahrt neben dem stillen Kanalwasser unter efeuberankten Laubbäumen machen wir eine Spitzkehre am Kanaldreieck und fahren am Kanaal Briegden-Neerharen zwei Kilometer in die entgegengesetzte Richtung. Über die Schleuse Neerharen erreichen wir am Knoten 131 die N78, die wir überqueren und der Wegweisung zum Knoten 140 folgen.

Diese und weitere Wohlfühltouren finden sich im Radwanderführer „Zwischen Maastricht und Nimwegen. Radeln für die Seele“ von Thomas Maria Claßen (192 Seiten, 17 Euro, Droste Verlag, ISBN 978-3-7700-2094-2). Foto: RZ_DRO_Cover_Radeln-fuer-die-Seele_Maastrich_180726_x3(1)

Im Zickzack durchs offene Gelände treffen wir neben Blumenwiesen mit Fjordpferden und Heideschafen neben einem kleinen Teich auf die Burgruine der Waterburcht Pietersheim. Weiter geht unsere Reise durch den Park, vorbei an Sportanlagen, einem malerischen Angelteich und dem Spielbauernhof Kinderboerderij Pietersheim. Vor dem großen Parkplatz biegen wir rechts ab und fahren zuerst durch Wald, dann an großen umzäunten Pferdewiesen entlang. Wenn wir genau hinsehen, erkennen wir dahinter die Anlagen des Gestüts Zangersheide, das für seine Springpferde und Auktionen über die Grenzen hinaus berühmt ist.

Rechts tangieren wir das westliche Neerharen mit noblen Anwesen und großen Gärten. Bald nach einer Linkskurve blitzt Wasser durch Rhododendronhecken, und wir entdecken hinter einem Teich voll gelber Seerosen eine Gartenterrasse mit hellen Schirmen. Neugierig umfahren wir das Gelände und staunen über das avantgardistische Restaurant La Source. In unserem Radleroutfit sind wir auf der Terrasse stets herzlich willkommen. Wenn wir die zwei Michelin-Sterne des noblen Gourmetrestaurants von Maître Ralf Berendsen testen wollen, müssten wir uns vielleicht umziehen. Unser Wagen steht ja 200 Meter nah gegenüber dem Fietscafé, wo unsere Tour ihren Anfang hatte.

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